Berlin/Brüssel

Spiller und Grethe haben ein Problem mit den Direktzahlungen

Für Prof. Spiller helfen Direktzahlungen nur den Verpächtern. Und Prof. Grethe wirbt für eine Bindung an Umweltleistungen. Das BMEL kontert, dass die Gelder eine hohe Einkommenswirkung haben.

Seine grundsätzliche Kritik an den EU-Direktzahlungen hat der Göttinger Agrarökonom Prof. Achim Spiller bekräftigt. „Die Direktzahlungen sind in ihrer derzeitigen Form nicht zukunftsfähig“, sagte Spiller vergangene Woche. Er verwies auf die einheitliche Position der deutschen Agrarökonomen in dieser Frage.

Dem Wissenschaftler zufolge kommen die Direktzahlungen zu einem großen Teil nicht den aktiven Landwirten zugute, sondern den Bodeneigentümern und somit auch Nichtlandwirten. Dadurch wirkten sich die Zahlungen preissteigernd auf dem Bodenmarkt aus.

Grethe fordert stärkere Bindung der Agrarbeihilfen an Umweltleistungen

Prof. Harald Grethe

Prof. Harald Grethe (Bildquelle: Uni Hohenheim)

Der Agrarökonom Prof. Harald Grethe von der Humboldt-Universität (HU) forderte unterdessen bei einer Anhörung im EU-Landwirtschaftsausschuss in Brüssel, dass die Kommission die Beihilfen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stärker an Umweltleistungen knüpfen müsse.

Gerade die heutigen Direktzahlungen bezeichnete der Wissenschaftler als weitgehend bedingungslos und zudem in vielen Fällen als „Etikettenschwindel“, da sie zum einen nicht dem Umweltschutz nützten und zum anderen vielfach nicht ausreichend den tatsächlich bedürftigen Landwirten zugutekommen würden. Stattdessen profitierten zunehmend die Besitzer und nicht die Bewirtschafter des Landes, so der Agrarökonom.

Grethe geht davon aus, dass aufgrund der zunehmenden Knappheit der Nutzflächen zwischen 70 % und 80 % der Direktbeihilfen an die Landbesitzer weitergereicht würden. Dies sei ein klarer Nachteil für die Pächter - also die eigentlichen Bauern.

Anstelle einer Einkommensstützung für Landwirte pocht der Agrarwissenschaftler darauf, die Anreize für öffentliche Güter wie Umweltleistungen zu erhöhen. Für den Beginn der kommenden GAP-Periode spricht sich Grethe für einen säulenübergreifenden Anteil von 30 % aus, der schrittweise auf 50 % gegen Ende der Periode - also 2027 - erhöht werden sollte. Mittelfristig sollten die „bedingungslosen“ Direktzahlungen vollständig auslaufen.

BMEL hält an Zahlungen fest

Demgegenüber will das Bundeslandwirtschaftsministerium nach den Worten von Abteilungsleiter Dr. Rainer Gießübel an den Direktzahlungen grundsätzlich festhalten. Der Ministerialbeamte begründete das mit deren Einkommenswirkung, zeigte sich aber zugleich offen für eine stärkere Berücksichtigung von Umweltanforderungen in der Ersten Säule.

Unzufrieden zeigte sich Gießübel mit dem bisherigen Diskussionsstand in Brüssel. Deutschland fordere ambitioniertere Schritte für mehr Umwelt- und Klimaschutz in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und werde die Diskussion während der deutschen Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 vorantreiben und zu einem Ende führen.

Kritik

AbL-Vorstandsmitglied Phillip Brändle kritisierte eine ungerechte Verteilung der Direktzahlungen zwischen den Betrieben und sprach sich für eine Kappung und Degression aus. Zudem sollte die Auszahlung der Mittel an qualitative Kriterien gebunden werden, so dass beispielsweise eine weite Fruchtfolge oder ein geringerer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln honoriert werden könnten, erläuterte Brändle und erinnerte an das von der AbL dafür entwickelte Punktesystem.

Für Reinhild Benning von Germanwatch werden die bisher diskutierten Maßnahmen den Anforderungen an mehr Klima- und Tierschutz in der Landwirtschaft nicht gerecht, wie sie von 65 % der EU-Bürger erwartet würden. Dem Bundeslandwirtschaftsministerium warf Benning in diesem Zusammenhang Beliebigkeit vor, weil das Ressort in erster Linie auf freiwillige Maßnahmen setze. Dadurch müssten Rückschritte befürchtet werden.


