Ripke: „Das Tierwohllabel muss die Mehrkosten zuverlässig decken!“ Premium

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) will die Kostenerstattung für mehr Tierwohl durch die Einführung des staatlichen Tierwohllabels gesichert wissen. Sonst bleiben die Bauern auf den Kosten sitzen, fürchtet ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke im Gespräch mit top agrar online.

Friedrich-Otto Ripke (Bildquelle: ZDG)

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) will die Kostenerstattung für mehr Tierwohl durch die Einführung des staatlichen Tierwohllabels gesichert wissen. Sonst bleiben die Bauern auf den Kosten sitzen, fürchtet ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke im Gespräch mit top agrar online. Den Vorschlag von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für ein dreistufiges Label unterstützt Ripke, wenn die Einstiegsstufe den aktuellen Kriterien der Brancheninitiative Tierwohl (ITW) entspricht. Wie halten Sie vom Vorschlag von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, ein freiwilliges Tierwohllabel einzuführen? Ripke: Die deutsche Geflügelwirtschaft ist klar für ein staatliches Tierwohllabel. Ein einheitlicher Standard bringt Sicherheit für den Verbraucher und vermeidet ein verunsicherndes Label-Wirrwarr. Die vorgeschlagene Dreistufigkeit ist ein guter Ansatz. Die Freiwilligkeit überzeugt uns nicht: Ein staatliches Tierwohllabel muss verpflichtend für alle Vermarktungswege gelten! Tierwohl darf nicht allein Sache des Lebensmitteleinzelhandels sein, auch das wichtige Großverbrauchersegment muss endlich seinen Beitrag leisten – und das ist nur bei einem verpflichtenden Label gewährleistet. Der Außer-Haus-Verzehr in Restaurants, Kantinen und weiteren Großküchen macht bei Hähnchen- und Putenfleisch fast zwei Drittel des Pro-Kopf-Verbrauchs aus. Nur ein Pflichtlabel kann einen weiteren Marktvorteil für Ware aus Ländern mit niedrigeren Erzeugungsstandards unterbinden. Deshalb bleibt das Pflichtlabel in Deutschland und Europa Ziel und gemeinsame Aufgabe. Die Freiwilligkeit darf nur ein Anfang sein. Der Bauernverband fordert alternativ eine verbindliche Haltungskennzeichnung. Ist das auch für die Geflügelwirtschaft eine Alternative? Ripke: Ein staatliches Tierwohllabel beschreibt ein ganzes System mit Haltungsbedingungen plus Management inklusive zum Beispiel persönliche Sachkunde der Tierbetreuer, Futterqualität und so weiter. Das kann eine reine Haltungskennzeichnung nicht. Zudem ist eine Haltungskennzeichnung für den Geflügelsektor nur eingeschränkt machbar, da hier allein die EU-Vermarktungsnormen maßgeblich sind und nur die dort aufgeführten Haltungsformen auch gekennzeichnet werden dürfen. Damit sind allen Akteuren schon in der Begrifflichkeit Grenzen gesetzt und nur wenige Spielräume gegeben. Wie stehen Sie zum geplanten dreistufigen Aufbau des Labels mit einem bzw. zwei Sternen und einer Premiumstufe? Ripke: Die Dreistufigkeit halte ich für richtig. Mit Sicherheit wird zunächst die erste Stufe bei Verbrauchern und Tierhaltern das größte Interesse finden. Bei Verbrauchern wegen des hoffentlich erschwinglichen Preises, und bei Tierhaltern wegen der sofortigen praktischen Umsetzbarkeit. Breitenwirkung und günstiger Verbraucherpreis dürften auch für die Politik von besonderem Wert sein. Dies wird nur möglich sein, wenn die Kriterien in der ersten Stufe nicht überzogen sind. Welche Marktanteile muss das geplante Label erreichen? Ripke: Die deutsche Geflügelwirtschaft ist bereits heute mit rund 70 Prozent der Hähnchen- und Putenfleischerzeugung an der Initiative Tierwohl Geflügel (ITW) mit auf den Produkten ausgelobter Nämlichkeit beteiligt. Der Umfang wird mit der vereinbarten Nämlichkeit bei verarbeitetem frischem Geflügelfleisch zum 1. Oktober 2018 nochmals zunehmen. In diesem Jahr werden dann insgesamt rund 575 Millionen Hähnchen und Puten nach den Vorgaben der Brancheninitiative Tierwohl Geflügel aufgezogen. Diese enorme Breite muss auch eine Messlatte für das Tierwohllabel sein. Mir ist bewusst, dass die Schweinebranche eine solche Breite kurzfristig nicht leisten kann. Sie wird eine Übergangszeit benötigen und die kann man gut erklären und begründen.   Welche Kriterien sollten für die jeweiligen Stufen gelten? Ripke: Da müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Die Kriterien für die drei Stufen sollten sich an den mit wissenschaftlicher Unterstützung geschaffenen Systemen ...

