Gesprächsrunde

Özdemir will Stimmen der Jugendverbände einbeziehen

Agrarminister Cem Özdemir möchte die Jugend in Zukunft verstärkt in die Arbeit des BMEL einbeziehen. Gleichzeitig betonte der Minister, dass er Bio als fünfte Haltungsstufe einführen will.

Im Gespräch zum Thema "Unsere Landwirtschaft unsere Zukunft" sprach Agrarminister Cem Özdemir mit Jugendverbänden über die Zukunft der Junglandwirte und Tierhalter sowie die Förderung des Ökolandbaus. Aktuell stehen vor allem die jungen Landwirte vor der Frage, wie es mit der Landwirtschaft weitergehen soll. Viele von ihnen wollen Veränderungen, sehen aber kaum Chancen für einen Fortbestand der eigenen Betriebe.

Dass Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir die jungen Landwirte und vor allem den Ökolandbau in Deutschland fördern möchte, ist nichts Neues. Wie genau er die Zukunft der Junglandwirte sichern will, ist vielen aber noch ein Rätsel.

In der Fragerunde hakten Vertreter der Jungen AbL, der jungen ISN, des Jungen Bioland sowie der NAJU, der Landjugend und der BUNDjugend am vergangenen Mittwoch genauer nach und schilderten Özdemir ihre Sorgen und Hoffnungen.

Zukunft und Chancen für junge Landwirte

"Wir brauchen mehr junge Menschen in der Landwirtschaft", unterstreicht Lilli Haulle von der Jungen AbL ihre Forderungen. Doch diese bräuchten konkrete Unterstützung. Der Ökolandbau, der in Özdemirs Agrarpolitik immer wieder Anklang findet, müsse ebenfalls weiter ausgebaut werden, so Theresia Kübler, Vertreterin des Jungen Bioland e.V.: "Wir haben in harter Arbeit eigenen Wertschöpfungsketten und Märkte aufgebaut. Nur eine Biohaltungsstufe wird der Praxis gerecht."

Jonas Osterkamp, Schweinehalter aus NRW und Vertreter der Jungen ISN betont zudem erneut die Relevanz der deutschen Agrarpolitik für junge Tierhalter: Wir stehen mit dem Rücken an der Wand. Ohne Unterstützung aus der Politik steigen immer mehr Schweinehalter aus." Wichtig sei es, neben Perspektiven für junge Leute, mit Blick auf "5D" auch eine klare Übereinstimmung von Haltungsstandards und den deutschen Nachhaltigkeitsstandards zu schaffen.

Mit Blick auf das 30 % Ziel des Ökolandbaus bis 2030 gelte es jetzt ebendiesen neu in den Blick zu nehmen und den Aus- und Aufbau voranzubringen, so der Minister. Gleichzeitig wolle er auch Bio als zusätzliche Haltungsstufe einführen. "Ich sehe das aber nicht als Gegensatz zur höchsten konventionellen Haltungsstufe", erklärt Özdemir. Auch dort werde bereits jetzt erstaunliches geleistet, was anerkannt werden sollte. "Es besteht kein Anlass diese Arbeit unterschiedlich zu werten und zu entlohnen."

Eine Biohaltungsstufe ist keine Diskriminierung der konventionellen Landwirte, die in ihrer höchsten Haltungsstufe bereits erstaunliches leisten." - Özdemir

Um konkret auch die deutschen Schweinehalter zu unterstützen, hält der Minister weiter an seinem Plan fest, das Baugesetzbuch anzupassen und einen Umbau der Ställe zu vereinfachen. "Dafür muss für die Bauern aber eine Finanzierung kommen. Das muss der Staat in Aktion treten", erklärt er. Nutznießer der Finanzierungen sowie einer Anpassung von vier auf fünf Haltungsstufen solle dabei vor allem der jeweilige Tierhalter sein.

"Jugend kann diskutieren, streiten und konstruktiv nach vorne blicken"

Özdemir selbst wolle die Stimme der Jugend in Zukunft verstärkt in die Arbeit des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einbeziehen. Er wünsche sich, dass Landwirte auf Dauer mit einem guten Gefühl in die Zukunft blicken können. Dazu gehöre neben einer fairen Bezahlung auch die Perspektive für Hochnachfolger.

"Gerade die Jugend kann ein gutes Miteinander vormachen, sodass ältere Generationen hoffentlich nachziehen", betont Kathrin Muus, ehemalige Bundesvorsitzende des Bundes der deutschen Landjugend (BDL) und Moderatorin der Gesprächsrunde. So könne der Veränderungswille und die hohe Expertise der Jugendverbände für eine nachhaltigen Landwirtschaft in die Politik einfließen. Mit großem politischem Interesse könne die Jugend nicht nur diskutieren, sondern auch konstruktiv nach vorne blicken.

Auch Dr. Klaus Heider, Leiter der Abteilung Ländliche Entwicklung im BMEL, spricht sich für eine gemeinsame Arbeit aus. "Wir wollen die Jugend bei der Entwicklung von neuen Ansätzen mehr einbeziehen." Dadurch solle die Jugend in der Erarbeitung neuer Strategieentwürfe für die künftige Agrarpolitik stärker zu Gehör kommen.


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