Kritik

Strafrechtler Bülte: "Klöckner hat nur Großagrarier im Blick"

Der Strafrechtsprofessor Jens Bülte schimpft in der ZEIT über die moderne Tierhaltung, es gebe nur noch Massentierhaltung und Profit und die Bundesagrarministerin sei die Gehilfin.

Der Jurist Prof. Dr. Jens Bülte vom Lehr­stuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht der Uni Mannheim wirft Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor, ausschließlich die wirtschaftlichen Bedingungen der Großagrarunternehmer im Blick zu haben. "Nicht einmal die der Bauern. Und die Interessen der Tiere sowieso nicht“, sagt Bülte im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT (pay).

Beim „Tierwohl“-Label, das Klöckner einführen will, „finde ich schon den Begriff problematisch“, so Bülte. „Dass die Tiere sich in der Haltung, die wir in Deutschland haben, wohlfühlen, dürfte ja nicht die Regel sein. ‚Haltungskennzeichnung‘ wäre das treffendere Wort.“ Und weiter: „Am ehrlichsten wären da allerdings Fotos, die zeigen, wie Nutztiere typischerweise gehalten werden. Auf Zigarettenpackungen werden ja auch Aufklärungsbilder verwendet.“

Im aktuellen Rechtsstreit um Rinderexporte in Länder außerhalb der EU folgt Bülte der Meinung von Veterinären in Schleswig-Holstein und Bayern, die sich weigern, Genehmigungen für die Transporte zu erteilen. Er sagt: „Wenn ein Veterinär solche Transporte in dem Wissen genehmigt, dass es am Bestimmungsort oder beim Transport zu Tierquälereien kommen könnte, begeht er eine strafbare Beihilfe, sollten die Tiere tatsächlich misshandelt werden.“

Bülte hat Tierschutzfälle aus den vergangenen 40 Jahren ausgewertet. Sein Fazit: Der Tierschutz wird wirtschaftlichen Interessen untergeordnet und das Staatsziel Tierschutz ignoriert.

Interview für "Menschen für Tierrechte" (frei)

Hinweis: Was halten Sie von den Aussagen von Prof. Bülte? Kommt der Mannheimer Wissenschaftler zu einem ausgewogenen Urteil oder sieht er die Sachlage zu einseitig? Diskutieren Sie mit.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Guido Müller

Studiert, aber nix gelernt

Jens Michael Bülte * 1976 in Mönchengladbach hat somit Tierschutzfälle seit seiner Geburt untersucht. Er hat sich in dieser Zeit ausschließlich seiner beruflichen Karriere gewidmet und erlaubt sich hier einen solchen Beitrag über ein komplexes Thema abzugeben, das er nur vom hören -sagen kennt ohne jeglichen Praxisbezug. -- Studiert, aber nix gelernt --

von Matthias Zahn

Verklagen Sie doch die Verbraucher!

Verklagen Sie alle Verbraucher in Deutschland wegen Mittäterschaft! Würden die Produkte nicht gekauft, müsste auch kein Tier dafür leiden. Ja, sie haben recht, wir brauchen einen ethischen Umgang. Wenn wir schon Tiere töten um sie danach zu essen, dann sollte diese ganze Gesellschaft dafür Verantwortung übernehmen. Sorgen wir doch dafür, dass wir Bauern dasselbe Verdienen wie Rechtsanwälte oder Richter. Dann verkleinere ich meine Herde und nutze die freiwerdende Zeit um meinen Tieren einmal täglich den Rücken zu kraulen! Ja, es gibt Entwicklungen in der Tierhaltung und -zucht die fragwürdig, aber leider betriebswirtschaftlich notwendig sind. Und daran kann nicht der einzelne Bauer etwas ändern sondern nur die Gesellschaft als ganzes!

von Willy Toft

Es kommt auf die Sichtweise drauf an, und wie interpretiert er die letzten 40 Jahre?

