Ökolandbau

Plagge für schrittweise Abschaffung der Direktzahlungen

Bioland-Präsident Jan Plagge fordert ein Ende der Flächenprämien. Stattdessen dürften die Bauern nur Geld bekommen, wenn sie Leistungen für Umwelt und Tierschutz erbringen.

Ein Ende der allgemeinen Flächenprämien hat der Präsident der EU-Gruppe der Internationalen Vereinigung ökologischer Landbaubewegung (IFOAM EU), Jan Plagge, gefordert. Stattdessen müsse es eine Bezahlung der Landwirte für zielgenaue Maßnahmen und Honorierungsmodelle im Bereich Umwelt-, Klima- und Tierschutz geben, so Plagge im Interview mit AGRA-EUROPE.

Allerdings plädiert er für einen schrittweisen Abbau. Es werde nicht funktionieren, von heute auf morgen einen kompletten Ausstieg aus den Direktzahlungen zu praktizieren und alles nur noch über freiwillige Honorierungssysteme auszugestalten, räumt Plagge ein. Nichtsdestoweniger sei es wichtig, das Ziel einer stärkeren Qualifizierung der Beihilfen bereits in der jetzigen GAP-Reform zu verankern.

Einschnitte in den Beihilfen müsse es für Betriebe geben, die auf eine kosteneffiziente Massenproduktion für den globalen Markt setzten und darauf angewiesen seien, dass ihre Rohwaren immer billiger auf dem Weltmarkt präsentiert werden könnten, die aber zu deutlich niedrigeren Standards produziert würden. Wolle man nicht allen Beteiligten - der gesamten Landwirtschaft, der gesamten Gesellschaft und dem gesamten europäischen Projekt - schaden, müsse umgesteuert werden, mahnt Plagge.

Die IFOAM EU fordere, dass 70 % der nationalen GAP-Budgets für Umwelt-, Klima-, Tierschutzmaßnahmen ausgegeben werden, und zwar für solche, für die sich der einzelne landwirtschaftliche Betrieb freiwillig entscheiden könne.

Eine Abkehr fordert der Verbandspräsident vom „One-size-fit-all“-Ansatz. Das hätte bereits beim Greening zu Schwierigkeiten geführt und werde jetzt Konditionalität genannt. Scharfe Kritik übte er an den geplanten Kürzungen der Zweiten Säule.

Ökologischer Konsum als Normalzustand

Plagge, der auch Präsident des deutschen Anbauverbandes Bioland ist, sprach sich des Weiteren dagegen aus, die Bewahrung der Lebensgrundlagen gegen die soziale Frage auszuspielen. Schließlich dürfe es keine elitäre Aufgabe sein, „unsere Lebensgrundlagen zu schützen“.

Gerade ökologische Krisen träfen zuerst Menschen mit geringen Einkommen, weshalb ein bestimmter Wohlstand nicht das Kriterium sein dürfe, „ob ich mir Waren aus einer nachhaltigen, ökologischen und grundwasserschützende Produktion leisten kann“. Aufgabe der Politik sei es, die Lebensgrundlagen zu schützen. Ökologischer Konsum müsste also der Normalzustand sein.

Mit Blick auf die Einigung der EU-Kommission mit den Mercosur-Staaten auf ein Freihandelsabkommen, teilt Plagge die allgemeine Kritik des Berufsstandes. Es sei „völlig widersprüchlich, mit den heimischen Landwirten einen Veränderungsprozess in Richtung mehr Umwelt-, Klima- und Tierschutz zu gehen und dann einen unfairen Wettbewerb im Außenhandel zuzulassen“, monierte der Verbandsvertreter.

Er beklagt zudem, dass Umwelt- und Sozialstandards zwar in dem Abkommen erwähnt, aber nicht wie andere Handelsinteressen rechtlich einklagbar seien. So hätten europäische Erzeuger keine faire Chance, die gesellschaftlichen Erwartungen in der Breite zu erfüllen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Karlheinz Gruber

Anscheinend ist Bio in der Bredulie

en sonst würde nicht wieder die Förderungsumschichtung kommen. Kann es sein daß sich Bio mit den derzeitigen Preisen einfach nicht rechnet. Biomilch ist künstlich gedeckelt, Bioschweine nur zum Teil absetzbar, Biogetreide nur zum Teil rentabel und die Aussicht auf Preiserhöhung aufgrund vieler Umstellungswilliger mit angeschlossenen Warenüberschuß in undenkbarer Entfernung. Ergo. Die Biopreise werden weiter fallen, also müssen mehr Zahlungen her..... So sieht es doch aus.... Manche Leute sollte man Solidarisch persönlich in Haftung nehmen und sozialistisch enteignen....

von Jörg Meyer

Weiter denken!

