IAMO

Studie: Junglandwirteprämie ist „wirkungslose Verschwendung von Steuermitteln“

Junglandwirte, die einen Hof übernehmen, bekommen eine Förderung. Diese gibt es pauschal ohne Berücksichtigung des Businessplans und Bedarf. Im Vordergrund steht der Erhalt des Status Quo.

In den kommenden Jahrzehnten wird in der EU die Generation der Baby Boomer in den Ruhestand gehen. Die neu in den Arbeitsmarkt eintretenden jüngeren Generationen sind zahlenmäßig wesentlich kleiner. Daher steht auch der Landwirtschaft ein Generationswechselproblem bevor.

Die bestehende EU-Agrarpolitik adressiert die Herausforderungen des landwirtschaftlichen Generationswechsels bislang durch eine starke Fokussierung auf Hofnachfolgen. Implementiert ist dies derzeit vor allem durch die Gewährung von Junglandwirteprämien in Form von Zahlungen nach Hektaren bewirtschafteter Fläche an Landwirte bis zu einem Alter von 40 Jahren.

Allerdings erfolgen diese Zahlungen ohne Bezug auf einen Businessplan oder nachhaltige Einkommensperspektiven des jeweiligen Betriebes und wurden bereits vom Europäischen Rechnungshof als unwirksam kritisiert, schreibt das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO).

Auch die Autoren des von der Europäischen Union geförderten Projektes SURE-Farm kommen basierend auf Simulationsanalysen für ausgewählte Regionen und Rückmeldungen der Stakeholder zu dem Schluss, dass diese Zahlungen bestenfalls als eine weitgehend wirkungslose Verschwendung von Steuermitteln angesehen werden können.

Die Fokussierung auf den Erhalt bestehender Agrarstrukturen gehe bereits an den bereits ohnehin enormen sektoralen Herausforderungen vorbei, wonach sich viele Landwirtinnen und Landwirte trotz umfänglicher Förderung aufgrund ihrer technischen wie auch ökonomischen Ineffizienz unter enormen wirtschaftlichen und sozialen Druck sehen.

Um den Agrarsektor in Zeiten zunehmenden Anpassungsdrucks bei der Bewältigung der demographischen Herausforderungen zu unterstützen, sollte sich das politische Handeln vor allem auf die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte sowie innovative Neueinstiege in den Sektor konzentrieren. Entsprechend ergeben sich Forderungen nach einer stärkeren Unterstützung von Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften, die Erhöhung der Attraktivität ländlicher Gebiete für junge Familien, eine höhere Offenheit für alternative landwirtschaftliche Geschäftsmodelle sowie klare und konsistente Politiken, die eine langfristige Orientierung bieten, so das IAMO.

Der SURE-Farm Policy Brief „Politikoptionen zur Stärkung der Resilienz der Landwirtschaft angesichts demographischer Herausforderungen“ ist in deutscher und englischer Sprache erscheinen.

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Diskussionen zum Artikel

von Josef Schmid

Ziellose Vergeudung von Fördergeldern

Eine Junglandwirte-Förderung pauschal nach der Hektarzahl ist genauso unsinnig, ungerecht und unwirksam wie die Flächenzahlungen an sich. Wieso muss der Übernehmer eines großen Betriebes mehr erhalten, als der eines kleinen Hofes, der evtl auch noch in einer benachteiligten Gegend ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Dass wir überhaupt noch Fördergelder bekommen,

und diese nicht von Agrarökologiemaßnahmen restlos aufgezehrt werden, liegt nur daran, dass sie mit Mehrkosten für unsere höheren Standards begründet werden. Wer die Standards auf 200 ha erfüllen muss, hat nunmal mehr Ausgleich zu erhalten, als jemand der die Standards nur auf 20 ha ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Wie wird´s kommen?

Natürlich wird das gestrichen, wenn es von irgendjemandem ohne Anhaltspunkte als wirkungslos angesehen wird. Greening ist auch wirkungslos. Wird es gestrichen? Nein. Es wird ausgeweitet.

von Klaus Fiederling

Reden Sie bitte doch nicht immer um den heißen Brei herum!

Kaum blumiger könnte man einen rasant fortschreitenden Strukturwandel (leises Höfesterben) in Reihen der Landwirtschaft umschreiben. Bitte formulieren sie doch weitaus ehrlicher, wie viele Betriebe in Zukunft innerhalb unserer ländlichen Räume laut Ihren Daten, Fakten und Analysen ... mehr anzeigen

von Kurt Brauchle

Generationwechsel?

"Die neu in den Arbeitsmarkt eintretenden jüngeren Generationen sind zahlenmäßig wesentlich kleiner. Daher steht auch der Landwirtschaft ein Generationswechselproblem bevor." Wen das unser größtes Problem ist gehts ja noch.

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