Diskussionen zum Artikel

von Klaus Jensen

Bitte alle diese Petition Unterzeichnen

https://www.youtube.com/watch?v=CPoEuZxMjnI

von Erwin Schmidbauer

@Zahn

Sie haben mir die Worte aus dem Mund genommen. Eigentlich müssten Agrarökonomen den Zusammenhang kennen, dass die Pachtpreise die Folge des möglichen Gewinnes aus der Produktion sind, und aus Angebot und Nachfrage. Egal ob der Gewinn aus Umweltleistungen, hoher Wertschöpfung der ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

Angebot und Nachfrage

Meiner Meinung nach, sind die Pachtpreise ein Ausdruck von Angebot und Nachfrage. Ställe werden entsprechend groß gebaut, damit sie rentabel betrieben werden können. Dazu braucht es Fläche. Unabhängig davon, wie hoch die jährlichen Zahlungen sind! Die Nachfrage nach Fläche wird ja ... mehr anzeigen

von Jürgen U. Elke Dippel GbR

Zahlung auf null braucht kein Mensch Preise regeln sich von selber

von Hans Spießl

Pachtpreise in einigen Regionen!!!

die Höhe der Pachten ist unabhängig von der Rendite und Ertragskraft. solange diese Sorte Bauern die 20% vom Kaufpreis für neue Maschinen und dann die Finanzierung irgendwie stemmen können? bleiben die Pachten teuer. Erst wenn diese Sorte ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

Subventionen

nur personenbezogene Zahlungen sind die absolut einzige Möglichkeit den Bauern zu helfen. Das derzeitige System ist überholt und die 2. Säule ist absolut überflüssig, Subventionen für Leistungen die keine Leistungen sind. oder ist das ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Wenn die Erlöse aus Pachtzahlungen niedrig sind,

verpachten die auslaufenden Betriebe kaum noch oder garnicht, betreiben Landwirtschaft auf Sparflamme und nehmen lieber Staatsknete für Extensivierung und sonstige Pseudo-Umweltspielereien. Damit kann der Staat natürlich den Strukturwandel ausbremsen, aber auf Kosten der ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Durch den Strukturwandel....

.... wird der Anteil der Pachtflächen immer höher und damit eben auch die abfliessende Pacht, die natürlich teilweise von Direktzahlungen mitfinanziert werden. Gerade die Agrarökonomen haben jedoch den Strukturwandel stets befürwortet und sogar befeuert, jetzt zu palavern, dass ... mehr anzeigen

von Wolfgang Schuchard

In einem Punkt gebe ich den Wissenschaftlern recht

Die Direktzahlungen werden zu einem großen Teil an die Verpächter durchgereicht. Die Vermutung, dass eine Kürzung der Zahlungen zu Pachtpreissenkungen führen würde, kann ich allerdings nicht bestätigen. Selbst ein Feld, das bisher mit Zuckerrübenkontigenten gepachtet worden war, ... mehr anzeigen

von Sven Fischer

Komplette Abschaffung der "Agrarsubventionen" ....

...nun denn, genau so sollte und kann es werden. 'Landwirte' bzw. 'landwirtschaftliche Investoren' bezeichnen sich ja gerne als Unternehmer, nur hat dies derzeit einen sehr großen Haken, denn würde man die Agrarsubventionen komplett streichen so wär das obige Klientel sofort auf den ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Quadratur des Kreises unmöglich

Zunächst mal: Ein fest angestellter Wissenschaftler oder Berufsökonom kann da leicht reden. Er muss ja nichts erwirtschaften. Tatsächlich sind sich die Mehrzahl der Landwirte ja einig, dass es am besten wäre, wenn es ohne die Zahlungen ginge, aber es geht nunmal nicht. Das Produkt ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

2 Säule

Wer sagt, dass dieses Geld nicht auch durchgereicht wird. Das größere Problem sind doch die preistreibenden Landwirte, die Gemarkungsübergreifend viel zu hohe Neuverpachtungsverträge abschließen. Zum Teil wir das doppelte der Dorfpacht angeboten.

von Marion Wölfer

meine natürlich

größere Betriebe sind ca. 240 Hektar groß

von Marion Wölfer

Ergänzung zu Spezialisierter Getreide-, Ölsaaten- und Eiweißpflanzenbaubetrieben

mittlere Betriebsgröße (knapp 100 ha): Gewinn der letzten 5 Wirtschaftsjahre = 27.000 EUR; Personalaufwand 5.700 EUR; Pachtaufwand ca. 17.000 (ca. 260 EUR/ha); Zulagen und Zuschüsse ca. 34.500 EUR; größere Betriebsgröße (ca. 100 ha): Gewinn der letzten 5 Wirtschaftsjahre ca. ... mehr anzeigen

von Marion Wölfer

@Josef Doll

Meine Datenquelle bzgl. Spezialisierter Getreide-, Ölsaaten- und Eiweißpflanzenbaubetrieb besagt folgendes: von ca. 1.900 Betriebe bundesweit; sind knapp 100 Hektar groß; Gewinn der letzten 5 Wirtschaftsjahre = 27.000 EUR; Ertrag Getreide/ha der letzten 5 Wirtschaftsjahre = 1.200 ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Das Fazit der Komentare