In Sachen Tierwohl hat sich in den letzten 40 Jahren viel zum Besten der Tiere geändert, davor kann auch Herr Bülte nicht die Augen verschließen. In unserer Bilderbuchgesellschaft denkt jeder bei Tierwohl an das Kuscheltier auf dem Sofa, oder im Bett, da können wir unsere Nutztiere leider nicht mitnehmen! Was versteht Herr Bülte unter Masse, 10, 100, oder 1000 Tiere? Solange der Verbraucher so wenig für unser Fleisch hier bezahlen will, oder kann, werden es kleine Nutztierhalter nie in die wirtschaftliche Produktion schaffen!

von Christian Bothe

Bülte

Ob der Bülte schon mal etwas von Marktwirtschaft gehört hat? Natürlich geht‘s in der LW auch darum Geld zu verdienen. Das funktioniert aber nur mit intensiver LW auch im Ökobereich falls Produkte im Discounter gelistet werden.Ob mit oder ohne Klöckner das ist das Geschäft wie in jedem anderen Volkswirtschaftszweig.Wer Streicheltiere sehen will,muss in den Zoo gehen. Bülte sollte sich lieber um juristische Belange seiner Kollegen kümmern,wenn diese unsinnige Urteile zu Tierstalleinbrüchen(OLG Naumburg) fällen. „Schuster bleib bei deinen Leisten“ heißt es doch so schön...

von Paul Siewecke

in einem Punkt könnte er fast recht haben...

Das Tierwohllabel sollte nicht so heissen, "Haltungskennzeichnung" träfe es eher! Allerdings ist dieser Begriff schon besetzt durch die Unterscheidung Bio und Konventionell. Würde man hier den Begriff erweitern, ähnlich wie bei der Eierkennzeichnung, so wäre es den Erzeugern um so schwerer vermittelbar, für die Einstufung auch noch Zertifizierungsgebühren zu zahlen! (und sicher nicht wenig!) Deswegen nennt man das ganze lieber "freiwiliges Label", als ob man hier für die Nutzung von Markenrechten zahlen würde! Und um die Abschöpfung von Labelgebühren geht es doch, das "Tierwohl" scheint mir da eher zweitrangig zu sein, wenn man die zusätzlichen Anforderungen für die Einstiegsstufe bedenkt. Um Missverständnissen vorzubeugen: ich sage hier nicht, dass es unseren Tieren schlecht geht! Schließlich sollen sie wirtschaftliche Leistungen erbringen und das machen sie nicht, wenn sie sich nicht wohlfühlen. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass es nicht auch besser ginge, aber das muss auch bezahlt werden...

von Gerhard Steffek

Wenn es -

immer weniger Bauern gibt, aber immer mehr Menschen die ernährt werden wollen und auch sollen, dann soll er doch bitte mal erklären wie er sich die Ernährung der Bevölkerung ohne "Massentierhaltung" vorstellt. Besonders dann, wenn das "Mehr" an Menschen immer weniger bereit ist die immer weniger werdenden Bauern gerecht zu entlohnen und ihnen dann sogar noch vorschreiben will wie sie zu wirtschaften hätten. Wobei für diese Entwicklung eher der LEH dafür verantwortlich ist. Denn dieser drückt ja im wesentlichen die Preise und der Kunde wäre ja blöd, würde er dieses Angebot nicht nutzen. Wenn er keine "Massentierhaltung" will, dann soll er doch dafür sorgen das es eine entsprechende Anzahl an Tierhaltern gibt. Dazu müßte er aber schon einmal den Begriff "Massentierhaltung" definieren - und zwar so, daß dieser Begriff von allen anerkannt wird. Ansonsten ist das mal wieder eine der üblichen Dampfplaudereien ohne Hirn und Verstand aber mit viel Meinung. Schuster bleib bei deinen Leisten kann man hierzu nur sagen.

von Josef Putz

Wirtschaftlichkeit ist Grundvoraussetzung in unserer Welt. Nur die Erzeuger müssen immer knapp an der Kippe stehen wie's aussieht. Wenn eine entsprechende Entlohnung bestehen würde, dann wären andere Haltungsformen kein Problem. Nur es will keiner bezahlen. Ich sehe nur die eine Möglichkeit dass man den Verbraucher dazu zwingt über 40% der Ausgaben für heimische Nahrungsmittel auszugeben ob er will oder nicht. Nur dann bleibt eben kein Geld mehr für Luxus über und das Volk wird unzufrieden oder noch schlimmer

von Wilhelm Grimm

Die GRÜNEN und der Marsch durch die Institutionen !

