Zukünftige Waldpolitik

Özdemir: Brüssel muss nationale Zuständigkeiten in der Forstpolitik berücksichtigen

Landwirtschaftsminister Özdemir will sich nationale Zuständigkeiten in der Forstpolitik vorbehalten – anders ließen sich regionale Unterschiede nicht berücksichtigen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hält in der Forstpolitik eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten für notwendig. Dabei seien allerdings die „Zuständigkeit der Mitgliedstaaten und ihre regional angepassten Waldbewirtschaftungskonzepte zu berücksichtigen“, erklärte der Ressortchef bei der Eröffnung eines „EU-Symposiums“, das der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) und die österreichischen Plattform Forst - Holz - Papier (FHP) am vergangenen Freitag (29.4.) in Berlin ausgerichtet haben.

Özdemir will Forstwirte finanziell unterstützen

Daneben sprach sich Özdemir für die Nutzung der Wälder aus. Zwar unterstütze er Bemühungen zum Schutz alter, besonders wertvoller Wälder als bedeutende Kohlenstoffspeicher und Orte biologischer Vielfalt. Gleichzeitig müsse aber auch an die Wälder als wichtige heimischer Rohstoffquelle und die auch künftige Verfügbarkeit des nachwachsenden Rohstoffs Holz gedacht werden. Schließlich bekräftigte der Minister sein Engagement für die finanzielle Unterstützung der heimischen Waldbesitzer. Dafür würden aktuell sowohl in der Europäischen Union wie auch in Deutschland geeignete Honorierungssysteme ausgelotet. Auf Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministeriums sehe die Bundesregierung im Energie- und Klimafonds 2022/23 sowie im Finanzplan bis 2026 Mittel in Höhe von 900 Mio Euro vor.

Die Rolle der EU: Unterstützen statt behindern

Der DFWR und die FHP forderten einen Kurzwechsel in der EU-Forstpolitik. Die EU-Kommission möchte im Rahmen einer EU-Forststrategie den Einfluss der EU in der Waldpolitik ausbauen. Entscheidungen zum Erhalt der Wälder müssten auf nationaler und europäischer Ebene regionale Vielfalt, Praxisnähe und Evidenz beachten. Zentrale Vorgaben für alle EU-Mitgliedstaaten seien dazu ungeeignet. DFWR-Präsident Georg Schirmbeck begrüßte die Bestrebungen der Bundesregierung, die Herausforderungen Klimawandel, Energiekrise und regionale Wertschöpfung durch einen verstärkten Holzbau anzugehen. Holz sei im Vergleich zur Verwendung hochemittierender Stoffe wie Zement die klimafreundlichste Variante. Unter diesem Aspekt sei es notwendig, dass diese Leistung der Forstwirtschaft nicht durch die sektoralen Vorgaben der europäischen Landnutzungs-Verordnung (LULUCF) behindert, sondern politisch unterstützt werde.

Waldumbau nur mit Bewirtschaftung

Zugleich sprach sich Schirmbeck dafür aus, Waldbesitzende und Forstleute in künftigen Gesetzgebungsprozessen „mitzunehmen“. Die nachhaltige, multifunktionale Bewirtschaftung der Wälder spiele bei der Bekämpfung des Klimawandels eine Schlüsselrolle. Deshalb müssten die Leistungen der zwei Millionen Waldbesitzenden und Forstleute generationenübergreifend gesichert werden. Für die FHP hielt der Obmann des Waldverbandes Österreich, Rudolf Rosenstatter, fest, dass forstpolitische Entscheidungen auf Fachlichkeit basierend ideologiefrei getroffen werden müssten. Es habe sich die Fehlannahme breit gemacht, dass „alles gut“ werde, wenn man den Wald einfach sich selbst überlasse. Das stimme aber nicht. Die Klimakrise erzwinge einen Waldumbau, für den man eine aktive Bewirtschaftung brauche.


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