Thünen-Institut wagt Prognose für das Jahr 2023

Das Thünen-Institut in Braunschweig traut sich zu, den den Erzeugermilchpreis des Jahres 2023 vorauszusagen. Er wird demnach bei 0,3361 € / l liegen, berichtet das Wochenblatt Westfalen-Lippe.

Das Thünen-Institut in Braunschweig behauptet, den Erzeugermilchpreis des Jahres 2023 zu kennen. Er soll bei 0,3361 € / l liegen. Und bei den Erzeugerpreisen für 2023 sagen die Wissenschaftler folgende Preise voraus (je 100 kg):

  • Gerste: 17,30 €,
  • Roggen: 14,75 €
  • Rapsöl: 99,62 €
  • Rindfleisch: 394,77 €
  • Schweinefleisch: 176, 91 €
  • Hähnchen: 276,37 €
  • Magermilchpulver: 287,57 €
  • Butter: 297,75 €.
Gisbert Strotdrees vom Wochenblatt Westfalen-Lippe hat sich angesehen, wie die Braunschweiger auf diese Zahlen kommen.

Nur Modellhochrechnung

Als erstes muss man laut Strotdrees klarstellen, dass es sich bei den Zahlen des Thünen-Instituts nicht um Vorhersagen handelt, sondern um komplexe Modellhochrechnungen, die jetzt in dem Bericht „Agrarökonomische Projektionen für Deutschland“ vorgestellt wurden.

Das Rechenergebnis „stellt keine Prognose der Zukunft dar“, betonen die Wissenschaftler, „sondern beschreibt die erwarteten Entwicklungen unter bestimmten Annahmen zur Entwicklung exogener (äußerer) Faktoren und Politiken“. Die Zahlen sind also nicht so exakt gemeint, wie sie wirken, sondern eher als eine Art Peilmarke zu betrachten. Und doch: Der Bericht zeichnet interessante Perspektiven zur Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland auf:

  • Die Wissenschaftler rechnen für tierische Erzeugnisse mit einem Preisanstieg um 10 bis 30 %. Vor allem für Milcherzeugnisse erwarten sie „gute Absatzaussichten am Binnen- und am Weltmarkt“.
  • Die Förderung der Bioenergie wird weiterhin großen Einfluss auf die  Landnutzung haben. In den kommenden zehn Jahren erwarten die Wissenschaftler, dass auf etwa 1,2 Mio ha Energiemais angebaut wird.
  • Nach dem Auslaufen der Milchquote wird die Milchproduktion bis 2023 auf rund 34,5 Mio. t ausgedehnt. Das sind 18 % mehr als in den Jahren 2009/11. Die Milcherzeugung wird vor allem in den Küstenregionen, am Niederrhein, in Mittelgebirgslagen sowie im Voralpenland zunehmen. Zurückziehen wird sie sich von Ackerbaustandorten wie der Köln-Aachener Bucht oder der Hildesheimer Börde, aber auch aus Grünlandstandorten des Schwarzwaldes und Hessens.
  • Erwartet wird eine Steigerung der Pachtpreise für Grünland, die vor allem die Futterbaubetriebe betrifft. Nach den Modellrechnungen sollen die Pachtpreise in den Veredlungsregionen „besonders stark“ steigen.
  • Die Wissenschaftler erwarten, dass sich in veredlungsstarken Regionen „die dort bestehende Stickstoffproblematik nicht entschärfen wird“. Überdies sehen sie einen starken betriebswirtschaftlichen Anreiz zur Umwandlung von Grünland in Ackerland.
  • Das Betriebseinkommen pro Arbeitskraft wird bis 2023 „über dem mittleren Niveau der letzten zehn Jahre“ liegen. Die Einkommen unterscheiden sich weiterhin je nach Betriebsgröße und -ausrichtung: „Ackerbaubetriebe können die steigenden Betriebsmittelpreise und deutlich sinkende Preisen für Zuckerrüben durch Ertrags- und Flächenwachstum und weitere Ausdehnung des Energiemaisanbaus weitgehend kompensieren.“ Sie können ihr Einkommen auf vergleichsweise hohem Niveau stabilisieren. Das Einkommen der Milchviehbetriebe wachse um 24 %. Veredlungsbetriebe werden von steigenden Schweine- und Geflügelfleischpreisen sowie von der Umgestaltung der Direktzahlungen profitieren. Das Einkommen steige um 11 % in den Gemischt- und 44 % in den Veredlungsbetrieben.
  • Die Probleme, die sich aus der intensiven Tierproduktion ergeben können, lösen sich „nicht von selbst“, sondern können angesichts der absehbaren Rentabilität der Veredlungsproduktion „weiter an Bedeutung gewinnen“. Insgesamt ergibt sich aus der Projektion „das Bild einer wettbewerbsstarken Landwirtschaft in Deutschland, die sich gut an die Veränderungen der jüngsten Agrarreform anpasst und die Möglichkeiten zur Produktionsausdehnung, insbesondere im Milchbereich, wahrnimmt“.
Nach Einschätzung von Strotdrees klingen manche der Thünen-Vorhersagen plausibel, andere erstaunlich präzise – oder wagemutig, je nach Sichtweise. Ohnehin wisse jeder, dass sie durch Kriege, Witterungskrisen, Wirtschaftseinbrüche und andere unvorhergesehene Ereignisse jederzeit umgeworfen werden können. Aber es schade sicher nicht, die Vorausberechnungen zu kennen und ins Kalkül zu ziehen, so der Journalist.


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