Brexit

USA drängen auf Freihandelsabkommen mit Großbritannien

Die USA wollen nach dem Brexit einen umfangreichen Marktzugang für ihre Produkte nach Großbritannien. Die britischen Bauern sehen das aber mit Sorge.

Die britischen Bauern sind noch nicht von den Vorschlägen der USA für ein Freihandelsabkommen überzeugt; gerade bei den Agrarprodukten. Wie aus dem Ende Februar vom US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer veröffentlichten Zielkatalog für entsprechende Verhandlungen hervorgeht, soll ein umfassender Marktzugang für US-Agrarprodukte im Vereinigten Königreich durch die Senkung oder Abschaffung von Zöllen sichergestellt werden.

Vor dem Beginn von Verhandlungen über Zollsenkungen auf der US-Seite fordert Lighthizer „vernünftige“ Anpassungsphasen für importsensible landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem eigenen Land. Unfaire Handelspraktiken, die den Marktzugang für US-Agrarprodukte beeinträchtigten oder zu Störungen der Agrarmärkte zu Lasten der Vereinigten Staaten führten, müssten beseitigt werden. Das betreffe nichttarifäre Handelshemmnisse und Beschränkungen bei der Verwaltung von Zollkontingenten.

Ferner will Washington auf eine größere Übereinstimmung von Standards in den beiden Ländern hinwirken, um entsprechende Belastungen zu verringern. Zudem regt Lighthizer an, Regeln für den Handel mit gentechnisch veränderten (GV-)Produkten aufzustellen. Wichtige Aspekte seien hier Transparenz, Kooperation, der Umgang mit geringen Konzentrationsgraden von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), Informationsaustauch und eine intensivere Kooperation bei der agrarrelevanten Biotechnologie. Eine Sprecherin der britischen Premierministerin Theresa May bekräftigte unterdessen, dass die Lebensmittelstandards im Zuge eines Handelsabkommens nicht gesenkt würden.

EU-Landwirtschaft „gehört ins Museum“

Derweil forderte die Präsidentin des britischen Bauernverbandes (NFU), Minette Batters, dass mögliche Freihandelsvereinbarungen mit den USA auf keinen Fall den Import von Lebensmitteln zulassen dürften, die unter niedrigeren Standards als in Großbritannien erzeugt worden seien.

„Die britische Bevölkerung schätzt die hohen Standards für das Tierwohl, den Umweltschutz und die Lebensmittelsicherheit, die unsere Landwirte einhalten müssen. Diese weltweit führenden Regeln dürfen nicht geopfert werden, um rasche Handelsvereinbarungen zu erzielen“, sagte Batters.

Derweil machte der US-Botschafter in London, Woody Johnson, auf der Insel eine „Hetzkampagne“ gegen die amerikanische Landwirtschaft aus. In der britischen Tageszeitung „Daily Telegraph“, stellte er klar, dass die Briten vor eine falsche Wahl gestellt würden, nämlich entweder EU-Vorschriften zu befolgen oder mit US-Lebensmitteln „geringster Qualität“ überschwemmt zu werden. „Irreführende Begriffe wie ‚Chlorhuhn‘ und ‚Hormonrindfleisch‘ werden benutzt, um die amerikanische Agrarwirtschaft in das schlechteste Licht zu rücken“, kritisierte Johnson. Nach seiner Ansicht gehört die EU-Landwirtschaft „ins Museum“.

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Diskussionen zum Artikel

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von Christian Bothe

England

Ich sehe das alles nicht so problematisch.Das Land,die Volkswirtschaft und auch der britische Bauer werden aus dem Brexit nach ein paar Jahren gestärkt hervorgehen,falls es dazu kommt...

von Willy Toft

Das wird alles noch spannend, der Britische Bauer wird wahrscheinlich leiden!

Wie die mit den abnehmenden Standards in Britannien klar kommen, sehen wir dann!

von Christian Bothe

Freihandel UK und USA

So wird es dann wohl kommen ein Freihandelsabkommen zwischen beiden Staaten und damit der Austausch von landwirtschaftlichen Erzeugnissen,ob GVO oder non GVO das spielt am Ende keine Rolle mehr für den Einkäufer des LEH in England.Bemerkenswert der letzte Satz des Botschafters und ein bisschen hat er sogar recht (Urteil EuGH zu neuen Züchtungstechniken usw.).Auf der anderen Seite leben ja die Amis mit GVO auch nicht schlecht...Es muss also gut im Sinne der Bürger verhandelt werden.

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