Schwarz: Herrn Pastor seine Kuh wird von uns gemolken

"Nicht nur wir Landwirte sind der Kirche bis heute eng verbunden, auch das Thema Landwirtschaft selber ist ein ausgesprochen biblisches. Ohne die vielen Gleichnisse oder Geschichten, die sich zur Verdeutlichung eines landwirtschaftlichen Bildes bedienen, wäre die Bibel sehr viel ärmer." Ein Kommentar von Werner Schwarz

Ein Kommentar von Werner Schwarz, Bauernpräsident von Schleswig-Holstein und Vizepräsident im DBV:
 
"Nicht nur wir Landwirte sind der Kirche bis heute eng verbunden, auch das Thema Landwirtschaft selber ist ein ausgesprochen biblisches. Ohne die vielen Gleichnisse oder Geschichten, die sich zur Verdeutlichung eines landwirtschaftlichen Bildes bedienen, wäre die Bibel sehr viel ärmer. Und wohl auch schwerer zu verstehen. Bis heute bindet uns das Thema Landwirtschaft zusammen. Und doch ist heute vieles, was wir Landwirte tun, nicht nur den Kirchen sondern auch unserer Gesellschaft fremd. Das hat zum einen mit der Entfremdung der Gesellschaft und vieler Pastoren vom Natürlichen zu tun.

„Herrn Pastor sien Koh“ wird heute auch von uns gemolken und die Milch bekommen Frau oder Herr Pastor heute wie jeder Konsument bei Aldi oder Lidl. Eine ähnliche Entfremdung sehe ich zwischen der heutigen Landwirtschaft und der Vorstellung darüber. Wobei die Wirklichkeit der heutigen Landwirtschaft nicht mit der Wirklichkeit beispielsweise der 50er Jahre konkurriert. Sie konkurriert mit den agrarromantischen Vorstellungen darüber. Effizienz, Wirtschaftlichkeit, Innovation, Technologie – alles was als Indiz des modernen Menschen gilt – wird uns heute zu Last gelegt. Ich frage mich: Warum?

Deshalb brauchen wir eine Kommunikation. Vor allem brauchen wir eine ehrliche und offene Diskussion über unsere Nutztierhaltung. Hier brauchen wir die Kirche. Denn die Diskussion läuft in einer Art und Weise, die uns Landwirten sehr zu schaffen machen. Es geht nicht mehr um sachlich falsch oder richtig, sondern um moralisch gut oder böse. Und das darf nicht sein!

Nach der Bibel kommt dem Tier eine kreatürliche Würde zu. Tiere sind Geschöpfe Gottes wie wir Menschen. Aber sie unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt: Aus dem Garten Eden vertrieben wurde nur der Mensch. Allerdings ist der Aufenthaltsort der Tiere nach dem Sündenfall ebenso diesseits von Eden. Der Mensch hat den Herrschaftsauftrag über die Tiere bekommen, der sich bis heute mit einer hohen Verantwortung gegenüber verbinden muss.

Gerade wir landwirtschaftlichen Nutztierhalter sehen uns in dieser biblischen Verantwortung. Denn nur wenn es unseren Tieren gut geht, dann geht es auch uns gut. Und dieses meine ich nicht rein finanziell, sondern auch emotional. Allerdings gilt auch: Unsere Nutztiere haben keinen Selbstzweck, sie müssen gemeinsam mit uns ihr täglich Brot verdienen.

Ich würde mir sehr wünschen, wenn wir diesen Balanceakt zwischen Ethik und Ökonomie, den wir Landwirte seit Jahrtausenden versuchen, gemeinsam weiterführen können. Ich fasse es unter dem Wortpaar Tierwohl und Tierhalterwohl. Beides muss zusammen verfolgt werden. Ich weiß, dass die Kirche durchaus Kritik an der heutigen Landwirtschaft hat. Wir haben als Landwirtschaft auch Kritik an der Kirche, was den Umgang mit unseren Themen betrifft. Doch Konflikt an sich ist ja nichts Schlechtes. Wir wollen es gerne kreativ und konstruktiv nutzen, um hier weiter zu kommen."


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