Tote Küken: Wieder tendenziöser WDR-Bericht mit Tierrechtlervideo

Das WDR-Magazin "Markt" zeigte am 29. November Videomaterial aus deutschen Geflügelställen, die Tierschutzverstöße zeigen sollen. Dazu trafen sich die Autoren mit Aktivisten des Vereins Tierretter, der zwecks Filmdokumentation regelmäßig in Ställe einsteigt. Aus einem Betrieb im Sauerland sollen die Szenen stammen.

Das WDR-Verbrauchermagazin "Markt" zeigte am 29. November Videomaterial aus deutschen Geflügelställen, die Tierschutzverstöße zeigen sollen. Dazu trafen sich die Autoren mit Aktivisten des Vereins Tierretter, der zwecks Filmdokumentation regelmäßig in Ställe einsteigt.

Aus einem Betrieb im Sauerland sollen die Szenen stammen, die der WDR in seiner Sendung zeigte: Zwischen den 40.000 Küken würden tote Tiere liegen, manche Kadaver seien schon älter. Viele Küken litten an Beinverkrümmungen oder ihre Beine könnten das hohe Körpergewicht nicht tragen, so der Vorwurf der Tierretter. Der Halter indes würde die Tränken stets dem Wachstum der Mehrheit der Küken anpassen, schwache Tiere mit Beinproblemen kämen so nicht mehr an das Wasser und müssten verenden. Wie ein Aktivist im WDR sagte, sei das ein „x-beliebiger Betrieb, das ist immer so“.

Als Experte, der die Aufnahmen bewertet, trat Dr. Christoph Maisack vom Verein „Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V.“ aus Berlin auf. Er wies darauf hin, dass der Landwirt jedes Huhn zweimal täglich in Augenschein nehmen müsse. Dass dort ältere Kadaver lägen beweise, dass dies nicht der Fall sei. Maisack sieht hier einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Auch Dr. Thomas Janning, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG), sollte in der Sendung etwas zur deutschen Geflügelhaltung sagen. Da er aber ohne Absprache mit den Tierrechtler-Videos konfrontiert wurde, bat er um Zeit für eine Prüfung der Vorwürfe und Echtheit der Bilder, was der WDR als Gesprächsverweigerung wertete. Janning stellte jedoch klar: Ich verantworte auch Menschen und will nicht vorschnell zu einem Urteil kommen.“

Janning wollte jedoch gar nicht beschönigen, dass es immer mal wieder tote Tiere geben könnte, die Sterberate hätten die Betriebe allerdings heute schon auf 3 % gesenkt. Und bei der hohen Tierzahl könne durchaus mal ein Küken übersehen werden, so der Geschäftsführer.

--- Zum WDR-Bericht ---

Janning hatte WDR Betriebsbesuch angeboten

Dr. Thomas Janning (Bildquelle: WDR)

In einer Pressemitteilung kritisierte der Geflügelverband die „altbekannte Mechanik“, wie sie Fernsehzuschauern in den vergangenen Jahren dutzendfach aufgetischt wurde. NGOs würden derartige Bilder gerne für eine pauschale Systemkritik nutzen. "Aktivisten dringen heimlich in einen Stall ein, bringen durch diese nächtliche Ruhestörung Unruhe in die Herde, filmen einzelne verletzte oder tote Tiere, bieten die Bilder einem Fernsehsender an und hoffen, durch eine dramaturgisch durchaus geschickt aufgezogene Geschichte ihr Ziel zu erreichen - und das ist nichts weniger als die Abschaffung der Nutztierhaltung in Deutschland", so Dr. Janning.

Das Auffinden einzelner toter Tiere sei bei einer Sterblichkeit unter 3 % mitnichten ein Beleg für eine nicht ordnungsgemäße Tierhaltung. Damit sich die WDR-Redakteurin in ihrem Urteil nicht auf Fremdaufnahmen von interessengesteuerten Aktivisten verlassen muss, habe der ZDG-Geschäftsführer ihr angeboten, den konkreten, dem ZDG nicht namentlich bekannten Betrieb ohne jede vorherige Ankündigung zu besuchen und sich selbst ein Bild von den Zuständen vor Ort zu machen. Das habe die Redakteurin nicht getan.
 
Janning zeigt sich in hohem Maße enttäuscht darüber, dass der WDR dieses Angebot von Transparenz und Offenheit ausgeschlagen hat und sich bewusst nur auf einseitige Aufnahmen fragwürdiger Herkunft stützt: "Offenbar geht es doch nur um schnelle Effekte und Emotionen. Da muss auch die kritische Frage erlaubt sein, ob sich der WDR nicht zum Werkzeug von Aktivisten macht."

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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