Kritik

Rübenanbauer pochen auf Angleichung der EU-Wettbewerbsbedingungen

Laut WVZ-Chef Tissen befindet sich der deutsche Rübenanbau in der Krise. Die Erzeuger in anderen Ländern sind wegen gekoppelter Prämien und Notfallzulassungen für Neonikotinoide im Vorteil

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) sieht die deutsche Zuckerbranche aufgrund von Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft in der Krise und pocht daher dringend auf mehr Rückendeckung durch die Bundesregierung.

WVZ-Hauptgeschäftsführer Günter Tissen wies in Berlin darauf hin, dass die heimischen Rübenanbauer seit dem Ende der Zuckermarktordnung gleich in mehrfacher Hinsicht gegenüber ihren europäischen Wettbewerbern benachteiligt seien.

Nach Tissens Angaben profitieren die Landwirte in etlichen anderen Staaten sowohl von gekoppelten Zahlungen als auch von Notfallzulassungen für neonikotinoide Beizmittel, die in Deutschland verboten sind. Allein der Verzicht auf die Beizung entspreche einem Wettbewerbsnachteil von rund 300 Euro/ha oder mehr als 100 Mio Euro für den gesamten deutschen Rübenanbau, stellte der Geschäftsführer fest.

Wie der Landwirt und Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Zuckerrübenanbauer, Fred Zeller, ergänzend erklärte, belaufen sich die gekoppelten Prämien zusätzlich je nach Land auf 350 Euro bis 650 Euro je Hektar, was die Situation für die deutschen Bauern verschärfe und zum Ausstieg aus dem Rübenanbau beitrage. In der Folge komme es in Gunstregionen wie der Bundesrepublik zur Schließung von Zuckerfabriken, während die eigentlich unrentable Produktion an anderen Standorten künstlich am Leben erhalten werde.

Folgeeffekte drohen

Laut Tissen bedrohen die Entwicklungen der vergangenen Jahre die gesamte deutsche Produktionskette Zucker und haben zahlreiche Folgeeffekte: So breche mit dem Wegfall des unrentabel gewordenen Zuckerrübenanbaus und der Schließung weiterer Zuckerfabriken auch die betreffende Wertschöpfung im ländlichen Raum weg. Falle die Zuckerrübe aus der Fruchtfolge, sei dies zudem mit weiteren Nachteilen für den Schutz der Biodiversität und eine nachhaltige Landwirtschaft verbunden, gab der WVZ-Hauptgeschäftsführer zu bedenken. Ohne eigene Zuckererzeugung mache sich Deutschland außerdem abhängig von Importen aus Drittstaaten mit niedrigeren Produktionsstandards.

Klöckner gefordert

Tissen sieht deshalb die Politik in der Pflicht, mit geeigneten Maßnahmen gegenzusteuern. Für eine zukunftsfähige deutsche Zuckererzeugung müssten EU-weit die gleichen Wettbewerbsbedingungen herrschen. Deshalb dürfe der Bund auch Notfallzulassungen und die Einführung gekoppelter Zahlungen nicht ausschließen, erklärte der WVZ-Geschäftsführer.

Zeller und Tissen machten sich ungeachtet dessen für eine politische Initiative zur Streichung der Zuckerrübe von der EU-Liste der mit gekoppelten Prämien geförderten Feldfrüchte stark. Diese Liste sei nicht in Stein gemeißelt, sondern könne geändert werden, betonte Zeller. Werde Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hier nicht tätig, mache sie „keine gute Arbeit für die deutschen Landwirte“.


Diskussionen zum Artikel

von Hans Spießl

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