"Umweltministerium soll Sorgen vor dem Wolf endlich ernst nehmen!"

Julia Klöckner hat die SPD aufgefordert, die Sorgen der Bevölkerung beim Wolf ernst zu nehmen. "Ich sehe es als Aufgabe von Politik, die Realitäten vor Ort wahrzunehmen und das muss auch das Bundesumweltministerium erkennen", sagte sie. "Die Union ist da ganz klar, aber wir warten noch auf die SPD."

Julia Klöckner (Bildquelle: Twitter @JuliaKloeckner)

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat die SPD in der Bundesregierung aufgefordert, die Sorgen der Bevölkerung beim Wolf ernst zu nehmen. "Ich sehe es als Aufgabe von Politik, die Realitäten vor Ort wahrzunehmen und das muss auch das Bundesumweltministerium erkennen", sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Es brauche beim Wolf ein klares Vorgehen der Bundesregierung. "Die Union ist da ganz klar, aber wir warten noch auf die SPD." Für sie sei unzweifelhaft, dass Schutzmaßnahmen wie Zäune alleine im Umgang mit dem Wolf nicht ausreichten. "Der Wolf ist lernfähig, er überwindet solche Hindernisse. Wir müssen über eine Regulierung reden."

Laut Klöckner leben in Deutschland mittlerweile etwa 60 Wolfsrudel mit rund 600 Tieren. "Nach derzeitigen Entwicklungen wird mit einem weiteren jährlichen Zuwachs von 25 bis 35 Prozent gerechnet." 2016 seien mehr als 1000 Nutztiere wie beispielsweise Schafe durch Wölfe gerissen worden. Klöckner: "Das dürfen wir nicht ignorieren." Es gebe Regionen in Deutschland wie die ostdeutschen Bundesländer oder Teile Niedersachsens, in denen der Wolf nicht mehr bedroht sei. "Wir dürfen keinem allzu romantischen Bild des Wolfes hinterher hängen", appellierte die Ministerin.

Geht Herdenschutz in Sachsen-Anhalt an Praxis vorbei?

Wolfszaun (Bildquelle: Highland Stall und Weide GmbH)

Unterdessen gibt es deutliche Kritik am Herdenschutz in Sachsen-Anhalt. Das Land hat nach eigener Aussage in den letzten drei Jahren knapp 350.000 Euro für den Schutz von Weidetieren vor dem Wolf ausgegeben, berichtet der MDR. Für das laufende Jahr seien 200.000 Euro eingeplant.

Allerdings soll sich erst ein Landwirt für die Förderung gemeldet haben, heißt es weiter. Nach Ansicht des NABU deshalb, weil die Förderung praxisfern sei und an den Bedürfnissen vorbeigehe. Das Umweltministerium weist diese Darstellung zurück. Man habe sich vor Einführung mit dem Schafzuchtverband abgesprochen.

Trotz alledem sollen zukünftig auch andere zertifizierte Hunderassen gefördert werden – wenn eine neue Richtlinie zu Herdenschutz und Schadensausgleich inkraft tritt. Damit sei im dritten Quartal dieses Jahres zu rechnen, kündigte das Ministerium an. Welche Rassen künftig hinzukommen könnten, ließ das Ministerium offen. Bislang zählen unter anderem Pyrenäen-Berghund oder Maremmano-Abruzzese zu den geförderten Rassen.

Der beste Schutz vor Wolfsangriffen seien aber ohnehin wolfssichere Zäune, ist sich das Umweltministerium sicher. Deshalb beteilige sich das Land mit 80 Prozent an den Anschaffungskosten. "Um eine 100-prozentige Förderung möglich zu machen, haben wir die Bundesregierung aufgefordert, dies bei der EU zu beantragen", heißt es in einer Stellungnahme weiter.

Anstieg bei Entschädigungszahlungen

Die Landes-CDU habe sich kürzlich die Entschädigungszahlungen in Sachsen-Anhalt nach bestätigten Wolfsrissen angesehen, so der Sender weiter. Danach flossen im Jahr 2012 noch 171 Euro an Landwirte, waren es im Jahr darauf bereits 1.715 Euro. Ein weiteres Jahr später zahlte das Land gut 6.000 Euro für die Entschädigung von gerissenen Weidetieren. Für dieses Jahr seien im Haushalt etwa 70.000 Euro für Entschädigungen eingeplant – und damit deutlich mehr, als das Land jemals für den sogenannten Schadensausgleich gezahlt hat.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Hans-Heinrich Wemken