Jetzt erobern sie auch noch die Justiz.

von A.-Wolfram Schwarz

Die ganze Gesellschaft wächst...

...sich zu Tode. Das zeigt sich am deutlichsten am exzessiven Flächenverbrauch und am Dauerstau auf den Straßen. Aber die Schuld liegt wie immer bei der Landwirtschaft. Dieses Mal insofern, als sie den Kinderbilderbuchidyllen eines Juristokraten nicht mehr entspricht. Man sollte solche Leute doch einmal erklären lassen, was früher wirklich alles besser war.

von Rainer Esser

Wirtschaftliches denken?

Für alle nachgelagerten Bereiche ist wirtschaftlisches Denken erlaubt und Grundvoraussetzung für Ihre dauerhefte Existens. Dem eigentlichen Produzenten, dem Landwirt soll es nicht gestattet sein? Ich habe nichts gegen Tierwohl aber einer muss das bezahlen. Wenn wir nicht wirtschaftlich denken werden unsere Betriebe in Deutschland nicht überleben. Ich gehe auch nicht davon aus, das der Herr Professor seinen Job ehrenamtlich macht auch er möchte am Ende des Monats seinen Lohn haben.

von Wilhelm Grimm

Büttenredner hätte der Rehwinkel ihn geannt.

Und Biedenkopf hätte wohl gesagt: Ein Professor ist auch nicht mehr das, was er einmal war.

von Werner Kriegl

Ach Herr Professor!

Ich könnte Ihnen genau so viele Beispiele bringen, was im Strafrecht oder der Justiz nicht paßt. Davon verstehe ich mindestens genau so viel wie der Herr Professor von der Landwirtschaft...

von Wolfgang Daiber

andere Baustellen

Herr Bülte,da gibt es in unserer Wirtschaft noch ganz andere Baustellen, seinen es die Textilarbeiter in Pakistan,der Zuckerrohr-Erntearbeiter in Brasilien,der Bergmann in Afrika der die seltenen Erden aus dem Boden holt,dem Landwirt in Chile dem das Wasser geklaut wird um das Wasser zu Verdampfen für unsere Autobatterien.Baustellen ohne Ende,nur dies trifft jedes mal unmittelbar den Deutschen Verbraucher an seinem Geldbeutel.Und da haben sie nicht den Mut sich zu äußern.Auch ihr Berufsstand ist mitverantwortlich ,in dem von der Justiz sehr viele neue Ställe verhindern, obwohl jeder neue Stall Verbesserungen im Tierwohl mit sich bringt. Durch diese Vorgehensweise,verlagern Sie die Lebensmittelproduktion nur ins Ausland,mit allen negativen Folgen.Deshalb,das gilt auch für Herr Bülte,"aus den Augen aus dem Sinn"

von Heinrich Esser

Dass Klöckner die Interessen der Großagrarunternehmer vertritt...

...dürfte nichts Neues sein. Beim Tierwohl kann ich dem Professor nicht zustimmen. Ich denke, die Standards in Deutschland sind noch mit am höchsten, nur der Verbraucher muss auch gewillt sein, diese zu unterstützen. Wenn wirklich so viel Tierwohl verlangt wird, kann ich nicht verstehen, warum der Bio-Anteil bei Fleisch nur bei

von Jörg Meyer

Und der Konsum

Darf der Konsum denn dann Produkte aufbrauchen bei deren Herstellung Tierschutz nicht gesichert ist?

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