VDF verteidigt Verkauf von polnischem Fleisch bei Lidl

Der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) sieht in der Vermarktung von polnischen Fleischprodukten im deutschen Lebensmittelhandel kein Problem und warnt vor Panikmache. Die Berichterstattung zu der Lidl-Aktion mit polnischen Fleischspezialitäten sei „kurzsichtig und schädlich, auch für deutsche Schweinehalter“

Der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) sieht in der Vermarktung von polnischen Fleischprodukten im deutschen Lebensmittelhandel kein Problem und warnt vor Panikmache. Die jüngste Berichterstattung zu der Lidl-Aktion mit polnischen Fleischspezialitäten sei „kurzsichtig und schädlich, auch für deutsche Schweinehalter“, meint die VDF-Geschäftsführerin Dr. Heike Harstick gegenüber top agrar. Es werde der Eindruck erweckt, dass Schweinefleisch aus Ländern mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gefährlich sei. Damit stelle man die Wirksamkeit der gesetzlichen ASP-Maßnahmen in Frage. Dafür gebe es keinen Grund. Die gesetzlichen Vorgaben bei einem Ausbruch von ASP und die Festlegung von Restriktionsgebieten seien in der gesamten EU so gestaltet, dass eine Verbreitung der Seuche über Fleisch von Hausschweinen, das amtlich für genusstauglich erklärt ist und damit im gesamten Binnenmarkt frei verkehrsfähig ist, ausgeschlossen werde.
 
Harstick erinnert daran, dass es auch in Deutschland zu einem ASP-Ausbruch kommen könne. In diesem Fall schreibe das EU-Recht klar vor, wie ein Mitgliedsstaat zu reagieren habe:
Wird das Virus bei einem Wildschwein festgestellt, müssen die zuständigen Veterinärbehörden umgehend einen gefährdeten Bezirk um den Fundort einrichten. Schweinehaltungsbetriebe in diesem Gebiet dürfen ihre Schweine nur dann verbringen, wenn bestimmte amtlich überprüfte Voraussetzungen vorliegen. Geschlachtet werden dürfen Hausschweine aus einem solchen Gebiet nur, wenn die Tiere vor dem Ausstallen klinisch und virologisch mit negativem Befund auf ASP untersucht worden sind. Damit wird die Übertragung des Virus über Fleisch von Hausschweinen aus einem gefährdeten Bezirk ausgeschlossen.
Es gibt also keinen Grund, den Handel mit Schweinefleisch für Länder mit ASP-Vorkommen über die bereits bestehenden gesetzlichen Bestimmungen hinaus einzuschränken.
 
Auch Deutschland sei im Ernstfall auf dieses Regelwerk angewiesen, zumal wir noch stärker von Schweinefleischexporten abhängig sind als Polen. Die Erlöse von einem Drittel der deutschen Schweinefleischerzeugung werden durch Verkäufe in anderen EU-Ländern erzielt und weitere rund 12 % der Erzeugung gehen in den Drittlandexport. „Wer heute zum Boykott von polnischem Schweinefleisch aufruft, darf sich hinterher nicht beschweren, wenn es andere EU-Mitgliedstaaten auch gegen Deutschland tun, sofern ein ASP-Fall hierzulande auftritt“, erklärt Harstick.

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