Stern TV: Schwere Tierschutzverstöße trotz drei Gütesiegeln

stern TV hat über nicht tolerierbare Haltungsbedingungen in einem schweinehaltenden Betrieb im Donau-Alb-Kreis berichtet. Zu sehen waren Tiere mit offenen Wunden, angefressenen Ohren, Durchbrüchen oder tellergroßen Geschwüren. Der Hof war QS, QZBW und von der Initiative Tierwohl zertifiziert.

Am 19. Oktober hat das Magazin stern TV unter dem Titel „Tierquälerei mit Gütesiegel“  über nicht tolerierbare Haltungsbedingungen in einem schweinehaltenden Betrieb im Donau-Alb-Kreis berichtet. Zu sehen waren Tiere mit offenen Wunden, angefressenen Ohren, Durchbrüchen oder tellergroßen Geschwüren. Daneben Kadaver verwesender Schweine.
 
Das Problem: Der Betrieb führt die das QS-Prüfzeichen, das Qualitätszeichen Baden-Württemberg (QZBW) und das Siegel der "Initiative Tierwohl" . Die Tierschützer erklären den Verbrauchern nun, dass die Gütesiegel wertlos sind und im Grunde alle Ställe so aussehen.
 
stern TV zeigte die Bilder der Fachtierärztin und Gutachterin für Tierschutz Diana Plange in einem Zusammenschnitt. Ihre Reaktion: "Diese Bilder machen mich sprachlos. Das sind so grobe Tierschutzverstöße in einem so widerlichen Ausmaß, wie ich sie so noch nie gesehen habe." Die großen, schwarz verfärbten Wunden am Hinterteil der Schweine schockierten sie besonders. „Wenn man sich klar macht, dass ein Schwein dann von hinten angefressen wird, der ganze Schwanz praktisch weg ist, bis in die Wirbelsäule hinein – das Tier muss unendlich gelitten haben oder noch weiter leiden. Das mag man sich gar nicht vorstellen." Es seien zudem alte Verletzungen, die auf langfristige Missstände hindeuteten, so Diana Plange. Dem Landwirt müsse eigentlich umgehend die Betriebserlaubnis entzogen werden.
 
Tierschützer hatten zudem per versteckter Kamera längerfristige Aufnahmen in den Ställen gemacht, die zwei Mal dokumentieren, wie der Landwirt ein Schwein mit einem Hammer tötet. "Es war zu sehen, dass die Tiere bei vollen Bewusstsein waren", sagt Fachtierärztin Diana Plange zu den Aufnahmen. "Und die Aktion mit dem Hammer diente nicht dazu, die Tiere zu betäuben, sondern sie zu erschlagen. Das ist ein deutlicher Verstoß gegen die Tierschutz-Schlachtverordnung."

Initiative Tierwohl wirft Betrieb raus

Initiative Tierwohl

Initiative Tierwohl (Bildquelle: Logo)

Die Initiative Tierwohl reagierte umgehend und erklärte, man habe den Hof im Februar 2016 auditiert; damals ohne Beanstandungen. Die jetzt gezeigten Zustände würden jedoch klar gegen die Haltungskriterien der Initiative Tierwohl verstoßen. Eine unabhängige Zertifizierungsstelle habe daher unmittelbar nach Kenntnis ein außerplanmäßiges Sonderaudit durchgeführt. Dieses hat der Betrieb NICHT bestanden. Damit wurde er mit sofortiger Wirkung aus der Initiative Tierwohl ausgeschlossen.
 
Der Betrieb kann somit keine finanziellen Ansprüche mehr gegenüber der Initiative Tierwohl geltend machen und muss alle seit dem letzten bestandenen Audit gewährten Zuwendungen der Initiative Tierwohl zurückzahlen, heißt es. „Durch dieses Auditierungssystem, das ausnahmslos für alle teilnehmenden Betriebe gilt, sorgen wir dafür, dass die Tierwohlmittel nur an die Betriebe ausgezahlt werden, die unsere Haltungskriterien ordnungsgemäß umsetzen und einhalten. Die stern TV Redaktion haben wir vorab über unser Vorgehen und die Konsequenzen für den gezeigten Betrieb informiert“, so die Verantwortlichen der Initiative.
 
Ein besonderes „Geschmäckle „ bekommt der Fall zudem dadurch, dass der betroffene Landwirt aus Merklingen selbst Mitarbeiter des Landratsamts Alb-Donau-Kreis, das für die Kontrollen zuständig ist. Laut Kritikern brauche man sich da nicht wundern, dass solche Zustände trotz behördlicher Kontrolle möglich seien.

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