Reaktionen

Stimmen zur Zukunftskommission Landwirtschaft

Die am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Einsetzung einer „Zukunftskommission Landwirtschaft" findet insgesamt Zustimmung. Hier die Reaktionen.

Die Kommission soll unter Einbindung von Praktikern, Wissenschaftlern und gesellschaftlichen Akteuren, insbesondere Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherverbänden, praxistaugliche Empfehlungen erarbeiten, für eine produktive und ressourcenschonende Landwirtschaft (top agrar berichtete). Hier die Stimmen zum Beschluss:

Joachim Rukwied (Deutscher Bauernverband): Der DBV begrüße die Einrichtung der Kommission. „Wir erwarten, dass die Kommission in einem breiten gesellschaftlichen Konsens Vorschläge erarbeitet, wie eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft zukunftssicher gemacht werden kann und gleichzeitig die Produktionsweisen größtmögliche Akzeptanz in der Gesellschaft erfahren“. Landwirtschaft und Bevölkerung brauche diese starke Verbindung. Die Kommission müsse insbesondere klare Perspektiven für die junge Landwirtsgeneration aufzeigen.

Kathrin Muus (Bund der Deutschen Landjugend): Es sei ein gutes Zeichen, dass mandatierte Vertreter der jungen Generation bewusst in die Zukunftskommission berufen wurden. „Das federführende Landwirtschaftsministerium setzt auf echte Beteiligung. Hier werden zwei Jugendverbände nicht der Optik wegen, sondern wegen ihrer Expertise eingebunden. Auch wenn die BUNDJugend und der BDL sicher nicht immer derselben Ansicht sind, sollte das immer so sein“, lobt Muus.

Martin Kaiser (Greenpeace): Die Zukunftskommission für die Landwirtschaft sei überfällig. „Deutschland muss das kranke System Billigfleisch beenden. Vorschläge für eine echte Agrarwende mit einer erheblich besseren Tierhaltung, finanziert durch eine Tierwohl-Abgabe, liegen bereits auf dem Tisch.“

Olaf Bandt (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland): Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) begrüßt den Beschluss des Bundeskabinetts. „Auch wenn der BUND in den letzten Monaten nicht nur gute Erfahrungen mit Regierungskommissionen gemacht hat, sind wir bereit, in dieser Kommission mitzuarbeiten, wenn sie die notwendigen Veränderungen anpackt“, so der Vorsitzende. Die Missstände in den Agrarlandschaften, das Tierleid in den Ställen, die Umweltschäden durch die Agroindustrie und das unaufhaltsame Artensterben bewege die Organisation dazu mitzuwirken, damit sich endlich etwas ändere. Ähnlich wie im Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung („Borchert-Kommission“) sei es aus Sicht des BUND notwendig, in der neuen Landwirtschaftskommission ein Zukunftsbild für das Jahr 2040 zu entwerfen. „Die Regierung Merkel muss noch vor der Bundestagswahl 2021 vorlegen, wie die Landwirtschaft im Jahr 2040 aussehen soll und was sich ändern muss. Einen weiteren Verschiebebahnhof bis nach den Wahlen können sich die Landwirtschaft, unsere Umwelt und die Tiere nicht leisten. Taten sind gefragt“, so Bandt.

Christoph Heinrich (WWF Deutschland): „Die Kommission bietet die Chance zum Einstieg in einen breiten gesamtgesellschaftlichen, konstruktiven Dialog über Wege in eine zukunftsfähige und nachhaltige Landwirtschaft“, sagt Christoph Heinrich zur Aufgabe der Kommission. Landwirtschaft habe eine Zukunft, wenn sich in Deutschland und Europa endlich gemeinsam für eine Landwirtschaft stark gemacht würde, die ihren Fußabdruck weltweit substanziell reduziere, einen aktiven Beitrag zum Klima- und Biodiversitätsschutz leiste, ökologische Strukturen fördere und eine tiergerechte, flächengebundene Nutztierhaltung zum Standard mache.

Gitta Connemann (Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag): „Wir brauchen einen Gesellschaftsvertrag, bindend für alle, über Wahlperioden hinweg. Dieses Leitbild kann nur mit den Betroffenen entwickelt werden, mit unseren Bäuerinnen und Bauern.“ Dafür biete die Zukunftskommission Landwirtschaft das Fundament. Dabei werden Verbraucher und Wissenschaft eingebunden. Die Zukunftskommission habe eine große Aufgabe: Sie soll ein gesellschaftliches Leitbild für die Landwirtschaft in Deutschland und den Umsetzungspfad dazu entwickeln. Dafür müssten Widersprüche und Zielkonflikte gelöst werden. „Wer zum Beispiel von bäuerlicher Landwirtschaft spricht, aber dafür erforderliche Änderungen im Baurecht etc. blockiert, gefährdet diese Strukturen. Maßstab müssen Sachlichkeit und Fakten sein, nicht Ideologie oder Lautstärke. Von Bilderbuchromantik kann kein Betrieb überleben", so die Politikerin.

Albert Stegemann (Agrarpolitische Sprecher CDU/CSU): „Die unterschiedlichen Biografien der Mitglieder, die gewählten Schwerpunkte sowie die Verbindung der Themen mit der für die Agrar- und Ernährungspolitik bedeutsamen europäischen Ebene sind ein gutes Grundgerüst für eine konstruktiv kritische Herangehensweise der Zukunftskommission“, sagt Stegemann. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion werde die Arbeit der Kommission eng begleiten und unterstützen. „Denn unsere Landwirtinnen und Landwirte erwarten möglichst konkrete, aber vor allem national wie EU-weit umsetzbare realistische Empfehlungen und Vorschläge. Diese müssen ferner finanzierbar sein und dürfen nicht zu ökonomischen oder ökologischen Verwerfungen führen…“.

Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/Die Grünen, Sprecher für Agrarpolitik): Den zukünftigen Herausforderungen werde das Konzept zur Zukunftskommission von Land schafft Verbindung und DBV nicht gerecht. „Gerade die wichtigen Fragen, wie eine bäuerliche Agrarstruktur zu erhalten und zu befördern ist, wie eine umfassende Regionalisierung der landwirtschaftlichen Erzeugung und des Verbrauches erreicht werden kann, werden nicht mal erwähnt.“ Auch die Frage, wie eine radikale Dezentralisierung der Schlachtindustrie und der Fleischverarbeitung umgesetzt werden kann, fehle. „Die Aufsetzung der Kommission erscheint uns Grünen sehr industrielastig. Die letzten Corona-Ereignisse haben deutlich gezeigt: Ohne einen Systemwechsel geht es nicht.“

Max v. Elverfeldt (Familienbetriebe Land und Forst) begrüßt den Beschluss. Ihm sei jedoch wichtig, dass daraus nun schnell auch verlässliche Vorgaben für die Landwirtschaft resultieren: „Es ist notwendig für bestehende Probleme und Zielkonflikte tragfähige Lösungen zu entwickeln, die sowohl wirtschaftlich, ökologisch als auch sozial tragfähig sind – vor allem durch ökonomische Anreize. Hier wünschen wir uns schnell einvernehmliche Ergebnisse, um unseren Betrieben die notwendige Planungssicherheit geben zu können.“

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