Tierwohlsiegel: Zum Erfolg verdammt Premium

Die staatliche Tierwohlkennzeichnung steht unter enormem Erfolgsdruck. Julia Klöckners politische Reputation als Landwirtschaftsministerin hängt davon ab. Floppt das Label, ist die mediale Ausschlachtung dessen gewiss, kommentiert top agrar Berlin Korrespondentin Stefanie Awater-Esper.

Das staatliche Tierwohllabel ist das bislang konkreteste Vorhaben aus dem Landwirtschaftskapitel im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD. Klöckner hatte bereits in den Koalitionsverhandlungen das Label zu ihrem Projekt gemacht. Die politische Misere um die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration und deren Alternativen, die Klöckner bei jeder Gelegenheit unter die Nase gerieben wird, bringt sie zusätzlich unter Zugzwang.

Erstes Labelfleisch vor der nächsten Bundestagswahl

Der Druck ist auch daher so groß, weil ihr Vorgänger Christian Schmidt das Label so lange zerredet hat. Die Wirtschaft hat in der Zwischenzeit mit der Initiative Tierwohl und der einheitlichen Haltungskennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels Fakten geschaffen. Sie lassen den Staat und die Verantwortlichen in der Agrarpolitik alt aussehen. Ganze vier Jahre nachdem der wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik im Jahr 2015 ein einheitliches staatliches Tierwohllabel empfohlen hat, gibt es erst jetzt Kriterien und die auch nur für Mastschweine. Die ersten gelabelten Fleisch- und Wurstprodukte sollen 2020 im Handel liegen. Da bleibt immerhin zeitlich noch etwas Luft bis zur nächsten Bundestagwahl im Jahr 2021.

Auch die europäischen Nachbarn schauen genau darauf, wie Deutschland das Tierwohlkennzeichen gestaltet und einführt. Deutschland ist auf Grund seiner Größe der Bevölkerung ein wichtiger Verbrauchermarkt für alle Europäischen Lebensmittelproduzenten und ein Signalgeber zugleich. Der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat auf der Grünen Woche 2019 bereits angekündigt, das deutsche Label zum Ausgangspunkt für eine europäische Lösung zu nehmen.

Die ...

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Die Kriterien für die staatliche Tierwohlkennzeichnung stehen. Sie verlangen mindestens 20 % mehr Platz, keine betäubungslose Kastration und den Ausstieg aus dem Schwanzkupieren. Auch für den ...

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am Mittwoch die Kriterien des kommenden staatlichen Tioerwohllabels vorgestellt. Hier sind die Reaktionen aus der Agrarwelt dazu.

Bauernverband SH ruft Mitglieder zu Anpassung auf

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Heinrich Beckmann

Wer hat den Nutzen von der Diskussion ?

Wer als Landwirt schon mehrmals versucht hat, an einem Label- oder Markenfleischprogramm teilzunehmen, weiss, dass es fast unmöglich ist. Man wird entweder schon beim Schlachtunternehmen oder spätestens beim LEH abgewiesen oder auf eine "Warteliste" gesetzt. Der Grund ist eigentlich jedem bekannt, aber die Vertreter der grünen Seite wollen ihn einfach nicht wahrhaben: Ein fehlender Markt für noch höherwärtige Produkte. Hohe Erwartungen und einen guten Willen beim Verbraucher haben wir schon provoziert, die gute Tat wird noch lange auf sich warten lassen. Die ganz wenigen teilnehmenden (Vorzeige-)betriebe werden von der roten Seite benutzt, um zeigen zu können: Wir bieten es an ! Bleibt nur zu hoffen, dass nicht alle anderen Betriebe bestenfalls kostenneutral nachziehen müssen.

von Hartmut Otten

Klöckner´s Tierwohllabel, ich bin skeptisch.

Als unternehmerisch denkender Mensch, versuche ich mich vorbehaltlos mit dem staatlichen Tierwohllabel auseinanderzusetzen. Es geht bei dem Thema für unsere Betriebsstätte um erhebliche Investitionen und/oder Kapazitätseinschränkung. Angefangen mit Markenfleischprogramme, Nürtinger Schweinestall, Outdoorhaltung etc., es hat viele wenig erfolgreiche Varianten einer exklusiven Tierhaltung und Vermarktung gegeben. Dabei hat sich über drei Jahrzehnte am Erfolg einer Low Cost Erzeugung nichts geändert. Erfolgreich im Markt, hat sich das QS-System etabliert. Hier wird tatsächlich mit Augenmaß und Sachverstand gearbeitet. Und in den QS Mitgliedsbetrieben sind seit 2001 in einem kontinuierlichen Vorgehen, sehr viele Dinge positiv gestaltet worden. Frau Klöckner geht es beim Label mehr um ihren eigenen politischen Erfolg, als um das Wohl der Tiere und/oder der Bauern. Nicht ganz unelegant ist beim Tierwohllabel aus politischer Sicht, dass eine erhebliche Reduzierung der Tierzahlen und der Dungmenge mit einer Umsetzung des Labels einhergeht. Warten wir mal ab.

