Schulze drängt auf Glyphosat Ausstieg 2023

Umweltministerin Schulze bringt das Glyphosat-Verbot in Österreich Rückenwind. 2023 will sie den Einsatz in Deutschland beenden und vorher einschränken. Bayer erwartet Nachteile.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat das österreichische Glyphosat-Verbot begrüßt. „Die Entscheidung des österreichischen Nationalrates bedeutet Rückenwind für den Glyphosat-Ausstieg in Deutschland“, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums (BMU) dem österreichischen Kurier. Für Deutschland fordert das BMU ein etwas anderes Ausstiegsszenario als gerade in Österreich beschlossen. Der deutsche Ausstieg werde „wie im Koalitionsvertrag vereinbart“ erfolgen, „schrittweise bis spätestens 2023“, sagte der Sprecher. „Den größten Teil der Anwendungen werden wir schon deutlich früher beenden. Dabei werden wir uns an geltendes EU-Recht halten“, sagte er.

Deutscher Ausstieg soll im September feststehen

Eine Einigung auf eine gemeinsame Ausstiegstrategie für Glyphosat gibt es in Deutschland noch nicht. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) verfolgt im Gegensatz zum Umweltministerium eine Minderungsstrategie ohne festes Ausstiegsdatum. Es will außerdem einige Ausnahmen für die Glyphosat Nutzung in der Landwirtschaft, etwa bei Erosionsgefahr, erhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte letzte Woche im Bundestag angekündigt, dass die Regierung voraussichtlich im September ein gemeinsames Konzept zum Umgang mit Glyphosat präsentieren werde.

Bayer erwartet „erhebliche Konsequenzen“ für Landwirte

Der Bayer Konzern lehnt das Verbot in Österreich erwartungsgemäß ab. Die Entscheidung stehe im Widerspruch zu umfangreichen wissenschaftlichen Ergebnissen zu Glyphosat, sagte der Geschäftsführer Bayer CropScience Deutschland und Österreich, Peter R. Müller. Sie widerspreche nicht nur den Ergebnissen einer Studie der Universität für Bodenkultur in Wien, die die österreichische Regierung selbst in Auftrag gegeben hatte, sondern auch den Einschätzungen „aller international führenden Zulassungsbehörden“, hieß es bei Bayer. „Das Verbot wird erhebliche Konsequenzen für die österreichischen Landwirte haben“, sagte Müller.

Österreichs Entscheidung könnte beim EuGH landen

In Österreich hatte das Parlament gestern für ein umfassendes Verbot für Glyphosat gestimmt. Das Verbot könnte jedoch EU-Recht widersprechen, da die EU-Pflanzenschutzverordnung Glyphosat noch bis Ende 2022 erlaubt. Davon können die Mitgliedsländer nur in begründeten Ausnahmefällen abweichen. Erst Montagvormittag hatte die Universität für Bodenkultur in Wien in Zusammenarbeit mit der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) eine neue Glyphosat-Studie präsentiert. Ein generelles Glyphosat-Verbot sei demnach in Österreich aus EU-rechtlichen Gründen gar nicht möglich, fasste die Universitätsprofessorin und Studien-Autorin Siegrid Steinkellner die Ergebnisse zusammen. Die Parteien würden es derzeit auf eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof ankommen lassen, lautete ihre Einschätzung.

Die Redaktion empfiehlt

Das Parlament in Österreich hat für ein Verbot für Glyphosat gestimmt. Unklar ist, ob sich das mit dem EU-Recht vereinbaren lässt.

Bundeskanzlerin Merkel mischt sich erneut in die Agrar- und Umweltpolitik ein. Bis September will sie einen Ausstiegsplan für Glyphosat haben.


Diskussionen zum Artikel

von Marc Rollinger

Die Dummheit

schreit zum Himmel empor. Wo sind denn preislich praxisnahe umsetzbare Alernativen? (...)

von Hans-Gottfr. Gresshöner

Glyphosatverbot

Wird denn Frau Schulze 2023 überhaupt noch Ministerin sein??

von Andreas Thiel

Langatmig...

Immer diese langatmigen Kommentare!

von Klaus Fiederling

Werter Herr Behrens,

Sie haben meine Intentionen wohl nicht vollumfänglich erfasst: Die deutschen/europäischen Verbraucher sind vor Glyphosat zu schützen, egal aus welcher Quelle es stammt. Dem geltenden Vorsorgeprinzip, wie es in Europa dem Gesetz entspricht, kann man NUR IN DIESER ART UND WEISE genügen. ... mehr anzeigen

von Harald Finzel

Hat mittlerweile eigentlich schon mal irgendwer Frau Schulze gefragt, wie es denn der Artenvielfalt helfen soll, wenn man Glyphosat durch den Pflug ersetzt?

von Kurt Brauchle

" Alternativen"

Was "Experten" raten. https://www.youtube.com/watch?v=WN2MXWemu_w

von Michael Behrens

@ Fiederling

Es sollte schon schmerzen, ein Verbot aus polemischen Gründen! Sicherlich lässt sich Landwirtschaft ohne Glyphosat betreiben, es muss Niemand anwenden! Deutschland und weite Teile Europas werden durch diese Art der Politik zur Insel der Glückseligen! Und was alles fehlt kommt aus ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Solange wir so von den Politikern vorgeführt werden, wie beim Mercosur Abkommen, haben...

solche Forderungen keinen "Bestand"! CO²- Neutralität sieht anders aus, oder meint Frau Schulze, dass wir jetzt zum Spaß noch Ackern dürfen? Nur bei einem Weltweiten Verbot könnte man sich auf einem solchen Deal einlassen! Die Landwirte der Welt Ackern dann für eine CO² ... mehr anzeigen

von Klaus Fiederling

Verlieren wir Bauern doch nicht allzu leichtfertig unsere Wurzeln...

Wen schmerzt ein Glyphosat-Vebot am meisten? - Gerade gestern erst hatte man die Nullzinspolitik hier bei TA heftigst kritisiert in einem damit einhergehenden massiven Höfesterben zugunsten begieriger außerlandwirtschaftlicher Investoren... // Schließlich müssen auch wir Bauern ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Pflanzeschutzregeln

werden in Deutschland und Österreich von Alchimisten in BOND-Manier gerührt und geschüttelt. Es wird nur noch aus der Hüfte geschossen. Die "demokratischen" Parteien müssen weg.

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