Schmallenberg-Virus in Schafherden angekommen

Das von den Rindern bekannte Schmallenberg-Virus hat nun auch erste Schafbestände erreicht. Laut Schafzuchtverband NRW gibt es bislang 10 bestätigte Fälle von Schmallenberg-Fieber in Schafbetrieben, zuletzt sollen in Warstein (Kreis Soest) missgebildete Lämmer geboren sein.

Das von den Rindern bekannte Schmallenberg-Virus hat nun auch erste Schafbestände erreicht. Laut Schafzuchtverband NRW gibt es bislang 10 bestätigte Fälle von Schmallenberg-Fieber in Schafbetrieben, zuletzt sollen in Warstein (Kreis Soest) missgebildete Lämmer geboren sein.

Auch aus anderen Landesteilen sowie aus Niedersachsen und Hessen gibt es Berichte über Schafe, die die typischen Zeichen Fieber, Mattigkeit, Lahmheit und Durchfall zeigen. Tierärzte befürchten, dass die Rate bis zu 30 % ansteigen könnte. Der Verband bittet daher alle Tierhalter, die nicht meldepflichtige Krankheit trotzdem mitzuteilen, um das Ausmaß erkennen und Druck auf die Behörden zwecks Entschädigung ausüben zu können.
 
Die Schafhalter ruft der Verband auf, bei den kommenden Ablammungen besonders aufmerksam sein. Mitglieder berichten, dass die Geburt der missgebildeten Lämmer teilweise besonders schwierig ist, da die Lämmer steif in der Gebärmutter zu liegen scheinen. Oft sind vom Tierarzt besondere Maßnahmen zu ergreifen, um überhaupt eine Geburt zu ermöglichen und das Muttertier zu retten. Darüber hinaus wird berichtet, dass auch die äußeren Anzeichen der Geburt weniger ausgeprägt sind als bei normalen Geburten.

Kein Impfstoff verfügbar

„Das Schmallenberg-Virus wird wie die Blauzungenkrankheit vermutlich durch Mücken übertragen, die einzige Möglichkeit der Vorbeuge hätte im Sommer und Herbst in der Behandlung mit Mitteln zur Abwehr der Stechmücken (Repellentien) bestanden, als das Problem aber noch nicht bekannt war“, so der Geschäftsführer des Verbands, Dr. Ernst Brüggemann. Die Erfolgsaussichten wären dabei aber ohnehin gering gewesen. Die einzige erfolgversprechende Maßnahme ist seiner Meinung nach eine rechtzeitige Impfung der Muttertiere. „Ob ein solcher Impfstoff in Zukunft verfügbar sein wird, bleibt abzuwarten, eine rasche Lösung des Problems ist von dieser Seite nicht zu erwarten“, so Brüggemann.
 
Ein verwandter Impfstoff aus Japan gegen das Akabane-Virus kommt jedenfalls wegen erheblicher Nebenwirkungen nicht in Frage. Die Japaner würden selbst meist auf eine Durchseuchung der Bestände setzen, heißt es von Verbandsseite.

Vorerst keine Entschädigung

Das Schmallenberg-Fieber zählt derzeit nicht zu den melde- oder anzeigepflichtigen Seuchen. Es gibt daher für die Tierseuchenkasse keine rechtliche Handhabe, Beihilfen an betroffene Tierhalter zu zahlen. „Wenn eine Chance bestehen soll, dass Tierhalter eine Beihilfe für Lämmerverluste erhalten, muss entsprechender Druck aufgebaut werden, um die Tierseuche meldepflichtig zu machen“, so Brüggemann weiter. Dieser Druck könne dadurch aufgebaut werden, dass die betroffenen Schafhalter ihrem zuständigen Veterinäramt melden, wenn bei ihnen Lämmer mit Missbildungen geboren werden. „Je mehr Schafhalter sich an dieser derzeit noch freiwilligen Meldung beteiligen, umso größer ist die Chance, dass die Seuche meldepflichtig und damit die Möglichkeit einer Beihilfe geschaffen wird“, argumentiert der Zuchtleiter.
 
Das bedeute aber noch nicht, dass dann die Tierseuchenkasse auch automatisch eine Beihilfe zahlt, schränkt Brüggemann ein. Dies werde davon abhängen, welches Ausmaß an Schäden registriert wird. „Wenn sich aber bestätigen sollte, dass die Lämmerverluste bei 25 % und mehr liegen, sind die Aussichten auf die Einrichtung einer Beihilfe nicht schlecht." Der Schafhalter müsse dann zwei Lämmer mit Missbildungen in einem Veterinäruntersuchungsamt untersuchen lassen, um an die Entschädigung zu kommen, so der Verbandsvertreter. (ad)

Hintergründe zur Krankheit:
Schmallenberg-Virus: Droht ein neuer Seuchenzug? (30.12.2011)
 
 

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