Segen der Gentechnik und die erste GVO-Speisekartoffel

Jedes Jahr importiert die EU 30 Mio. t gentechnisch modifizierte Futtermittel. Indirekt erscheinen sie dann als Fleisch, Milch oder Eier auf unserem Teller. Diese Realität wird aber von vielen verdrängt. Das erklärte BASF-Vorstand Dr. Stefan Marcinowski im Interview mit der WELT.

Jedes Jahr importiert die EU 30 Mio. t gentechnisch modifizierte Futtermittel. Indirekt erscheinen sie dann als Fleisch, Milch oder Eier auf unserem Teller. Diese Realität wird aber von vielen verdrängt. Das erklärte BASF-Vorstand Dr. Stefan Marcinowski im Interview mit der WELT. Seiner Meinung nach wird zuviel über mögliche Risiken von GVO gesprochen, der Nutzen komme dabei zu kurz. "Ohne die Importe gentechnisch veränderter Futtermittel könnten wir z.B. Fleischprodukte nicht mit so guter Qualität zu einem recht niedrigen Preis kaufen", so der Manager. Der Nutzen sei für den einzelnen Verbraucher sehr abstrakt. Das gelte insbesondere für das Argument, dass man eine wachsende Weltbevölkerung nur mit einer innovativen Landwirtschaft ernähren kann. Eine Wahlfreiheit zwischen veränderten und konventionell hergestellten Lebensmitteln ist aber auch für Marcinowski künftig wichtig. GVO bedeutet für den BASF-Chef aber auch eine wirtschaftliche Optimierung. "Das Problem ist, dass wir uns momentan abhängig von Importen machen, statt die Wertschöpfung in Europa zu generieren." Jetzt seien Innovationen gefordert, um die wachsende Weltbevölkerung bei gleichbleibender Anbaufläche zu ernähren. Durch den globalen Klimawandel werde es darüber hinaus weitere Herausforderungen geben. Große Potenziale sieht Marcinowski auch bei der industriellen Nutzung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Im Interview mit der Welt erwähnt er hierbei den Mais in den USA, der in großem Umfang zu Biokraftstoff verarbeitet wird oder die modifizierte Amflora-Kartoffel von BASF. Die Stärke dieser Kartoffel lässt sich mit weniger Energie und weniger Wasser gewinnen und dann für Papier, Textilien oder Klebstoffe verarbeiten.

BASF arbeitet an neuer Speisekartoffel

Der WELT gegenüber bestätigte der BASF-Vorstand außerdem, an einer gentechnisch veränderten Kartoffel zu arbeiten, die gegen die gefährliche Pilzerkrankung Kraut- und Knollenfäule resistent ist. "Dazu haben wir zwei Gene aus südamerikanischen Wildkartoffeln in die Speisekartoffel eingeschleust." Da der Landwirt bei dieser Kartoffel weniger Pflanzenschutz betreiben müsse, könnte die Sorte für den Verbraucher sogar billiger werden. Die Einführung der Kartoffel hänge aber davon ab, wie lange BASF auf die entsprechende Genehmigung aus Brüssel warten müsse. "Ich hoffe, dass es diesmal deutlich schneller geht als bei der Amflora. Da hat der Genehmigungsprozess immerhin 13 Jahre gedauert", so Marcinowski, der mit einer Zulassung in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts rechnet. Mit Spannung erwartet der studierte Chemiker auch die Einführung der ersten GVO-Reissorte. "Ich denke, dass diese wunderbare Innovation nun endlich in zwei bis drei Jahren in den Markt kommen wird." Der von Schweizer und deutschen Wissenschaftlern kreierte Goldene Reis enthält Gene, die für die Produktion von Provitamin A sorgen. Dies soll tausenden Kindern in Entwicklungsländern helfen, bemerkt die WELT abschließend.

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