Ja schrittweise Abschaffung der Prämien ist sinnvoll, weil nicht mehr zeitgemäß für Vollerwerbsbetriebe mit hohen Pachtanteilen, was die Regel ist! Wer alles eigenene Fläche hat sollte sowieso klar kommen! Aber ob wir dann noch zweite Säule brauche so wie Herr Plagge sich das vorstellt darf ich stark bezweifeln! Ohne Prämien werden auch suboptimale Flächen dem Naturschutz kostenlos zur Verfügung stehen! Es wird standortangepasste Landwirtschaft mit weniger Intensität und geringeren Flächenkosten geben! Da braucht es dann keine hohe Förderung mehr für die Klientel von Herrn Plagge! Sondern dann werden sich ganz neue Fragen stellen, von denen auch der nette Herr Plagge überrascht werden dürfte! Für mich ganz wichtig: Endlich mit fairen Lohansätzen rechnen, dann ist sowieso mit vielen Spinnereien sofort schluss im Hochlohnland Deutschland!

von Freygang GbR

Bio ist im Laden fast genau so billig wie Konventionell, warum ist das so? Weil Bio von Konventionell "subventioniert" wird, Bio wird billiger angeboten als es eigentlich sein sollte, dafür wird das Massenprodukt etwas teurer verkauft. Machen alle Bio steigen die Ladenpreise oder die Preise bleiben auf gleichem Niveau und die kleinen Bios gehen kaputt. Wir Konventionelle produzieren hier mit höchsten (Knebel-)Standards, bekommen aber nur "Weltmarktpreise", der Rest wird durch Subventionen gedeckelt. Wenn 20% höhere Marktpreise gezahlt werden, könnten wir auch auf Subventionen verzichten.

von Lars Henken

Immer die gleiche Leier

Ob Jan Plagge oder Prinz zu Löwenstein, immer nur die Forderung uns konventionellen Betrieben zu nehmen und es den Bios zu geben. ich denke die Bio-Nachfrage ist so groß und die Preise sind so toll, warum brauchen die Bios dann noch mehr Förderung? Sie bekommen doch jetzt schon deutlich mehr als wir? Und wer meint, durch Streichung der Ausgleichszahlungen würden die Auflagen sinken, der ist mit dem Klammerbeutel gepudert. Die Auflagen werden dann einfach nur ins Fachrecht übertragen und einen Ausgleich wird es nicht geben. Die Lebensmittel sind die stärkste Inflationsbremse und das Volk braucht (billiges) Brot und Spiele, daher wird sich am Ende für uns Landwirte nichts zum Guten ändern, wenn die Prämien fallen.

von Klaus Fiederling

Das juckt uns nicht die Bohne! - FALSCH!