Das Problem konstuktiv angehen

Wenn Zaunanlagen letztendlich sich nicht vermeiden lassen , sollten intelligente Lösungen entwickelt werden. Etwa Zaunanlagen , die die Wölfe u.a. in die Städte und geschlossen Siedlungsanlgen lenken. Dorthin, wo es eine Willkommenskultur für Wölfe gibt .

von Christian Bothe

Allmählich kann einem da "die Hutschnur platzen". Diese ständigen Diskussionen um den Wolf, Wildschwein, Kormoran und Wildgans. Wenn diese Tiere in bestimmten Regionen überhand nehmen, müssen sie dezimiert werden, ob wir das wollen oder nicht! Es hängen ganze Existenzen von Bauern, Fischwirten und Schäfern daran. Letzteren geht es wirtschaftlich ehe nicht besonders und dann noch Investitionen in Zäune, Hunde etc. Es liegen doch genug Fakten auf dem Tisch (außer Angriffe auf Kinder...),um die Population zu verringern ohne den Bestand von geschützten Arten zu gefährden. Wann wollen die Verantwortlichen endlich handeln?

von Andreas Schröder

Armes Deutschland

Wo Altersarmut droht und noch Hunderttausende Kinder an die Armutsgrenze kommen. Müssen wir Millionen von Euro dem Wolf hinterher werfen ??? Wird dieses Land wirklich im Wahnsinn enden und nur noch von Solch idiotischen Ideen beherrscht ?

von Gerd Uken

Zaunbau ist keine Option

Wenn wir hier die Schafe am Deich schützen sollen , dann muss der ja auch von der Seeseite her stehen. Die bisherige Zäune können die Rehe umgehen, wenn dann plötzlich Hochwasser angesagt ist u. Panik entsteht dann sind die schon mal verloren. Ich glaube nicht das man kilometerlange Zäun jedesmal ab und wieder aufbauen wird-unbezahlbar für unsere Schäfer. Und wie soll das bei den Wanderschäfern funktionieren?

von Gerhard Steffek

Schildbürgerstreich?

Wenn immer die ganze Zeit von Wolfsschutzzäunen geredet wird, dann frage ich mich schon was das soll. Auf der einen Seite will man Natur pur und unverbaute Landschaft, auf der anderen Seite zieht man dann "Hochsicherheitszäune" für die Herdentiere. Lachhaft (auch wenn es nicht zum lachen ist) und ein Possenstück aus Absurdistan wird es, wenn man die Meldung im bayr. landwirtschaftlichen Wochenblatt liest, das ein Landwirt seinen Wildschutzzaun (Höhe 90 cm) nach einer Klage des dortigen Jagdberechtigten wieder abbauen muß. Der Landwirt wollte seine mehrere Hektar große Wiese vor Wildschweinen schützen und hat eben einen Zaun gebaut. Dieser muß jetzt wieder weg, weil die Rehe und Hasen nicht ungehindert ziehen können. Wie gesagt, der Zaun war 90 cm hoch. Wie hoch ist so ein Wolfschutzzaun? Was ist dann da mit der Freizügigkeit für Has', Reh und Hirsch? Diese Zäune sind dann eher Todesfallen für von Wölfen gejagte Tiere. Man stelle sich vor, der Wolf lernt es mit dem Zaun zu "arbeiten". Dann sind die Fluren schnell frei von jeglichem Schalenwild. Ich bin auch für "Hochsicherheitszäune" - aber um den Wolf herum und nicht um die Schafe und Rinder, ansonsten soll er von mir aus ruhig "die Kugel" bekommen.

von Christoph Schlemmer

Der beste Schutz vor Wölfen ist kein Wolf, unsere Vorfahren vor fast 200 Jahren haben den Wolf nicht ohne Grund gejagt. Die Untersuchungen werden meiner Meinung nach wahrscheinlich extra verzögert damit der geschädigte Tierhalter die Lust daran verliert. Auch werden Tierbesitzer unter Druck gesetzt damit gar keine Untersuchungen gemacht werden( mir selbst passiert). Das ganze beruht auf eine Hirnkranke Gesellschaft mit einem Haufen freilaufender Idioten die meinen sie müssten die Welt verbessern. Diese werden dann noch von genau so kranken Politikern und Gönnern unterstützt. Die Menschen die an der Front die Kohlen aus dem Feuer holen müssen und die Ansiedlung des Wolfes mit ihrem Eigentum finanzieren werden im Regen stehen gelassen. In unsere dicht besiedelten Regionen passt der heute nicht mehr hin. Auch die Konflikte zwischen Mensch und Wolf werden zunehmen .

von Gerd Ulken

Wölfe

Es gibt viel mehr Wölfe wie angegeben - die Zahlen sind bewusst nach unten korrigiert worden. mittlerweile haben wir über 800 Wölfe - tendenz stark ansteigend,

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