Linke

Tackmann: Kostendeckende Erzeugerpreise sind systemrelevant

Kirsten Tackmann von den Linken prangert die strukturelle Markübermacht der Konzerne sowie eine Ausbeutung von Milchbauern und ihren Tieren an.

„Von aktuell 25 Cent für den Liter Milch oder 2,50 Euro pro Kilogramm Rind kann niemand in der Landwirtschaft leben. Aber Schlacht-, Molkerei- und Lebensmittelkonzerne werden damit reich", prangert die Agrarsprecherin der Linken, Kirsten Tackmann an.

Möglich mache das die strukturelle Markübermacht der Konzerne, "die solche Dumpingpreise erpresst, koste es was es wolle für Mensch, Tier und Natur", so die Politikerin weiter. Der von der Bundesregierung proklamierte „mittelbare Schutz vor sehr niedrigen Lebensmittelpreisen und nicht kostendeckender Erzeugerpreise“ wird ihrer Meinung nach zur Farce ohne Beseitigung der Ursache. "Der Systemfehler gehört behoben.“

„Wenn sich Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner am kommenden Donnerstag mit Erzeugern und Handel trifft, muss dringend ein Konzept auf den Tisch, wie kostendeckende Erzeuger- und bezahlbare Lebensmittelpreise durch faire Regeln entlang der Lieferkette gesichert und Pandemiegewinne der Konzernetagen verhindert werden. Dazu gehört z.B. ein gemeinwohlorientiertes Kartellrecht, die unverzügliche Einrichtung der geplanten Meldestelle für unlautere Handelspraktiken und ein Werbeverbot mit Dumpingpreisen", so die Politikerin.

Systemwechsel bis zur letzten Milchkanne

Melkstand

Melkstand; Laut Tackmann muss die Milchmenge nachfrageorientiert und solidarisch gesteuert werden (Bildquelle: Reimink )

Und am Samstag legte Tackmann nach: „Bei kaum einem Zweig der Landwirtschaft ist der Systemfehler so öffentlich erkennbar wie bei der Milch. Mit der ersatzlosen Abschaffung der Milchquote am 1. April 2015 wurde der Milchmarkt liberalisiert. Was als Befreiung gefeiert wurde, hat sich als das herausgestellt, was es ist: die endgültige Auslieferung der Milcherzeuger an die Macht von Molkerei- und Lebensmittelkonzernen", so die Linkenpolitikerin.

Die strategische Orientierung auf möglichst billig produzierte Milch für den Weltmarkt sei sozial, ökologisch aber auch ökonomisch eine Sackgasse, meint sie. Die Folge seien nicht kostendeckende Erzeugerpreise auf Kosten der Tiere und der Erzeugerbetriebe. Stattdessen müsse es strategisch darum gehen, dass Kühe unter guten Bedingungen möglichst lange leben und die Milchmenge nachfrageorientiert und solidarisch gesteuert werden kann.

"Mehr Ausgewogenheit der Leistung kommt sowohl den Kühen als auch den männlichen Kälbern zugute. Mehr Wertschöpfung aus der Milch und ihre regionale Verarbeitung und Vermarktung sind gut für uns alle“, erklärt Tackmann.

„Neben der Digitalisierung bis zur letzten Milchkanne sind faire Bedingungen bis dorthin auch politische Verantwortung. Die ungerechte Verteilung von Gewinnen und Risiken entlang der Lieferkette gehört zu den Systemfehlern in der Landwirtschaft, auch bei der Milch. Die strukturelle Ursache der Marktmacht einiger weniger Molkerei- und Lebensmittelkonzerne muss durch ein gemeinwohlorientiertes Kartellrecht korrigiert werden."

Tackmann fordert zudem ein kooperatives Wirtschaftssystem, in dem solidarische Regeln gelten und durchgesetzt werden. Die angekündigte Meldestelle für unlautere Handelspraktiken müsse dazu endlich kommen, reicht ihrer Ansicht nach aber nicht aus. "Regelungen für Mindestpreise für Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs können genauso zur Stabilisierung der systemrelevanten Teile der Landwirtschaft beitragen wie ein Werbeverbot mit Dumpingpreisen. Neben Hofläden und Milchtankstellen muss auch eine klare und wahre Kennzeichnung den Mehrwert der regionalen Produktion sicherstellen. Milchbetriebe müssen endlich auf Augenhöhe mit den anderen Teilen der Lieferkette verhandeln können – zum Wohl ihrer Tiere, für sich selbst und für uns alle!“, so die Sprecherin der Linken.