Bauern Deutschlands vereinigt euch: Wir stellen zügig ALLE(!) auf BIO um! Herr Plagge liefert uns im Gegenzug dafür seine Abnahmegarantie zu angemessenen Erzeugerpreisen; konsequent zu Ende denken muss man die obigen Einlassungen schlussendlich im Ergebnis, dass sämtliche heute noch überlebenswillig ackernden BAUERN von ihrer HÄNDE ARBEIT leben können sollten, deren Existenz- u. betriebliche Entwicklungsfähigkeit an einem sprichwörtlich brandgefährlich „seidenen Faden“ hängend, nicht in alleiniger Abhängigkeit vom fristgemäßen Ausfüllen detailversessener Antragsformulare stehen sollte! // In erster Linie der Leguminosenanbau -Erbsen, Acker- und Sojabohnen- wird dem Öko geschuldet dabei rasant zunehmen, 2jährige Regenerationsphasen auf Kleeflächen erweitern selbige Programme. ----> Und was kommt dann!? Mit welchen „Problemchen“ dürfen wir uns hernach allesamt abmühen!? (Dahingehend verweise ich auf meinen Leserbrief vom 22.08.19: https://www.topagrar.com/acker/news/umzingelt-von-oeko-konventionelle-bauern-leiden-unter-kaeferinvasion-11774617.html), Die Natur lässt sich nicht mit von Menschenhand gesteuerten Illusionen bestechen, straft notfalls auch BIO-Bauern ab, wenn deren Konzepte Anbaupausen sträflich vernachlässigen, die bei Erbsen und Bohnen nach bisher allgemeiner Lehrmeinung u. alter Väter Sitte mindestens 5 Jahre betragen sollten! Ist dieses Fachwissen bei BIOLAND & Co. und seinem versierten Beraterstab in Vergessenheit geraten!? Auf BIO-Flächen, wo vor 1-2 Jahren Leguminosen als Hauptfrucht standen, sind jetzt schon wieder auflaufende Erbsen, Bohnen usw. als Zwischenfrucht zu erkennen. Was züchten wir uns damit heran!? Mit welchen Konsequenzen müssen wir uns arrangieren? Sind damit einhergehende Gefahren also nicht bereits gesetzt? BIO ist künftig also gleichzusetzen mit alledem, was invasiv kreucht und fleucht? Schauen wir mal, wie das den Genussgaumen einer verwöhnten Verbraucherschar schmeckt, diese förmlichst in kulinarische Ekstase versetzt. Lebt nun die vorbildlich naturverbunden zeitgemäße Gesellschaft im wieder entdeckten Einklang zu einer solchen Biodiversität auf unseren Äckern in voller Überzeugungskraft oder ist da nicht bald Schluss mit lustig, sobald sie am jeweils eigenen Tellerrand ankommt!? // Übrigens, dieser Zeitgeist erreicht bereits unsere Discounterregale: Das FABA Bohnenprotein bei UNILEVER ist auf der neuen Verpackungsaufmachung als sprichwörtliches Zugpferd gelistet. Warum scheut man vor dem bäuerlichen Begriff „Saubohnen“ -gut und insbesondere spottbillig im Einkauf- bei der dortigen Vermarktungsstrategie zurück!? Was den Schweinen als Allesfresser schmeckt, kann auch dem Menschen nicht schaden. - RAMA macht das Frühstück gut!!!

von Willy Toft

Steilvorlage für die Politik, und die landw. Erzeugerpreise steigen von alleine?

Mir wäre eine Prämienlose Landwirtschaft auch lieber, nur der Handel will uns nicht genug für die mit hohen Auflagen erzeugten Lebensmittel geben! Es bleibt ein Wunschtraum, zu denken, dass sich alles "zurecht läuft"! Die Politik hat nicht unerheblich Einfluss auf das Bauerneinkommen durch Prämien, Auflagen und gesetzliche Vorgaben! Man hat Zeitweise das Gefühl, als wenn die Politiker sich dieser Verantwortung nicht einmal bewusst sind!

von Rudolf Rößle

Abkehr

wenn ein Großteil der Konventionellen Landwirte der EU zu Ökologischen Betrieben werden, dann wird es keine Lebensmittelüberschüsse mehr in der EU geben. Gleichzeitig müsste eine Verpflichtung der europäischen Verarbeiter vorliegen, nur Waren zu verarbeiten, die europäischen Produktionsstandards entspricht. Durch ein EU Label, das vom Baby bis zum Kreis jeder kennt, sollten die Lebensmittel vermarktet werden. Die öffentliche Werbung müsste dort auch ihren Schwerpunkt haben. Zudem sollte die Direktvermarktung stark ausgebaut werden. Das wird aber nur geschehen wenn PSM und chemischer Dünger schmerzhaft teuer werden, und die 2 Säule für Konventionelle nicht mehr abgreifbar ist stehen auf den Flächen Lebensmittel oder Energiesubstrate.

von Wilhelm Grimm

Diese egoistischen und kurzsichtigen Spalter

sind eine Freude für jeden Politiker nach der Devise: "Teile und herrsche".

von Gerald Hertel

alle Prämien abschaffen egal welche Säule und Einfuhrzoll auf alle Waren welche nicht nach unseren Standard produziert werden

von Gerd Uken

Wunderbarer Vorschlag

Dieses ganze Prämiengedöns abschaffen, Preise hoch mit jährlicher Inflationsrate( Anpassung) u. alles wird gut. Der Bioland-Schweinehalter Präsident träumt schön weiter... So wie es jetzt läuft da schaffen wir die bäuerliche Labdwirtschaft ab!

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Mit vereinten Kräften

wird man es schaffen, die erste Säule zu schleifen. Wundern werden wir uns dann alle über den "Substanzverlust" nach dem Umbau.

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