Interview

Richenhagen: „Ich glaube, dass Trump wiedergewählt wird“

AGCO-Chef Martin Richenhagen wechselt zum Jahresende in den Ruhestand. Wir wollten von dem Deutsch-Amerikaner wissen, wer die US-Wahl gewinnt und wie er die Zukunft der Landwirtschaft sieht .

Herr Richenhagen, Sie leben schon lange in den USA, haben sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sind Sie mittlerweile mehr Amerikaner als Deutscher?

Richenhagen: Ich bin weiterhin Deutscher und verfolge auch das Geschehen in Deutschland sehr genau. Doch mein gesamtes Familienleben findet hier in Amerika statt. Das fünfte Enkelkind ist gerade unterwegs. Das verbindet mich natürlich stärker mit Atlanta als mit Köln oder Warendorf. Die Offenheit der Leute schätze ich hier auch sehr. In Atlanta werde ich im Geschäft mit ‚Hey Babe, how is your day?‘, begrüßt. Das gibt es in Berlin nicht.

Amerika steht kurz vor der Wahl. Vor vier Jahren hatten Sie Donald gute Chancen eingeräumt und behielten Recht. Wie sieht es diesmal aus?

Richenhagen: Damals hatte ich gesagt: „Das wird sehr eng.“ Das hat gereicht, um mich in Deutschland unbeliebt zu machen. Als Donald Trump dann tatsächlich gewann, galt ich plötzlich als Prophet. Das stimmte natürlich auch nicht. Nach der Wahl wollte ich ihm eine Chance geben, wie es sich in einer Demokratie gehört. Wieder so eine unpopuläre Position in Deutschland. Aber ich kam schnell zu der Erkenntnis, dass er nicht überzeugt. Für diese Wahl sehe ich es ähnlich. Auch diesmal wird es knapp.

Wie kommen Sie zu dieser ­Einschätzung?

Richenhagen: Zum einen liegt es an Trump selbst. Der hat noch viele treue Unterstützer, insbesondere hier in der ländlichen Bevölkerung und vor allem bei den Farmern. Bei Biden hingegen ist es schwer zu sagen. Es ist nicht ganz klar, was er eigentlich für ein Programm hat. Trump hat sich 2016 als Anti-Obama inszeniert und Biden inszeniert sich jetzt als Anti-Trump. Ob das reicht, weiß ich nicht.

Warum stehen die Landwirte so geschlossen hinter Donald Trump?

Richenhagen: Generell wählen Landwirte eher konservativ. Aber mit Trump hatten sie auch das erste Mal das Gefühl, es interessiert sich jemand für uns Landeier. Was den Handelskonflikt mit China angeht, hat die Trump Administration versucht, die Einkommensverluste mit Subventionen auszugleichen. Und ganz aktuell ist natürlich die Schweinepest in Europa, dadurch ist die Nachfrage aus China auch hier wieder gestiegen.

Wer wird gewinnen?

Richenhagen: Ich glaube, dass Trump wiedergewählt wird. Damit ginge die Welt nicht unter, auch wenn er nicht der tollste Präsident aller...

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Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

4 Jahre

weiter Trump und die Deregulierungen erreichen die Krönung. Geld den Reichen und der Zusammenbruch des Sozialsystems. Bei Biden wird Amerika first auch eine Rolle spielen, aber ich hoffe die Außenwirkung wird besser. Die Comedians werden weiter ihren Spaß haben.

von Josef Doll

Ich bin ein

Loser und bringe mich um geht da die Welt unter ? Ich weiß das ist hart aber Hand aufs Herz . In den armen Ländern oder in den USA haben sich die Menschen Umgebracht weil Sie Ihre Krankenrechnug oder sind ganz einfach Verhungernd weil Es dort keine Hartz v Gibt . Bei einer Finanzdecke ... mehr anzeigen

von Alfons Hümmer

Ich kann in vielen Teilen zustimmen

Ich teile die Ansicht von Herrn Richenhagen. Besonders seine Antworten auf "wer wird gewinnen", "Was würden vier weitere Jahre Donald Trump für Europa bedeuten?", und "Kommen wir zur Landwirtschaft: Was sind große Herausforderungen und Trends für die kommenden Jahre?" kann ich voll ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Auch Frida ist traurig, Ruhestand und Bequemlichkeit ist tödlich.

Wer leben will, muss sich einmischen, Frida steht auf Kaninchen und Richenhagen auf das Glück dieser Erde, auf Pferde. Gesundheit ist dafür die Voraussetzung, das wünschen wir den Beiden.

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