Pesonen: „Ich habe hohen Respekt für Minister Schmidts Entscheidung“

Glyphosat, Greening und die Verhandlungen um die Omnibus-Verordnung waren die herausragenden Themen des abgelaufenen Jahres 2017 für die europäischen Landwirte.

Glyphosat, Greening und die Verhandlungen um die Omnibus-Verordnung waren die herausragenden Themen des abgelaufenen Jahres 2017 für die europäischen Landwirte. Das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten und Mexiko sowie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und der Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) für die Periode 2020-2028 und Belange des Verbraucherschutzes werden die Themen im Neuen Jahr 2018 bestimmen.

Der Generalsekretär des europäischen Dachverbandes der Landwirte und Genossenschaftsbetriebe (Copa Cogeca), Pekka Pesonen, zieht im Gespräch mit top agrar Bilanz und wagt einen Ausblick:

Nach den Krisen der letzten Jahre stabilisierte sich die Gesamtlage der Landwirtschaft 2017 wieder. Was erwarten Sie für die Bauern im kommenden Jahr?

PESONEN: Die Landwirtschaft ist per Definitionem eine Kultur der Hoffnung. Jedes Jahr im Frühling beginnen die Landwirte in ganz Europa ihre Feldarbeitssaison mit großen Hoffnungen und Erwartungen bessere Ergebnisse zu erzielen als im Vorjahr. So ist das immer in allen Bereichen der Landwirtschaft.

Im Jahr 2017 haben wir eine Erholung vor allem bei marktbedingten Krisen registrieren können. Darüber hinaus haben wir in einigen Regionen der EU mit Wetter bedingten Problemen zu kämpfen gehabt - wie in den Baltischen Staaten und Teilen Nordeuropas. So waren wir mit sehr nassen Erntesaison Bedingungen konfrontiert und in meinem Heimatland Finnland sogar mit Schneefällen. So müssen wir uns für die Zukunft gegen die Volatilität von Wetterphänomenen stärker wappnen.

Sich verändernde Wetterbedingungen sind Teil des sich vollziehenden Klimawandels. Die GAP 2020 Vorschläge verlangen von den Landwirten künftig mehr Einsatz für den Klimaschutz. Unterstützt Copa Cogea dies?
 
PESONEN: Wir sind davon überzeugt, dass die Landwirtschaft einer der wenigen - wenn nicht gar der einzige Sektor ist -  der geeignet ist, Klimawandel abzuschwächen und einen positiven Beitrag für die Umwelt zu leisten imstande ist.

Wir glauben fest daran, dass die Landwirtschaft mit Blick auf GAP 2020 einen hohen Stellenwert hat. Wir produzieren Lebensmittel soweit wie möglich in einer nachhaltigen Art und Weise. Grundsätzlich begrüßen wir das von der EU-Kommission vorgelegte GAP 2020 Papier. Wir haben in unserer Position zu der Kommissionsmitteilung auf einige Punkte hingewiesen, die für Copa Cogeca von besonderer Bedeutung sind.

Da ist zunächst einmal die Gemeinschaftsaufgabe, eine ausreichend Finanzierung zu gewährleisten und inwieweit Bürokratie zulasten der Landwirte wirklich beschnitten werden kann.  Zunächst einmal handelt es sich hier um eine Mitteilung und wir fokussieren nun mehr auf die gesetzgeberischen Maßnahmen, die es zu diskutieren gilt im Neuen Jahr 2018. Hier legen wir ein besonderes Augenmerk auf die neuen Elemente wie das Risikomanagement, welche Rolle die Landwirte in der Lebensmittelkette in Zukunft spielen sollen und von besonderer Bedeutung die Umweltauflagen und hier insbesondere wie diese interpretiert werden sollen in Zukunft.

Millionen kleiner Familienbetriebe sind davon betroffen im Einzelnen und der Sektor als Ganzes. Hier müssen die Anliegen von  Landwirten im lokalen und regionalen Raum stärker Berücksichtigung finden bei künftigen Maßnahmen.

Der Europäische Rechnungshof hat unlängst die bisherigen „Greening“- Maßnahmen als ineffizient und große Milliardenverschwendung von Steuergeldern bezeichnet. Welche Lehren müssen daraus gezogen werden?

PESONEN: Der Bericht des Europäischen Rechnungshofes war keine große Überraschung für uns. Wir haben immer gesagt, dass wir keine Einwände haben gegen das Instrument des greening als solches. Wie unterstützen ausdrücklich das Prinzip einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Aber wenn wir ehrlich sind, stellt das Greening Konzept im jetzigen Zustand in erster Linie ein administratives Element für Feldrotation und Greening Maßnahmen dar. Obwohl die Bauern mit dem Prinzip und den Zielen einverstanden waren, sahen sie sich aber einem sehr bürokratischen System gegenüber. Es war strengen Regeln unterworfen und in einzelnen Fällen sahen wir als Ergebnis eher das Gegenteil von dem, was eigentlich erreicht werden sollte.  Wenn der einzelne Landwirt bereits einen jährlichen Fruchtwechsel praktizierte, wurde dies im neuen System nicht länger akzeptiert und man wurde gezwungen, das Land in drei voneinander getrennte Parzellen zu unterteilen.

Also Bürokratieabbau ist entscheidend, um Greening künftig wirklich zum Erfolg zu führen?

PESONEN:  Ja es muss in Zukunft so einfach wie möglich gestaltet werden und dass die Landwirte sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können und zwar nachhaltige Lebensmittel zu produzieren.

Die Landwirte Europas bemängeln, dass sie in der Lebensmittelkette übervorteilt werden und keine angemessenen Erlöse im Handel erzielen. Wie wollen Sie das ändern?

PESONEN: Es ist für alle offenkundig, dass wenn wir eine nachhaltige Lebensmittelproduktion mit bäuerlichen Betrieben erhalten wollen, dann müssen wir unsere Aufnahme am Markt verbessern. Die erzielten Einkommen am Markt müssen in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Es darf nicht sein, dass die Landwirtschaft immer abhängiger wird von (Discountern) wie dies in den vergangenen Jahren immer stärker zugenommen hat.

Nichts destotrotz blicken wir zuversichtlich auf das Marktgeschehen und sind engagiert, die hohen europäischen Lebensmittelstandards zu sichern. Die Landwirte investieren dafür und erwarten zu Recht einen adäquaten Preis am Markt vom Verbraucher zu erzielen.

Nach...

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