Diskussionen zum Artikel

von Hans Eberlein

Medienmacht

Verantwortung tragen nicht nur die Politik, unsere Konzerne und der Lebensmittelhandel, sondern auch unsere Medien. Die Werbeeinnahmen der Medien vom LEH sind sehr hoch, dadurch wird eine gerechte Darstellung oft behindert.

von Hermann Sudhop

Die Linke hat

höhere Ladenpreise für Fleisch durch Einführung einer Sondersteuer auf Fleisch für sozial ungerecht erklärt. Da man davon ausgehen darf, dass Die Linke auch bei anderen Lebensmitteln höhere Ladenpreise ablehnt, frage ich, wie bessere Erzeugerpreise ohne höhere Ladenpreise ... mehr anzeigen

von jörg Meyer

Lächerlich

Wie wäre es wenn man erstmal die Officialberatung dazu auffordern würde mit realistischen Lohnansätzen zu rechnen, top agrar könnte sich da gleich anschließen! Es grenzt doch an Bauernverdummung mit Lohnansätzen von unter 20 € in der Stunde zu rechnen! Aber wenn man sich einig ist ... mehr anzeigen

von Jürgen Greiner

Faire Preise für harte Arbeit

Vielen Dank Frau Tackmann für Ihre klaren offenen Worte. Wir leben leider nicht in einer Markt- sondern in einer Macht- und Verwaltungswirtschaft. Wenn Kälber mit einem Alter von 14 Tagen und BVD-Untersuchung nur 0 bis 50 € kosten, ist dies ein Indiz für das Marktversagen. Ohne ... mehr anzeigen

von Bernhard ter Veen

damit fordern Sie

eine "Systemumkehr" hin zum Kommunismus. !!! Wenn es das ist was unser "System" für ALLE berechenbarer und auskömmlicher macht, bin ich NICHT an der Fortführung des Betriebes interessiert. Denn dann hätten wir ja auch nichts mehr als jetzt. Ausser das Unser Hab und Gut "Unendgeldlich" ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Tackmann

Schön erzählt und man weiß gleich, welcher Partei die Dame zugehörig ist...Nicht weit weg von Planwirtschaft und dem Untergang eines ganzen Staates!Sie hat ja recht was die Übermacht des LEH betrifft, aber dazwischen gibt‘s immer noch Verarbeiter wie Milch-und Schlachthöfe die ... mehr anzeigen

von Ottmar Ilchmann

Tja, Herr Bothe,

da haben Sie recht, es gibt auch noch Molkereien und Schlachtkonzerne, und die sind leider Teil des Problems. Wo sind Ihre Lösungen?

von Franz-Josef Aussel

Sehr richtig

Eine der wenigen aus der Politik, die mal ausspricht was alle wissen!

von Ottmar Ilchmann

Frau Tackmann

hat recht! Sie zeigt Maßnahmen auf, wie die Politik von Sonntagsreden zu einer tatsächlichen Verbesserung der Situation und Marktstellung der Bäuerinnen und Bauern kommen könnte. Dazu wären aber politisches Handeln und das Setzen von "Leitplanken" für regellos liberalisierte Märkte ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Zu 8 BL, eine Botschaft...

Herr Ilchmann ,da habe ich mich dazu geäußert nur so als Hinweis zu Ihrer obigen Antwort

von Michael Prantl

Milch - und Rindfleisch

Wer sich erlaubt -,25 cent für den liter Milch und 2,50 Euro für das Kilo Rindfleisch zu bezahlen ist Gaunerei und Betrügerei in höchsten Tönen - Die Landwirte sollen alle das Handtuch schmeißen und wir Verbraucher können uns so und so bei den nimmersatten Konzernen bedanken

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