Pachten besser als neu bauen? Premium

Wir zeigen, für wen eine Stallpacht sinnvoll ist, wie Sie einen wirtschaftlich angemessenen Pachtpreis ermitteln und was Sie bei einem Stallpachtvertrag beachten müssen. Nicht für alle Betriebe kommt ein neuer Stall infrage. Eine Alternative ist es, einen Stall zu pachten.

Halten Sie wichtige Punkte auch zum Betriebsalltag im Pachtvertrag fest, um häufige Konfliktpunkte schon im Vorhinein zu vermeiden. (Bildquelle: Schulze Harling)

Wir zeigen, für wen eine Stallpacht sinnvoll ist, wie Sie einen wirtschaftlich angemessenen Pachtpreis ermitteln und was Sie bei einem Stallpachtvertrag beachten müssen. Nicht für alle Betriebe kommt ein neuer Stall infrage. Eine Alternative ist es, einen Stall zu pachten. Wir haben uns angeschaut, für wen die Pacht geeignet ist, wie Sie Ihren maximalen Pachtpreis errechnen und welche Punkte im Pachtvertrag wichtig sind. 1. Für wen die Stallpacht in Betracht kommt Eine Stallpacht macht Sinn, wenn SieIhren Hof vergrößern wollen, aber Ihren Stall nicht genehmigt bekommen. sich noch unsicher sind, ob Ihr Nachwuchs den Betrieb übernimmt. eine zusätzliche Einkommensquelle benötigen, weil Ihr Nachfolger mit einsteigt. Ihr Kapital nicht so lange in einem Neubau binden wollen, weil sich beispielsweise ein Schweinemaststall bei heutigen Stallbaukosten erst nach 20 Jahren rentiert oder durch steigende Leistungen Ihrer Tiere, z.B. mehr Ferkel pro Sau, zusätzlich mehr Stallplatz brauchen. Allgemein hat die Stallpacht den Vorteil, dass Sie deutlich flexibler auf Unwägbarkeiten reagieren können. So birgt die Politik Risiken. Bauen Sie heute neu, wissen Sie nicht, ob der Stall in einigen Jahren noch den gesetzlichen Auflagen entspricht. Müssten Sie dann umbauen, bräuchten Sie eventuell wieder eine Genehmigung, die schwierig zu erhalten ist. Den Stallpachtvertrag könnten Sie in so einem Fall kündigen. 2. So berechnen Sie den wirtschaftlichen Pachtpreis Der Verpächter will so viel wie möglich einnehmen, während der Pächter möglichst wenig zahlen will. Der Verpächter orientiert sich am Gebäudewert. Muss er für den Stall noch einen Baukredit abbezahlen, möchte er im Idealfall das Darlehen mit dem Pachterlös tilgen. Das kann er meist nicht durchsetzen. Bei so hohen Kosten würde ein potenzieller Pächter zunächst versuchen, selber den Stall zu bauen. Für Sie als Pächter steht die Wirtschaftlichkeit des Pachtstalles im Vordergrund. Mit dem Stall wollen Sie schließlich mehr Geld einnehmen, statt höhere Kosten zu zahlen. Ihre Pachtpreis-Schmerzgrenze können Sie selber ausrechnen. Wir zeigen Ihnen das am Beispiel eines Schweinemast-, Sauen- und Jungviehstalles (siehe Übersicht). Steigt Ihre Pacht über diese Grenze, decken Sie Ihre Kosten auf Dauer nicht. Zu- und Abschläge für Stallgröße oder regionale Unterschiede berücksichtigt die Rechnung nicht. Direktkostenfreie Leistung Um den maximalen Pachtpreis zu berechnen, ziehen Sie Ihre Arbeitserledigungskosten und Ihren Risikoabschlag von der Direktkostenfreien Leistung (DkfL) ab.Die DkfL sind Ihre Erlöse minus der Direktkosten aus diesem Betriebszweig, wie z.B. die Kosten für Futtermittel oder Tierarzt. Setzen Sie für die Rechnung nur Nettobeträge an. Wie hoch Ihre DkfL ist, hängt von Ihrem Management ab. Erreichen Sie überdurchschnittliche Leistungen, sind Ihre Erlöse höher. Bedenken Sie aber, dass auch die Bedingungen im Stall wie der Zustand der Inneneinrichtung oder die Licht- und Luftzufuhr die Leistungen Ihrer Tiere beeinflussen. Diese Kosten fallen an Die Arbeitserledigungskosten sind die Summe aus Lohnkosten, Fahrtkosten zum Pachtstall, Kosten für die Gülleabgabe, Reparaturen, Zinsen für Ihr eingesetztes Kapital sowie sonstiger Kosten:In der Sauen- und Rinderhaltung schlagen die jährlichen Lohnkosten bei einem Pachtstall mit 240 bzw. 160 €/Platz zu Buche. Das sind 64% der gesamten Arbeitserledigungskosten! Bei den Mastschweinen sind es 51%. Kalkulieren Sie bei den Lohnkosten neben der Betreuung der Tiere auch die Arbeitszeit für die Fahrten zum Stall mit ein. Je weiter der potentielle Pachtstall vom eigenen Betrieb entfernt ist, desto mehr fällt diese Gewicht. Überlegen Sie genau, wie die zusätzliche Arbeit in Ihr Betriebskonzept passt. So hat Klaus Peter Lucht den Jungviehstall nur gepachtet, weil der Verpächter noch einige Aufgaben übernommen hat und Lucht keine zusätzliche Arbeitskraft einstellen musste. Für die Fahrten zum Pachtstall fallen neben der Arbeitszeit Fahrtkosten für Sprit und Fahrzeugverschleiß an. Durch die Verschärfung der Düngemittelverordnung nehmen die Kosten für die Gülleabgabe insbesondere in viehintensiven Regionen deutlich zu. Während in den vergangenen Jahren die Kosten zwischen 5 bis 10 €/m³ lagen, ist der Preis in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen, sodass wir 12 €/m³ angesetzt haben. Gerade bei den ...

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Die Vertrauensbasis muss da sein!

Ob man die "Verbesserungen" die man in den Stall investiert, immer wieder raus bekommt, steht auf einem anderen Blatt! Es muss aber im Wesentlichen im Vertrag genannt werden, wie man miteinander umgeht, und wer welche Kosten trägt!

von Gerhard Seeger

"Pachten besser als neu bauen?"

... oder auch einfach nur die Finger davon lassen.

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