Ehrgeizig aber realistisch

Thüringen verabschiedet Tierwohlstrategie

Vor allem bei der Schweinehaltung kam es aufgrund unsicherer rechtlicher Rahmenbedingungen zu einem enormen Investitionsstau. Die beschlossene Thüringer Tierwohlstrategie gibt nun Leitplanken vor.

Das Thüringer Landeskabinett hat am Dienstag die Thüringer Tierwohlstrategie beschlossen, in der Vorgaben für die zukünftige Haltung von Schweinen, Rindern und Geflügel enthalten sind, die mehr Tierwohl gewährleisten sollen.

Der Thüringer Bauernverband e.V. (TBV) begrüßt grundsätzlich die erarbeitete Tierwohlstrategie. „Wir Landwirte haben ein ureigenes Interesse daran, dass es unseren Tieren gutgeht und sie sich wohl fühlen. Aus Sicht der Landwirtschaft leistet die Tierwohlstrategie hierzu einen Beitrag, weshalb wir sie im Grundsatz unterstützen“, so TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner. Insgesamt seien die darin enthalten Ziele und Empfehlungen sehr ehrgeizig formuliert, zugleich aber auch realistisch genug, um sie auch umsetzen zu können, so Wagner weiter.

Vor allem die in der Tierwohlstrategie geplanten Maßnahmen hinsichtlich der Beratung der Betriebe sowie der Weiterbildung der Mitarbeiter sieht der TBV positiv. Zudem werden, so Wagner, viele der Maßnahmen zum Wohl der Tiere in Thüringen bereits heute umgesetzt. So seien bspw. die in der Tierwohlstrategie geforderte Gruppenhaltung von Milchkühen oder der Einsatz von Beschäftigungsmaterial bei Schweinen schon heute gelebte Praxis in den Thüringer Betrieben.

„Wir sind hier in Thüringen bereits auf einem guten Weg und als Landwirte auch durchaus bereit, noch mehr für das Wohl unserer Tiere zu tun. Fest steht aber auch, dass Investitionen in Tierwohl Geld kosten. Mit den Erlösen an den Supermarktregalen allein können wir das momentan schlicht nicht finanzieren“, so Wagner.

Vor allem im Bereich der Schweinehaltung kam es in den letzten Jahren, auch aufgrund unsicherer rechtlicher Rahmenbedingungen, zu einem enormen Investitionsstau. Würden die Empfehlungen der Tierwohlstrategie in Thüringen flächendeckend umgesetzt werden, entstehen allein für den Investitionsbedarf Kosten von über 173 Millionen Euro. Das Beispiel zeigt, dass geeignete Förderprogramme mit ausreichender finanzieller Untersetzung notwendig sind, wenn alle ehrgeizigen Ziele in der Praxis umgesetzt werden sollen.

Hintergrund

Die Thüringer Tierwohlstrategie wurde erstmals im Juni 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt. Erarbeitet wurde sie durch verschiedene Arbeitsgruppen, bei denen auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Landwirtschaft beteiligt waren.

Derzeit werden in Thüringen rund 314.000 Rinder, 738.000 Schweine, 120.000 Schafe und 3,3 Millionen Stück Wirtschaftsgeflügel gehalten. Insbesondere die Anzahl der Rinder und Schweinebestände geht seit Jahren zurück. Im Verhältnis zur gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche ist der Tierbestand in Thüringen mit 44 Großvieheinheiten/100 Hektar sehr gering (Deutschland: 78 Großvieheinheiten/100 Hektar).

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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