top agrar plus Interview zum Bauerntag 2022

Rukwied: "Der Bauernverband wird weiblicher"

Im Interview spricht DBV-Präsident Rukwied über die erste Etappe auf dem Weg zu einem weiblicheren und jüngeren Verband, dessen Rolle für Politik und Medien und die größten Veränderungen.

Auf gutem Weg sieht Joachim Rukwied sein Vorhaben, den Deutschen Bauernverband (DBV) weiblicher zu machen. Die anstehende Wahl von Susanne Schulze Bockeloh zur DBV-Vizepräsidentin sei dafür „ein ganz wichtiges Signal“, sagt Rukwied im Interview mit AGRA-EUROPE. Als wichtigste Neuerung in der Verbandsarbeit der letzten Jahre bezeichnet Rukwied den Ausbau der internen Kommunikation.

Joachim Rukwied kandidiert übrigens ein weiteres Mal für das Präsidentenamt beim Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV). Das hat der 60-Jährige vergangene Woche gegenüber AGRA-EUROPE bestätigt. Gleichzeitig kündigte er an, dass dies seine letzte Amtsperiode im Landesbauernverband sein werde, sollte er am 22. Juni 2022 von der Mitgliederversammlung für vier weitere Jahre gewählt werden.

Hier nun das ganze AgE-Interview anlässlich des bevorstehenden DBV-Bauerntages nächste Woche in Lübeck: _______________________________________________________________________

Bauerntag Lübeck soll Satzungsänderung beschließen

AgE: Herr Präsident Rukwied, ein neuer Fachausschuss Unternehmerinnen in der Landwirtschaft, demnächst wahrscheinlich eine DBV-Vizepräsidentin, zudem ein 51-jähriger Vizepräsident anstelle eines 62-Jährigen. Ist der Bauernverband schon jünger und weiblicher?

Rukwied: Bei unserem Anspruch, weiblicher zu werden, sind wir auf einem guten Weg. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auf dem Bauerntag in Lübeck die notwendige Satzungsänderung beschließen werden, so dass die Vorsitzende des neuen Fachausschusses, Susanne Schulze Bockeloh, demnächst als Vizepräsidentin Teil des DBV-Vorstandes sein wird.

Eine Frau in einem Spitzenamt macht noch keinen Verbandssommer…

Rukwied: Aber es ist ein ganz wichtiges Signal. Ich gehe fest davon aus, dass sich die Veränderung an der Spitze in den kommenden Jahren in der Breite des Verbandes niederschlägt. Wir werden mehr Unternehmerinnen in den Fachausschüssen haben. Wir werden zunehmend Frauen haben, die in Funktionen gewählt werden. Weiblicher zu werden, ist für den Bauernverband ein laufender Prozess, bei dem wir jetzt eine erste wichtige Zielmarke erreichen.

Frauen haben es schwer beim Aufstieg von unten nach oben

Als sie von knapp zwei Jahren zum ersten Mal öffentlich diesen Anspruch formuliert haben, haben Sie noch darauf hingewiesen, dass sich dieser Prozess von unten nach oben vollziehen müsse. Jetzt haben Sie den umgekehrten Weg gewählt. Warum?

Rukwied: Wir haben wiederholt das Gespräch mit Frauen gesucht, die wir aus den Landesbauernverbänden eingeladen haben und die sich stärker im Verband engagieren wollen. Wir sind dabei zum Ergebnis gekommen, dass ein Bottom-up Prozess, bei dem sich die Frauen von Orts- über die Kreis-, Bezirks- und Landesebenen nach oben arbeiten müssen, viele Jahre dauern würde. So lange wollten wir nicht warten. Deswegen haben wir uns gemeinsam für den anderen Weg entschieden.

Ist die Verbandsspitze in dieser Frage weiter als die Basis?

Rukwied: Das kann man so generell nicht sagen. In manchen Landesverbänden bewegt sich einiges, es gibt bereits Vizepräsidentinnen auf Landesebene. Dennoch war es notwendig, ein deutliches Signal in Richtung unserer Mitgliedsverbände und deren Kreisbauernverbände zu senden.

Wie wichtig sind Ihnen persönlich Fortschritte in diesem Punkt?

Rukwied: Sehr! es ist für mich eine Herzensangelegenheit und steht auf meiner Prioritätenliste ganz oben.

Warum?

Rukwied: Weil es für den Verband von großer Bedeutung ist, die Expertise von Frauen in den eigenen Reihen zu haben. Frauen denken und beurteilen Dinge ein stückweit anders als Männer. Wir brauchen auch diese Perspektive in der Verbandspolitik. Wir tragen nicht zuletzt der Tatsache Rechnung, dass der Anteil der Betriebsleiterinnen kontinuierlich ansteigt.

Gegenwärtig liegt er bei gut 12 %. Ist das die Marke, die sich auch im Verband widerspiegeln sollte?

Rukwied: Das sollte eine erste Orientierung sein, da ist aber auch noch Luft nach oben.

DBV bei Personalauswahl urdemokratischer Verband

Eine andere Baustelle im DBV ist der Generationswechsel. Läuft dieser zumindest in Spitzenpositionen reibungsloser als in anderen Organisationen?

Rukwied: Lassen Sie mich es so sagen: Wir sind traditionell in den Mitgliederstrukturen sehr breit gefächert, aber immer in der Lage gewesen, gemeinsame Positionen zu finden. Das bezieht sich sowohl auf inhaltliche Fragen als auch auf Personalfragen.

Das hört sich an wie einst bei Otto Rehhagel - nicht das Alter zählt, nur die Leistung…

Rukwied: Entscheidend ist, dass man sein Handwerk versteht und weiß, was Interessenvertretung bedeutet. Gleichzeitig ist es aber immer positiv, wenn in Gremien verschiedene Altersgruppen vertreten sind.

Wie sehen Sie Ihre Rolle in diesem Prozess - als Moderator zwischen Generationen oder Talentförderer?

Rukwied: Meine Rolle ist die des neutralen Mittlers. Was die Personalauswahl anbelangt, sind wir...

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