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Artikel geschrieben von

Dr. Ludger Schulze Pals

Chefredakteur top agrar

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Der bisher erzielte Mehrpreis frisst sich mehr als auf, und in 2 Jahren ist alles wieder selbstverständlich!!

Nur bezahlt wird es dann nicht mehr! Ein Staatliches Label wird unterm Strich nicht vergütet! Nur der Handel profitiert davon...

von Rudolf Rößle

Staatliches Label

muss auch für ausländische Waren gelten. Sonst muss in Zukunft ein roter Punkt auf die Verpackung. Erzeugung und Verarbeitung unbekannt!

von Heinrich Albo

Warum sollte

für ein Label mehr bezahlt werden wenn es Pflicht ist ???? Weder der Lebensmitteleinzelhandel noch der Verbraucher werden mehr bezahlen wenn das staatliche Label Standart wird...Auf welches Fleisch bezieht sich dann noch der Basispreis wenn es nur noch welches mit dem staatlichen Label gibt ?? Ein Label muss freiwillig bleiben damit es weiterhin einen Basispreis für die Momentane hochwertige Standartware gibt. Gelabeltes Fleisch muss verpflichtend teurer angeboten werden und der Mehrerlös zum allergrößten Teil an den Erzeuger (Landwirt)ausbezahlt werden.Damit dieser seine Mehrkosten plus den Unternehmergewinn bezahlt bekommt. Das wäre dann noch ziemlich dicht an der freien Marktwirtschaft. Alternativ halt einen staatlich garantierten Preisaufschlag pro kg Fleisch für 20 Jahre ..finanziert durch eine Umlage auf alles verkaufte Fleisch (incl.Importe ).Ähnlich dem EEG .

von Christian Bothe

Alles richtig gesagt H.Ripke.Und nur so geht‘s! Ein staatliches Tierwohllabel muss her für alle Nutztiere und das Heft dafür darf nicht der LEH in die Hand bekommen.Sie sollen gefälligst die höheren Qualitäten mit finanzieren wie beim ITW,damit die höheren Aufwendungen gedeckt werden können.

von Paul Maier

War den Bauern nicht sogar ein Mehrpreis versprochen worden?

Massenproduktion bringt nichts, nur durch mehr Tierwohl sei noch ein Gewinn zu erzielen, denn dafür würden die Verbraucher (verbal) gern mehr bezahlen. Ein Problem dabei ist aber, dass der Erzeuger, wenn er nicht direkt an den Kunden verkauft, nach wie vor auf die wenigen, sehr grossen Schlachtunternehmen als Abnehmer angewiesen ist und die zeigen jetzt gerade wieder, wie man mit Hauspreisen jeden Funken der Hoffnung auf eine Verbesserung für die Landwirte möglichst gleich im Keim erstickt. Nun sollen wir also noch froh sein, wenn die entstandenen Kosten dauerhaft gedeckt sind. Unter dauerhaft kann man aber auch verstehen: Zeitweise könnte es auch nicht reichen mit der vollen Kostendeckung und ein Zusatzgewinn für die ganzen, teuren und zusätzlichen Aufwendungen scheint schon jetzt für die Landwirte abgeschrieben zu sein. Dagegen werden die Handelsketten sicher ohne einen Cent dafür aufgewandt zu haben, ihren 'Gewinn daraus ziehen. So war es bisher und so wird es wohl auch bleiben.

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