von Wilhelm Grimm

@ Christian Bothe

Die Kommentare von Frau Awater- Esper sind meist etwas einseitig gepolt.

von Josef Doll

Das langfristige Aus

für die Tierhaltung in DE. Da Staatliche Vorgaben immer eingehalten werden müssen. Leider aber nur Wir in DE ! Der Dieselskandal gibt es auch nur in DE. Die ÖKOverbände würden es hinnehmen ohne mit der Wimper zu zucken die Automobilindustrie in den Ruin schicken. Welche Aussichten bleiben uns da ...... Nun wenn alles ÖKO ist sind auch Sie kein Alleinstellungsmekmal mehr . Im Rindfleischmarkt ist ein Ökozuschlag fast schon selten. .Schöne Aussichten nach dem die SPD ihre linke Ader entdeckt hat !! Die Landwirtschaft ist heute kein Quotenbringer mehr.

von Paul Siewecke

mangelhafte Glaubwürdigkeit!

noch ein Label, auf dass an der Ladentheke keiner mehr durchsieht! Und dadurch, dass die Öko-Schiene komplett außen vor gelassen wird (das wird die entsprechende Käuferschicht schnell merken!) raubt man sich von Anfang an den Großteil der Glaubwürdigkeit! Und was das Thema "Freiwilligkeit" angeht: wir sehen doch am QS-System, welches anfangs auch "freiwillig" war und nun zum Quasi-Monopolisten mutiert ist, was aus diesen "Labeln" werden kann.... Unseren Nutztieren ist damit jedenfalls nicht geholfen!

von Wolfgang Daiber

Erfolgsgeschichte!?..von was träumen Die

Ich war in den letzen Tagen auf verschiedenen Veranstaltungen und Tagungen wo es um Tierwohl,Düngerecht,und Immisionsrecht, Ta-Luft ging.Ergebnis und Vorhersage,80 % der jetzigen schweinehaltenden Betrieb ,werden einen Teufel tun,all diese Vorschriften in die Tat umzusetzen.Die jungen Betriebsleiter werden das "Weite" suchen ,und sich einen Job in der Industrie suchen und auch finden. Jedes einzelne dieser Gängelungsprogramme ist geeignet,den Betriebsleitern das weiterentwickeln ihrer Betrieb zu unterbinden. In der Kumulierung der zukünftigen Vorgaben,ist es Ausstiegprogramm mit dem Vorschlagshammer der die wenigsten Betriebsleiter folgen werden.Und die einzelnen die sich diese Leibeigenschaft der Kontrolleure antut, werden auf dem Weltmarkt zerrieben.Ich wünsche dem Verbraucher ,daß er dieses Fleisch bekommt ,was er verdient hat.Nämlich das Hormonfleisch aus USA,oder das MKS-Fleisch aus Südamerika oder das ASP-Fleisch aus vielleicht aus China .Erst dann wird unsere "Elite" kapieren welche hochwertige Lebensmittelproduktion sie aus reinem "Sattsein " sie an die Wand gefahren hat

von Christian Bothe

Label

Frau Awater-Esper, jetzt übertreiben Sie aber ein bischen . Das klingt ja so als wenn das Wohl und Wehe von Klöckner und der Koalition vom staatlichen Tierwohllabel abhängt. Wie schon mehrfach von mir betont, kommt das Ganze viel zu spät und da hat Klöckner enttäuscht. Der Handel hat ihr die Arbeit abgenommen und die Privatwirtschaft mit dem ITW sowieso. Das Ergebnis ist, das man eigentlich kein staatliches Label mehr braucht, da genug Haltungsregularien und bezahlbare Anreize durch den LEH und ITW vorhanden sind. Soweit zum Label an sich und dessen Sinnhaftigkeit. Kastration und Schwanzkupiererei betreffend, habe ich mich wiederholt geäußert und meine Erfahrungen dargelegt. Nun bin ich noch mehr gespannt wie der LEH und der Verbraucher das alles honorieren wird...

von Gerd Uken

Es geht wie immer nur ums Geld

Klar wird der Landwirt in treuem gehorsam in Vorkasse gehen , schließlich hat er ja auch den Nutzen davon! Der Sparkasse schiebt der NORD LB ja auch über eine Milliarde hinterher als Darlehn das sich selber finanziert- so ein Modell wäre gar nicht verkehrt. Frau Klöckner wird s schwer haben ihr Label zu etablieren. Da sind andere schon weiter die gehen damit schon in den Markt-Planet Proof z. B.

von Heinrich Albo

@Herr ter Veen Super deutlich gesagt !

