Analyse

Thünen-Institut gibt Entwarnung: Harter Brexit für Agrarsektor verkraftbar

Nach Vorlage neuer britischer Zollregelungen schätzt das Thünen-Institut die negativen Effekte geringer ein als bislang befürchtet

Viele Experten haben sich in den letzten drei Jahren mit den wirtschaftlichen Folgen eines Brexit befasst. Seit März 2019 ist klar: Ein No-Deal-Szenario, das aktuell sehr wahrscheinlich ist, wird sich auf die deutsche Agrarwirtschaft nicht so gravierend auswirken wie bislang angenommen. Zu dieser Einschätzung kommen die Wissenschaftler des Braunschweiger Thünen-Instituts nach neuesten Berechnungen.

Am 13. März 2019 hat die britische Regierung eine Liste von Importzöllen und -quoten veröffentlicht, die in Kraft treten, sollte das Vereinigte Königreich die EU ohne Abkommen verlassen (No-Deal-Szenario). Die Zölle und Quoten würden nach dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung (MFN) erhoben werden und demnach nicht nur für die EU, sondern für alle Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) gelten.

Der Liste zufolge sind 87 % der Importe ins Vereinigte Königreich frei von protektionistischen Maßnahmen. Handelsbeschränkungen würden im Wesentlichen für Autos, Aluminium, bestimmte Keramiken, Bioethanol und Agrarprodukte bestehen bleiben.

Die Briten sind ein wichtiger Agrarhandelspartner Deutschlands. 2017 exportierte Deutschland landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 4,8 Milliarden Euro in das Vereinigte Königreich, während die Importe 1,6 Milliarden Euro betrugen. Das machte für Deutschland einen Überschuss in Höhe von ca. 3,2 Milliarden Euro – so hoch wie mit keinem anderen Land. Aus diesem Grund hatten Wissenschaftler des Thünen-Instituts schon damals die Konsequenzen eines Brexit für den deutschen Agrarmarkt abgeschätzt. Sie kamen 2018 zu dem Schluss, dass sich der Überschuss gegenüber dem Vereinigten Königreich um circa 1,9 Milliarden Euro verringern würde.

„Im Lichte der jetzigen Entwicklung ergeben unsere Berechnungen, dass sich der Agrarüberschuss Deutschlands bei einem harten Brexit nur um circa eine Milliarde Euro verringert“, sagt Dr. Martin Banse, Leiter des Thünen-Instituts für Marktanalyse.

Der Grund: Vor dem 13. März 2019 musste davon ausgegangen werden, dass das Vereinigte Königreich bei einem No-Deal-Szenario die gleichen MFN-Zölle anwenden würde, wie sie die EU eingeführt hat (MFN-EU-Szenario). Mit den Zöllen, die die britische Regierung nun angekündigt hat, fallen die Schutzmaßnahmen jedoch deutlich moderater aus als bislang angenommen.

Für Getreide, Obst und Gemüse, Zucker, Getränke und Tabak würde das Vereinigte Königreich weiterhin wie bisher zollfreie Einfuhren zulassen. Für Reis, Fleisch und Wurstwaren fallen Zölle an, die aber geringer sind als im bislang zugrunde gelegten MFN-EU-Szenario.

Nach dem aktuellen Szenario ist zu erwarten, dass die deutsche Agrarproduktion bis 2027 als Folge des Brexit um insgesamt 190 Millionen Euro zurückgehen wird. Somit werden die Produktionseffekte nicht so schwerwiegend sein, wie zunächst mit ca. 1,2 Milliarden Euro in dem MFN-EU-Szenario abgeschätzt. Die deutsche Produktion wird in kaum einer Warengruppe mehr als 0,5 Prozent zurückgehen. Ausnahmen bilden die Schweine- und Geflügelzucht sowie Schweine- und Geflügelfleisch, wo mit einem Rückgang um rund 1,2 Prozent gerechnet wird. Bei Weizen, Zucker, Rindfleisch und Milch werden sogar leichte Produktionsanstiege von 0,1 – 0,8 Prozent erwartet.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Josef Doll

Es gibt keinen Brexit

Egal ob der Blonde an die Macht kommt oder nicht. Denn es wird im Falle eines Falles ob "er" es will oder nicht zu einer neuen Volksabstimmung kommen. Und was dann auf die Briten an "Informationen" zukommen werden .......

von Wilhelm Schulte

Wertlose Aussagen

Nach 2012 vorm Ausstieg aus der Quote hat man uns erklärt die Milch wird nie mehr unter 0.30€ fallen. Dann kam 15/16 und wo war der Milchpreis?? Jetzt können wir erahnen welchen Wert diese Analyse hat. Gar keinen.

von Gerd Uken

Da bekommen diese Leute

Auch noch Geld für um uns das auszurechnen....... Der eine hat einen Vorteil gesehen der andere hat das Nachsehen

von Renke Renken

Am Ende kommt es,

wie es kommen will. Was sollen diesen niemand etwas einbringenden Berechnungen von irgendwelchen Szenarien. Wieder ein Beispiel für unseren fortschreitenden Fachkräftemangel. Menschen, die früher arbeiten gingen, beschäftigen sich heute mit solchen sinnfreien Untersuchungen

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