ERST wenn kein Pacht mehr bezahlt werden kann sind WIR zufrieden ? Nun Wer kann somit sich die Pachtpreise überhaupt leisten ? Entweder er hat überdurchschnittliche Leistung . Eine Leistung unter 10.000 Liter je Kuh kann der "ohne" ohne Direktzahlung nicht mehr wirtschaftlich Überleben ... mehr anzeigen

von Bernd Müller

Genau Herr Esser,

Professor Spiller hat hier vollkommen recht. Die Direktzahlungen werden nur an den Landeigentümer durchgereicht, der ist zwar auch oft aktiver Landwirt, der Anteil der Pachtflächen wird aber immer größer. Subventionen quasi ohne Zweckbindung haben langfristig keinen Effekt. Sie ... mehr anzeigen

von Berthold Lauer

Utopie

Erstens: Wie will man verhindern, dass auch weiterhin ein Teil oder auch die kompletten Beihilfen an die Eiogentümer weitergereicht werden, egal ob sie aus der ersten oder der zweiten Säule kommen? Das war doch auch bisher letztendlich die Entscheidung des Betriebsleiters, ob freiwillig ... mehr anzeigen

von Heinrich Esser

@Doll

Das ist ja genau das Problem. Man hat die Betriebe über Jahre hinweg abhängig von den Zahlungen gemacht, so dass viele nicht wissen, wie es ohne gehen soll. Trotzdem haben hunderttausende Betriebe seit ihrer Einführung dicht gemacht. Haben die Flächenprämien also etwas gebracht? Wohl ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Zu Abschaffen von Bern Müller

Für mich kann es da nur ein Daumen nach unter geben. Denn ich muß mir mit eigendlich schon zustehendem Geld, zuerst die Maschinen , um mir dann eine bessere Ausutzung der Nährstoffe sicher zu stellen !!! Da ja durch die Düngeverordnungen meine 90 dt Gedreideertrag fast nicht mehr ... mehr anzeigen

von Heinrich Esser

Das Problem mit den Direktzahlungen ist,

dass sich der Bauernverband stark, fast ausschließlich, für den Erhalt dieser einsetzt, auch wenn die Einkommenswirkung dieser bereits mehrfach widerlegt wurde. Ohne Direktzahlungen bräuchten wir höhere Preise, das würde den Export vermutlich schwächen, was dem DBV aus irgendeinem ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Zu nehmen wir mal

Eine Tabelle lässt sich beim Top-agrar Komentar nicht darstellen deshalb sehr unübersichtlich !! Nachtrag: >>>Wer einen höheren Umsatz errechnen kann ------ nur zu .......<<<< Mir kommt es jetzt darauf an : Das bei "nur" Getreideerzeugung ohne Direktzahlung bei ... mehr anzeigen

von Bernd Müller

Abschaffen!

Und das Geld für die zweite Säule nutzen in Form von Förderung neuer Technik zur besseren Ausnutzung organischer Düngung, Infrastruktur im ländlichen Raum usw. Auch der Biolandbau darf keine Förderung mehr bekommen, da Ressourcenverschwendung!

von Johann Schneider

Förderungen für Landwirte

Müssten so gestaltet werden,dass sie diese nicht immer gleich freiwillig an andere(Verpächter,Fendt,Baywa...)weitergeben können und gleichzeitig die Produktion senken.Z.B Zuschüsse zur Altersversorgung oder 6wöchigen Erholungsurlaub für die Bäuerin.

von Josef Doll

Nehmen wir mal

einen normalen Ertrag von relativ 90 dt Ertrag . 90 X 15 € = 1350 € Plus 250 = 1550 15 € durchschnitt in der Ernte Lagerung verursacht auch Kosten manchmal Minus Saatgut 150 Düngung 180N /70 P/60 K/ 100 CaO N /120 P/50 K/30 CAO/45 = - 250 Maschinen Kosten Inkusiv Diesel ... mehr anzeigen

von John Nissen

Entkopplung war falsch

Der Fehler war, dass die Prämien entkoppelt wurden. Früher wurde der höhere Aufwand bestimmter Betriebsformen, wie Milchwirtschaft, dadurch ausgeglichen. Und reiner Ackerbau erhielt zu wenig Geld, um die Pachten dadurch anzutreiben. Die Wirtschaftlichkeit des Grünlands war mit der ... mehr anzeigen

von Eike Bruns

Abschaffen,

sofort und die damit verbundenen Auflagen auch, hilft uns Bauern!

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen