Mähdrescher

So steigern Sie die Effizienz Ihres Mähdreschers um bis zu 20 %

In den letzten Tagen ist der Startschuss für die diesjährige Getreideernte gefallen. Jetzt liegt es am Mähdrescher, die Arbeit der vergangenen Monate sicher einzufahren.

In den letzten Tagen ist der Startschuss für die diesjährige Getreideernte gefallen. Jetzt liegt es am Mähdrescher, die Arbeit der vergangenen Monate sicher einzufahren. Die Ernteleistungen können Sie dabei durch einfache Eingriffe an der Maschine verbessern. top agrar-Österreich war bei einem entsprechenden Seminar des Kuratoriums für Landwirtschaft (ÖKL) dabei. Die erste Weisheit: Fehler, die man vorne macht, kann man hinten nicht wieder gut machen.
 
Halmteiler:
Diese sollten mindestens 10 cm über dem Boden schweben. Wird tiefer gemäht (wie oft bei Lagergetreide), heben sich die Spitzen der Ährenheber und gleiten über das Getreide hinweg. Dann steigt auch der Verschleiß durch die Erde am Halm stark an. Mähen an der Knickstelle oder der Hochschnitt sind keine Lösung, da hier zusätzliches Häckseln notwendig wäre.
 
Haspel:
Bei Lagergetreide Haspelzinken „auf Griff“, bei stehendem Bestand in senkrechte Position.
 
Ährenheber:
Auf jedem vierten Finger anbringen.
 
Messerbalken:
Je „sauberer“ der Schnitt, desto besser. Die Halme sollen mit den Ähren zuerst so gleichmäßig wie möglich eingezogen werden. Führungsrollen an Mähmesserrücken wirken dem Messer- verschleiß entgegen.
 
Schneidwerk:
Der Gutfluss im Schneidwerk ist Voraussetzung für einen guten Materialfluss im gesamten Mähdrescher. Breite Konstruktionen sind aus folgenden Gründen zu bevorzugen:
 

  • Weniger Wendezeiten und Schneid werksverluste an den Trennstellen,
  • weniger Fahrspuren und Bodendruck,
  • bessere Beschickung der Maschine mit Druschgut,
  • genauere und gleichmäßigere Arbeit der Schneidwerk-Steuerung,
  • langsamere Arbeitsgeschwindigkeit und dadurch mehr Zeit, die Maschine einzustellen bzw. den Verhältnissen anzupassen,
  • weniger Strohschwaden.
 
Einzugswalze:
Ihr Abstand zum Schneidwerksboden soll bei Getreide mindestens 20 mm und bei Raps 30 bis 40 mm betragen. Die Schnecke auf der Förderwalze soll nicht mehr als 10 bis 15 cm in den Einzugskanal ragen, da sonst auf die Nutzung der vollen Dreschwerksbreite verzichtet wird. Vorhandene Schneckenwindungen sind bis auf das vorgegebene Kanalmaß zu demontieren.
 
Ein möglichst gleichmäßiger, in die Breite gut verteilter Einzug ist wichtig. Deshalb ist eine Schnecke mit großem Durchmesser von Vorteil. Der Einzug wird durch das Anbringen von zwei gezahnten Winkelschienen (30 mm) in der Mitte der Walze der Länge nach oder durch zwei Mitnehmerfinger auf der Ein- zugswalze verbessert. Zudem wird ein Rückstau vermieden, welcher sich durch einen „Weizenstrauß“ oder schräg geschnittene Stoppeln äußert. Diese Maßnahme ist besonders bei kleinem Kerndurchmesser der Walze zu empfehlen.
 
Walzen mit einem großen Kerndurchmesser fördern besser, deshalb sollten die Haspelzinken den stehenden Bestand nur leicht berühren. Die Finger der Einzugs- walze sind in gut stehenden Beständen auf Griff zu stellen, bei Raps und kurzer Gerste entsprechend anzupassen.
 
Schrägförderer:
Die Ketten sollen nur leicht durchhängen, wobei diese den Boden oder die Leisten nicht berühren sollen. Leisten auf Verbiegungen und Beschädigungen kontrollieren.
 
