Tierwohllabel: Hilft Freiwilligkeit weiter? Premium

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) will ein freiwilliges staatliches Tierwohlkennzeichen einführen. Es soll drei Stufen umfassen, die alle höher als der gesetzliche Standard sind. Bis Mitte 2019 soll das Gesetz beschlossen sein. Die ersten Produkte sollen ab Frühjahr 2020 im Handel liegen.

PRO

Dr. Achim Spiller ist Professor für Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Universität Göttingen.

Die Entscheidung, ob ein staatliches Tierschutzlabel freiwillig oder verpflichtend sein soll, ist schwierig, die Forschungslage ist widersprüchlich. Für ein verpflichtendes Label sprechen gewichtige Vorteile: Die Markttransparenz steigt und es wird von den meisten Verbrauchern bevorzugt. Weil es auf allen Produkten und damit im Handel sichtbar ist, erringt es schneller einen hohen Bekanntheitsgrad.

Der Einzelhandel tendiert dazu, die unterste Stufe gar nicht zu listen. Deshalb wirkt die Eingangsstufe bei einer verpflichtenden Kennzeichnung wie ein Negativlabel, woraus stärkere Effekte am Markt resultieren können. Trotzdem haben wir uns in unserem Gutachten für ein freiwilliges staatliches Label ausgesprochen.

Aus unserer Sicht entspricht eine verpflichtende Kennzeichnung, die nur auf der Haltungsform beruht, Beispiel Eier, nicht mehr dem Stand der Forschung. Die Eierkennzeichnung ist kein umfassendes Tierschutzlabel, sondern beachtet nur das Haltungssystem. Die Haltung allein reicht aber als Tierschutz-indikator nicht aus. Die Aspekte Tiergesundheit, Tierverhalten und Genetik fehlen. Aus diesem Grund gibt es inzwischen ein Label des Deutschen Tierschutzbundes für Eier aus Boden- und Freilandhaltung, das weitere Punkte kontrolliert.

Eine Zertifizierung, die wirklich den Tierschutz vor Ort prüft, ist bei einer verpflichtenden staatlichen Kennzeichnung aus handelsrechtlichen Gründen nicht möglich. Im EU-Binnenmarkt muss Fleisch aus anderen Mitgliedstaaten wie den Niederlanden, Dänemark oder Polen importiert werden können. Die deutsche Politik darf ihnen kein Zertifizierungssystem vorschreiben, das darf nur der Handel seinen Lieferanten.

Die Haltungssysteme von Schweinen, Rindern und Mastgeflügel sind vielschichtiger als die von Legehennen. Stroh ist allein kein ausreichender...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Artikel geschrieben von

Redaktion Betriebsleitung, Geld, Steuern, Recht

Schreiben Sie Redaktion Betriebsleitung, Geld, Steuern, Recht eine Nachricht

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

Schreiben Sie Stefanie Awater-Esper eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Heinrich Albo

Mehr Leistungen...

kosten zusätzliches Geld.!! Der LEH wird niemals dauerhaft mehr für höhere Standards bezahlen wenn diese nicht auch , sobald kein Geld mehr fließt,auf den Gesetzlichen Standart (der jetzt schon Weltweit der höchste ist) zurück gefahren werden kann. Erst wenn jeder Landwirt sieht das sich mehr Tierwohl langfristig wirklich rechnet , wenn die absolute Geldmenge die der Verbraucher für Fleisch signifikant steigt,können Sie es sich leisten darin zu investieren. Alternative: EEG für Fleisch mit garantierten Preisaufschlägen für 20 Jahre. ALLES andere verlagert die Produktion ins Ausland.

von Rudolf Rößle

LEH

will sein eigenes Label. So kann er es sich zurechtbiegen wie er will.

von Willy Toft

Nur bei der Zertifizierung wird wirklich verdient!

Der Verbraucher wird mit ständig neuen Labels zu seinem Wohl überfrachtet. Der Erzeuger hat die Kosten, die Arbeit, und bleibt, auf der ungerechten Entlohnung dafür, sitzen! Erst wenn es eine ordentliche Bezahlung unserer Produkte gibt, wird es wirklich in Erfolg für den Berufsstand umschlagen! Oder wie sollen wir die dafür möglichen Investitionen und Aufwendungen stemmen?

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen