Lebensmittelpreise

top agrar-Chefredakteur beim ARD-Presseclub

„Bauernwut und Billigwahn – Welche Landwirtschaft brauchen wir?“ Darüber diskutierte Jörg Schönenborn am Sonntag im ARD-Presseclub. Auch top agrar-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann war dabei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lädt heute erstmals die Konzernchefs der Handelsketten zu einem Krisentreffen ins Kanzleramt. Hat der Handel die strukturellen Probleme der Landwirtschaft verursacht? Braucht es eine neue Agrarreform für eine Landwirtschaft mit Zukunft? Darüber diskutierte auch Jörg Schönenborn am Sonntag im ARD-Presseclub mit Tanja Busse (freie Journalistin), Julia Löhr (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Valentin Thurn (Dokumentarfilmer und Autor) sowie top agrar-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann.

Eine öffentliche Diskussion über den Lebensmitteleinzelhandel sei wichtig. „Wir müssen über Marktmacht sprechen und ob der Handel der Verantwortung, die er zweifellos hat, gerecht wird", sagte Schulze Steinmann. Der Handel sei gut darin, sich als nachhaltig zu präsentieren.

Der Handel wird in Deutschland zum Quasi-Gesetzgeber. - Matthias Schulze Steinmann

„Die Landwirte bekommen jedes Jahr 6 Milliarden Euro Subventionen aus Brüssel“, stellte Löhr von der FAZ im Presseclub fest und plädierte für eine Umstrukturierung des bestehenden Systems anstelle höherer Fördergelder. Die letzte Woche beschlossene Bauernmilliarde ist für sie, aber auch für viele Bauern keine Lösung. Ähnlich sieht es Schulze Steinmann. Für ihn ist die Bauernmilliarde entlarvend und ein Stückwerk. Nachhaltige Produktion müsse belohnt werden, so der studierte Landwirt zur Debatte über die EU-Agrarreform. Für Busse sind die EU-Agrarreformen "originär politische Aufgaben, die einen Rahmen schaffen müssen, dass Landwirtschaft so funktioniert, dass sie zukunftsfähig ist.“

Wer trägt die Verantwortung für Lebensmittelpreise?

Liegt die Verantwortung in der Diskussion um Dumpingpreise bei Lebensmitteln bei den Verbrauchern? Nein, findet die freie Journalistin Busse. „Die Politik muss den Rahmen für zukunftssichernde Landwirtschaft setzen. Mindestpreise für Lebensmittel passen nicht in liberale marktwirtschaftliche Vorstellungen. Aber in einer sozialen Marktwirtschaft sollte es Regelungen geben, die verhindern, dass ein Überangebot produziert wird", gab Busse zu bedenken. Thurn prognostiziert, dass die Lebensmittelpreise in Zukunft steigen würden, weil sie heute so billig sind. „Wir zwingen Bauern dazu, ihren Boden auszubeuten und betreiben Landwirtschaft in einer nicht enkeltauglichen Art und Weise”, so der Autor. „Wenn wir echte Preise hätten, würde die Marktwirtschaft funktionieren", betonte Thurn mit Blick auf die aktuellen Lebensmittelpreise: Dann wäre konventionell produziertes Fleisch aber genauso teuer wie Biofleisch.

Nach der FAZ-Journalistin Löhr habe Deutschland einen gewissen Wohlstand erreicht. Die Menschen schauen im Supermarkt aber trotzdem auf die günstigsten Angebote, meint Löhr. „Die Grünen kommen auf 20-25 Prozent, aber selbst deren Wähler kaufen nicht alle Bio, so die Journalisten weiter.

Bei der Twitter-Abfrage zeigt sich bei den Usern ein uneiniges Bild. 42 % sieht die Politik in der Pflicht, 30 % die Verbraucher.

Umfrage

Umfrage auf Twitter (Bildquelle: Presseclub)

Doch was können Verbraucher tun? Schulze Steinmann plädierte für mehr Verständnis und Transparenz. „Gehen Sie zu ihrem Landwirt und fragen Sie ihn. Sie werden auf eine Menge Offenheit treffen, sagte der top agrar-Chefredakteur. „Sie können jede topagrar aufschlagen und finden Beispiele von Landwirten die Mut machen, was bei Tierwohl Biodiversität geht."

Lebhafte Diskussion im Netz

Die Live-Übertragung der Sendung auf Facebook und Twitter sorgte auf den Kanälen für viel Diskussion.

Hier geht es zur Sendung

Die Redaktion empfiehlt

Das Wichtigste aus Agrarwirtschaft und -politik montags und donnerstags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.