Dreschtrommel/-korb:
Drehzahl und Korbabstand sollten nach Reifegrad und Strohbeschaffenheit während des Tages öfters verstellt werden. Kontrollen erfolgen im Korntank und im Feld auf Mehlstaub, Körnerbruch und Schmutzanteil. Darüber hinaus muss die Überkehr kontrolliert werden. Beim Maisdrusch sollte unbedingt auf die Sorte geachtet werden. Wenn der Korbspalt größer ist und man schneller fährt, ist mehr Masse im Dreschwerk. Die Ähren dreschen sich gegenseitig aus (das passiert üblicherweise zwischen Schlagleiste und Korb). Die Folge ist weniger Bruchkorn und Kurzstroh. Das entlastet den Schüttler und die Siebe und ermöglicht einen größeren Durchsatz von Körnern und Stroh.
 
Für Änderungen, die man durch bloßes Einstellen nicht von der Kabine aus machen kann, gehen Sie am besten wie folgt vor: Bauen Sie die im Dreschkorb oft serienmäßig montierten, zusätzlichen Druschleisten aus und je eine links- und rechtsgerippte Einlegeleiste ein. Bei Maschinen ohne Vorkorb erfolgt dies im Hauptkorb.
Bei anderen Systemen ist der Getreide- Drahtkorb zu verwenden. Das Abdeckblech, welches sich beim Maisdrusch zwischen Korb und Schüttler befindet, ist bei Getreide mit einem Drahtrechen zu ersetzen, um die Abscheidefläche zu erhöhen.
 
Siebe:
Weit öffnen, dann kann die erhöhte Menge an Material, die durch die erhöhte Fahrgeschwindigkeit entsteht, bewältigt werden. Erst wenn „Kurzstrohbesatz“ im Korntank vorhanden ist, sind nach dem Erhöhen der Gebläsedrehzahl die Siebe entsprechend zu schließen.
 
Ober- _und _Untersiebweite:
Das richtige Verhältnis ist wichtig, um übermäßige Überkehr bis hin zum Materialrundlauf zu vermeiden. Das vordere und hintere Obersieb sollte immer gleich weit geöffnet sein. Ist der Farbabrieb auf den ersten zwei Dritteln des Obersiebes deutlich stärker als im letzten Drittel, ist die Obersiebeinstellung richtig. Ist jedoch der Farbabrieb gleichmäßig, ist das ein Zeichen für ein zu weit geschlossenes Sieb.
 
Häckselmesser:
Eine regelmäßige Wartung ist notwendig, sonst steigt der Kraftbedarf an der Welle von 100 kW (bei Großmähdrescher) nochmals kräftig. Die Messer sind auf Verschleiß zu prüfen. Im Normalfall sind sie alle 200 bis 600 ha zu wechseln oder umzudrehen. Schleifen zahlt sich nicht aus. In Europa gibt es auch Strohverhältnisse, wo die Häckselmesser bereits nach 100 ha gewechselt werden müssen.
 
Verlustschale verwenden: Es ist jedenfalls sinnvoll, eine Verlustschale einzusetzen. Zur Ermittlung der Verluste am Boden wird 1 m2 Fläche im Schwad mit einem Rechen vom Stroh befreit und die Körner gezählt. Um Verluste im Stroh zu ermitteln, wird Stroh von 1 m2 genommen und über der Verlustschale werden dann die Körner aus dem Stroh geschüttelt.
 
Mit folgender Formel lässt sich errechnen, wieviele Körner pro m2 einem Verlust von einem Prozent des Ertrages entsprechen: Ertrag in dt/ha x Schneidwerkbreite (cm) dividiert durch Dreschwerkbreite (m) x TKG (Tausendkorngewicht, g). Nicht zuletzt ist eine ordentliche Reinigung eine Leistungsreserve.
 
Hält man sich an diese Tipps, kann man eine Leistungssteigerung von bis zu 20 % erzielen, und das ohne Steigerung der Verluste. Ein Hinweis zum Schluss: Zur Aufrüstung des vorhandenen Mähdreschers gibt es Innovationen. Schüttlerverlängerungen und Hochleistungssiebe sind hier zu nennen. Diese können durchaus Sinn machen, jedoch ist die Sache mit dem Einbauen nicht getan. Auch hier kommt es auf die richtige Einstellung an. Generell gilt: Bevor man in Verbesserungen oder gar neue Technologien investiert, sollte man die vorhandene beherrschen. (David Ulas, top agrar-Österreich 7/2012)

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