Warum muss eine "konservative " Ministerin sich von den Medien und dem Mob unter den grün/ roten treiben lassen? Die haben sie nicht gewählt Frau Klöckner! Es wird immer so getan als ob es unseren Tieren nicht gut geht ...Es ging Ihnen noch nie so gut wie heute.....Daran wird ständig gearbeitet ...Sie bringen Spitzenleistungen und alles wurde noch nie so kontrolliert wie heute...QS / am Schlachthof etc.. Wenn es der Verbraucher an der Ladentheke nicht bezahlt dann ist er mit der aktuellen hohen Qualität zu frieden .und will nichts anderes ! Wer mehr will der kann auch heute schon mehr für Fleisch bezahlen auch wenn es deshalb nicht gesünder ist. Es kann doch wohl nicht sein das der Bauer und der Steuerzahler für den Umbau der Ställe und die höheren laufenden Kosten aufkommen soll ... wenn der Verbraucher sein Fleisch dann aus dem Ausland ( Russland hat jetzt schon 100 % Selbstversorgung beim Schweinefleisch ) bezieht. Wenn man den Umbau trotzdem gegen die gute fachliche Praxis durchsetzen will dann geht das nur mit einer Art EEG für Ställe über min.20 Jahre. Das EEG für Energie spart Ressourcen und schont das Klima ....Das EEG für Fleisch insbesondere für Bio bedeutet genau das Gegenteil!

von Sönke Plöhn

Mehr Fragen als Antworten !

Die Kriterien beinhalten doch auch die Dauer der Säugezeit und das Kupieren des Schwanzes, also ist der Sauenhalter zwangsläufig in den sTW mit eingebunden, oder? Wer soll da noch mit machen : diejenigen, die wollen(oder können!) sind schon bei der ITW dabei. Wieviele Betriebe würden für das sTW überhaupt noch zur Verfügung stehen? Wenn Transport und Schlachtung auch noch dazu kommt, wird es m.M. schier unmöglich alle Teilnehmer von der Geburt bis zur Schlachtung mit allen teilnehmenden Betrieben auf eine Schiene zu bekommen. Minimale Vorraussetzung wäre hier der Kombibetrieb, der alles selbst mästet. Ist somit der Sauenhalter, der mehrere Ferkelabnehmer hat ausgeschlossen? Solange nicht geklärt ist, wie hoch die Vergütung der Mehrkosten ausfallen, wer sie trägt und wie lange diese auch für unsere Investitionsplanungen gesichert sind hab ich große bedenken, das sich überhaupt Betriebe finden werden, die auf diesen Zug aufspringen. Vorstellbar wäre ab 2021 eine "Verschmelzung" vom ITW und sTW wenn es dann überhaupt (noch) vom Handel gewollt ist. Dann ist ja das Kriterium der Kastration eh vom Tisch.

von Gregor Grosse-Kock

Label

Schweiz - Coop steigt in Teilen aus und wir steigen ein. Der Staat ist bei jeder Genehmigung, Verarbeitung, Lagerung, Verbringung, Verkauf von Lebensmitteln dabei. Hat Er nicht alles für gut befunden und keine Tierhaltung geschlossen oder einen Schlachthof, Die sollten mal einen hoch roten Kopf bekommen.

von John Nissen

berechtigte Einwände

Alle Argumente in diesem Artikel sind gut zusammengefasst. Aber die einzig konsequente Lösung ist es die gesetzlichen Mindeststandards auf Stufe 2 oder 3 anzuheben. Und kein Fleisch mehr in den deutschen Verkauf lassen, dass schlechter produziert wurde! Es würde allen helfen. Höhere Stückpreise, weniger Gülle, etc. Es würde den Kritikern viel Wind aus den Segeln nehmen. Fleisch darf keine Ramschware bleiben, sondern muss im Wert steigen! dafür müssen wir alle etwas tun!

von Bernhard ter Veen

diese "Labelei"

wird den "Betriebsschwund" in D nur noch anheizen. Finanziell gebeutelte Betriebe sind nicht in der Lage die Kosten dafür zu schultern, der Steuerzahler lässt sich für solche Wahnwitzigen Spekulativinvestitionen sicher nicht begeistern, die Verbraucher werden wie Eh&Jeh wieder nur zu den "Billig"Produkten greifen und die Ausländische Agrarwirtschaft wird freudestrahlend auf den angelaufenen Zug aufspringen und auf unsere Kosten Mitfahren. Frau Klöckner...tun Sie uns allen den Gefallen, lassen Sie Ihr Profilierungsgehabe bitte fallen, Stampfen Sie den angefangenen Unsinn ein bevor noch mehr Schaden an den "noch verbleibenden betrieben" verursacht wird und sorgen Sie per "Dekret"(wie Trump es machen würde) das Alle Labelei aus unlauteren Wettbewerbstechnischen Gründen verboten werden. ...

von Werner Kriegl

Russischer Supermarkt

Man sieht ja z.Z. immer wieder die Bilder aus dem russischen Discounter der vor kurzem in Deutschland die ersten Tore geöffnet hat. Da treten sich die Leute vor lauter billig Ware gegenseitig auf die Füße - das ist die REALITÄT

von Willy Toft

Ein Label, wo der Erzeuger auf den Kosten sitzen bleibt, wo der Verbraucher nur die....

Sonderangebote im Blick hat, ist eigentlich zum Scheitern verurteilt. Im Genehmigungsverfahren, stehen wir uns selbst im Wege hier in Deutschland, und den Tierschutzverbänden geht es immer noch nicht weit genug. Aus dieser Gemengelage, wird es dieses Tierschutzlabel schwer haben, sich überhaupt im Markt zu behaupten!

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