Tackmann: „Bodeneigentum muss breit gestreut sein“ Premium

Die Agrarsprecherin der LINKEN, Kirsten Tackmann, sieht Bewegung in der nationalen Agrarpolitik. Was sie als Oppositionspolitikerin an Agrarministerin Julia Klöckner schätzt und wo sie in der Debatte um die EU-Agrarpolitik, den Bodenmarkt, den Wolf und die Ferkelkastration steht, erläutert sie im Gespräch mit topagrar.

„Endlich kann man mit einer Agrarministerin über die Sache reden“, sagt die Agrarsprecherin von den LINKEN im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann, über Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). (Bildquelle: LINKE)

Die Agrarsprecherin der LINKEN im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann, sieht Bewegung in der nationalen Agrarpolitik. Was sie als Oppositionspolitikerin an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schätzt und wo sie in der Debatte um die EU-Agrarpolitik, den Bodenmarkt, den Umgang mit dem Wolf und die Ferkelkastration steht, erläutert sie im Gespräch mit top agrar. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner besetzt derzeit fast alle Themen in der Agrarpolitik selbst. Macht sie es der Opposition damit schwerer oder einfacher, sich in der Agrarpolitik zu profilieren? Tackmann: Ich finde es einfacher, weil ich das Gefühl habe, dass man endlich mal mit einer Agrarministerin tatsächlich über die Sachen reden kann und nicht nur mit Worthülsen abgespeist wird. Sie hat einen anderen Politikstil und ich kenne und schätze sie noch aus der parlamentarischen Arbeit im Bundestag. Wenn sie nun als Ministerin sagt, es könnte auch der andere mal Recht haben, ist das für mich in der Opposition eine Ermutigung, mich in Debatten einzumischen. Die Frage ist, was erreicht Julia Klöckner als Ministerin und in ihrer Fraktion. Da bin ich weiter gespannt. Mit den Vorschlägen von EU-Agrarkommissar Phil Hogan zur Agrarreform ist so recht niemand zufrieden. Welche Veränderungen erwarten Sie von Frau Klöckner an den Entwürfen? Tackmann: Nicht zufrieden ist harmlos dargestellt. Die Vorschläge von EU-Agrarkommissar Hogan sind unkonkret, wir können nicht abschätzen was kommt und derzeit dominiert ein hin und herschieben von Möglichkeiten. Von Frau Klöckner erwarte ich, dass sie die drängendsten Themen ernsthaft und ergebnisoffen diskutiert. Kappung und Degression sind für mich als Ostdeutsche ein Thema, ich hätte da gern eine sachliche Diskussion. Wenn endlich mit dem öffentlichen Geld öffentliche Leistungen je Hektar honoriert werden, wäre es doch egal, ob der Hektar zu 10 oder zu hundert Hektar gehört. Als LINKE haben wir immer gefordert, die Zahlungen an konkrete ökologische und soziale Leistungen zu binden. Wenn man diesen Schritt aber nicht geht, müssen wir noch kritischer bewerten, wo das Geld landet. Deshalb wollen wir die Investorenlandwirtschaft gar nicht fördern, weil wir das für das falsche Geschäftsmodell halten. Da erwarte ich auch von der Ministerin, dass sie sich um das Thema Investorenlandwirtschaft endlich ernsthaft kümmert. Dazu gehört nicht nur die Frage der Förderung sondern auch die Frage des regulierten Bodenmarktes. Sie haben vergangene Woche einen eigenen Antrag im Bundestag zum Bodenmarkt zurückgezogen, weil es neue Gesprächsbereitschaft unter den Fraktionen dazu gibt. Wo sehen Sie denn die Kompromisslinien beim Bodenmarkt? Tackmann: Wir haben den Antrag nicht zurückgezogen sondern nur aufgrund des Gesprächsangebots der Koalition vorläufig auf die Abstimmung verzichtet. Sobald sich aber in der Sache nichts tut, werden wir ihn zur Abstimmung stellen. Im Ausschuss haben alle bestätigt, dass es das Problem der Investorenlandwirtschaft gibt und sich damit vor Ort Dinge verändern, die wir alle nicht wollen. Wir suchen jetzt gemeinsam nach Lösungen, wie man diese Entwicklung stoppen oder wenigstens beschränken kann. Unsere ...

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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von Erwin Schmidbauer

Früher hat man das anders gemacht

In der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR hat man die "Streuung des Eigentums an Boden" anders hergestellt: mit Enteignungen. Ich hoffe nicht, dass Tackmann solchen Ideen nachtrauert oder sogar unterstützen würde.

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