Schäfer in der Krise

Trotz Wolfsrissen: Albrecht will Weidehaltung von Schafen

Mit einer Weidetierprämie in unbekannter Höhe ab der nächsten EU-Förderperiode will Schleswig-Holsteins Agrarminister Albrecht die Schafhaltung in freier Natur erhalten. Die Schäfer sind sauer.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht hat sich am Montag auf dem Hof Hinz in Hillgroven mit jungen Schäfern getroffen, um über aktuelle Herausforderungen und die Zukunft der Schafshaltung zu diskutieren. Neben dem niedrigen Fleischpreis ging es um Fragen der täglichen praktischen Arbeit sowie um Maßnahmen in der Schafhaltung zum Schutz vor dem Wolf.

Die Schäfer kritisierten das Wolfsmanagement des Landes. Um Entschädigungen zu bekommen, sollen sie ihre Herden weiträumig einzäunen. Die Wölfe würden aber trotzdem über die Zäune springen und Schafe reißen. So war es offenbar am vergangenen Sonnabend in der Nähe von Burg in Dithmarschen, berichtet der NDR. Dort gab es drei tote Lämmer, zwei verletzte und vier Schafe auf der Flucht.

Im Stall, so ein Schäfer gegenüber dem Minister - seien die Tiere am besten geschützt. Jan Philipp Albrecht will aber an der Weidehaltung festhalten. Er stellte dazu eine Weidetierprämie in Aussicht. Diese könne in der nächsten EU-Förderperiode ausgezahlt werden, erklärte er bei dem Treffen. Geld, das die Schäfer in den Herdenschutz investieren können, so sein Vorschlag. Wie hoch diese Prämie ausfallen könnte, sagte Albrecht nicht.

In Schleswig-Holstein werden ca. 200.000 Schafe gehalten. Mit 20,8 Schafen pro 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche ist Schleswig-Holstein das Bundesland mit der größten Schafdichte. Durch 241 Betriebe werden allein über 60.000 Tiere in Dithmarschen gehalten.

Mehrere Wölfe im Land

Der Lammfleischpreis ist mit ca. 2,50 – 2,70 Euro/kg weiterhin auf niedrigem Niveau. Außerdem ist die Anzahl der durch Wölfe getöteten Schafe in den letzten Jahren stark angestiegen. So wurden 2019 insgesamt 221 Schafe durch Wölfe getötet oder mussten nach Rissereignissen notgeschlachtet werden, schreibt das Agrarministerium zu dem Treffen in einer Pressemitteilung.

Fest angesiedelt habe sich in Schleswig-Holstein jedoch noch kein Wolf. Das Landwirtschaftsministerium geht derzeit von mehreren Wölfen aus, die sich gegenwärtig in Schleswig-Holstein aufhalten. Eine Reihe von Rissereignissen in Steinburg und Dithmarschen seit Mitte April seien möglicherweise auf Wölfe zurückzuführen.

Als Reaktion auf die Rückkehr des Wolfes und die steigenden Rissereignisse hat SH das Wolfsmanagement des Landes und die Förderung für Herdenschutzmaßnahmen seit 2018 massiv ausgebaut, erklärt das Ministerium weiter. Seit dem 1. April 2019 sind die Kreise Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg, Segeberg und Herzogtum-Lauenburg Wolfspräventionsgebiete. In einem Wolfspräventionsgebiet müssen Halter Herdenschutzzäune nutzen, um weiterhin eine Ausgleichzahlung für ihre durch Rissereignisse verlorenen Schafe zu erhalten. Mit dem Inkrafttreten der sich jährenden "Wolfsrichtlinie" des Landes am 12. März 2019 wurde dazu eine hundertprozentige Finanzierung der Herdenschutzmaßnahmen möglich.

Entschädigungen

Insgesamt stehen für das Wolfsmanagement und den Herdenschutz 1.390.000 Euro im Landeshaushalt 2020 bereit. 2019 wurden bereits 114 Zuwendungsbescheide für Herdenschutzmaßnahmen in Höhe von insgesamt 1.500.000 Euro ausgezahlt. Bisher wurden 2020 weitere 25 Bescheide erstellt und 164.000 Euro ausgezahlt. Zusätzlich wurden aufgrund nachgewiesener Wolfsrisse betroffenen Nutztierhalter in den Jahren 2017-2019 Entschädigungszahlungen in Gesamthöhe von rd. 138.000 Euro bewilligt (2017: rd. 4.900 Euro, 2018: rd. 26.000 Euro, 2019: 107.100 Euro).

Während in den Wolfspräventionsgebieten Herdenschutzzäune eine Voraussetzung für Entschädigungszahlungen sind, gilt für Deichschäfer eine Ausnahmeregelung.

Mehr im Schleswig-Holstein-Magazin:

VIDEO: Schäfer wehren sich gegen Wolfschutzzäune

Die Redaktion empfiehlt

Die deutschen Schäfer sind in Alarmstimmung. In einigen Gegenden greift der Wolf inzwischen regelmäßig Herden an. Vom Staat erwarten viele Schafhalter nichts mehr, sie fühlen sich verraten.

In den letzten zehn Jahren haben sich die Schafbestände um 42 % reduziert. Der Beruf des Schäfers steht vor dem Aus, sagt der Förderverein der Deutschen Schafhaltung.

Das geänderte Bundesnaturschutzgesetz soll helfen, Weidetiere besser vor dem Wolf zu schützen. Jägern und Landwirten reicht das nicht. Sie fordern eine Bejagung wie in anderen Ländern.


Diskussionen zum Artikel

von Willy Toft

Herr Albrecht hat ein schweres Los hier in SH!

Demnächst werden die Kadaver wahrscheinlich erst nach Kiel gefahren, sonst versteht es Keiner! Bevor die TKV kommt, gibt eine neue Sammelstelle!

von Willy Toft

Herr Albrecht hat ein schweres Los hier in SH!

Demnächst werden die Kadaver wahrscheinlich erst nach Kiel gefahren, sonst versteht es Keiner! Bevor die TKV kommt, gibt eine neue Sammelstelle!

von Wilhelm Grimm

"Herr vergib ihm,

denn er weiß nicht, was er tut".

von Gerhard Steffek

Wildtierfütterung?

Sollen hier die Schafhalter den Ideologen das Futter für den Wolf bereitstellen? Damit mutiert dann der Schafhalter als Erster von einem Ernährer der Bevölkerung vollends nur noch zu einem Landschaftspfleger mit Öko- und Traditionstouch.

von Stefan Lehr

Was waere wenn ....

... die Schafhalter den Minister Minister sein lassen und ihre Schafe unter Verzicht auf die Gelder im Stall lassen? Das Land bleibt auf der Kohle sitzen und die Schafe am Leben. Bossgestellt ist dann die Politik.

von Willy Toft

Und die Deiche im Eimer!

Deich- und Naturschutz betreiben die Schäfer, und so wird Ihnen gedankt!

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