Situationsbericht

Rukwied: Ein dramatischer wirtschaftlicher Absturz für Veredler

Im Wirtschaftsjahr 2020/21 sind die Gewinne der landwirtschaftlichen Einzelunternehmen um 15 % gesunken. Bauernpräsident Joachim Rukwied bezeichnet die Lage als „ernüchternd“.

Nach einer Erholung der Gewinne im letzten Jahr, rauschten die Betriebsergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebe im Wirtschaftsjahr 2020/21 wieder um knapp 10.000 € pro Unternehmen auf 51.100 € nach unten. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor.

Dabei kommt im Durchschnitt gut die Hälfte des Geldes aus Brüssel in Form der EU-Direktzahlungen (25.500 € pro Haupterwerbsbetrieb). Pro Familienarbeitskraft (FAK) entspricht dies einer Entlohnung von 36.851 €. Daraus sind jedoch unter anderem auch Neuinvestitionen zu finanzieren und die Landwirtschaftliche Alters- und Krankenversicherung zu zahlen.

Tiefe Krise in der Schweinehaltung

Bei Veredelungsbetrieben gingen die Unternehmensergebnisse massiv um 69 % auf 36.755 € bzw. 27.500 € pro FAK zurück. Während die Gewinne für Milchviehbetriebe (56.400 €; +4 %) und Rindermäster (31.500 €; +10 %) im Vergleich zum Vorjahr leicht nach oben gingen, sind die Schweinehalterbetriebe besonders hart getroffen.

DBV betont Corona-Pandemie als Ursache

Der Deutsche Bauernverband sieht die Ursachen für gut ein Viertel niedrigere Preise für Schlachtschweine hauptsächlich in der Corona-Pandemie begründet. Diese explizite Betonung darauf rührt wahrscheinlich daher, dass es derzeit Diskussionen gibt in welchem Umfang Landwirte Anspruch auf die Corona-Hilfen des Bundes haben. DBV-Präsident Rukwied beklagte, dass es derzeit in einigen Bundesländern Diskussionen über Corona-Hilfen für Schweinehalter gebe. Die Diskussion sei "akademisch" hieß es beim DBV. Ein weiterer Grund für die desolate Lage auf dem Schweinemarkt ist dazu noch die Afrikanische Schweinepest. Zusätzlich stiegen auch die Futtermittelkosten. Geflügel haltende Betriebe verzeichneten ebenfalls Gewinnrückgänge, wenn auch in geringerem Umfang.

Grafik

Nach einem außerordentich gutem Wirtschaftsjahr 2019/20 kam der umso härtere Einbruch für Veredler in 2020/21. (Bildquelle: DBV)

Leichtes Plus beim Ackerbau

Mit Ausnahme des Kartoffelanbaus, gab es für Ackerbaubetriebe eine leicht positive Entwicklung. Mit durchschnittlich 58.000 € pro Unternehmen bzw. 45.500 € pro FAK lag der Gewinn ca. 1 % über dem des Vorjahrs. Dabei konnten die gestiegenen Preise für Betriebsmittel wie z.B. Dünger durch ebenfalls hohe Erzeugerpreise bei Raps und Dünger kompensiert werden.

Öko mit Aufwind

Unter den biologisch wirtschaftenden Betrieben gab es ein deutliches Plus von 9 %, was zu einem Gewinn von 76.000 € führte. Davon entfallen über ein Drittel auf Einnahmen durch Agrarumweltmaßnahmen. Konventionelle Betriebe erhalten hier durchschnittlich nur ein Fünftel der Summe. Innerhalb der Öko-Betriebe sind die Zahlen nicht nach Betriebsart aufgeschlüsselt, doch 57 % der Betriebe haben Milchvieh.

Auch für Nebenerwerbsbetriebe gab es ein Plus von über 15 % bzw. 1.600 € im Vergleich zum Vorjahr. Die Daten für den Situationsbericht stammen von 9.507 Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben. Es handelt sich um Buchführungsabschlüsse der Land-Data.

Was bringt das neue Jahr?

Was das laufende Wirtschaftsjahr angeht, gibt sich der DBV vorsichtig. Es sei schwierig abzuschätzen, ob sich die Unternehmensergebnisse wieder erholen werden. Während bei Raps und Getreide die Preise sehr stark gestiegen sind, sei dies auch bei Betriebsmitteln wie Futter, Energie und Dünger der Fall. Im Schweinesektor sehe es jedoch nach wie vor „zappenduster“ aus, so Rukwied.

Den vollständigen Situationsbericht finden Sie hier.


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