Verseuchen Gärreste aus Biogasanlagen die Umwelt?

Naturschützer haben erneut ihren Verdacht geäußert, dass die Düngung mit Gärresten aus Biogasanlagen bedrohliche Krankheitskeime in die Umwelt bringt. So könnten sich Kühe und Schweine aber auch Reh- und Schwarzwild sowie Hasen und Fasanen mit hochinfektiösen Bakterien wie resistenten MRSA-Bakterien anstecken.

Naturschützer haben erneut ihren Verdacht geäußert, dass die Düngung mit Gärresten aus Biogasanlagen bedrohliche Krankheitskeime in die Umwelt bringt. So könnten sich Kühe und Schweine aber auch Reh- und Schwarzwild sowie Hasen und Fasanen mit hochinfektiösen Bakterien wie resistenten MRSA-Bakterien anstecken.
 
Laut einem Bericht in der Zeitung „WELT“ gibt es aber kaum Untersuchungen, die zeigen, welche Erreger sich im Gärsubstrat überhaupt nachweisen lassen und in welcher Konzentration. Greenpeace spricht dennoch von einer "Zeitbombe", und auch besorgte Tierärzte und Wissenschaftler sollen angeblich die Aufklärung von Sicherheitslücken fordern. Als möglicher Grund für die Kontermination der Gärreste könnte der Grünschnitt in Frage kommen, der in den Anlagen vergärt wurde. Durch die immer größere Grünlandtechnik und die höheren Fahrgeschwindigkeiten kämen vermehrt Tiere in den Häcksler oder die Presse. In der Biogasanlage bildeten sich durch die Kadaver dann Verwesungsbakterien und Krankheitskeime, die mit der Gülle in das Gärgut geraten.
 
Vor allem das Bakterium Clostridium botulinum, das ein starkes Nervengift produziert, wird hier häufig genannt. Der Göttinger Wissenschaftler Helge Böhnel geht davon aus, dass das Gift in kleinen Mengen in den Biogasanlagen entsteht. Die Tiere würden es aber über einen langen Zeitraum in der Natur aufnehmen, und schließlich an einer Vergiftung sterben. "Die Krankheit tritt in ganz Deutschland auf, und die Zahl der verendeten Rinder nimmt in den letzten Jahren deutlich zu", betonte Böhnel noch kürzlich in einem Rundfunkinterview. Er nimmt an, dass bundesweit mindestens tausend Landwirtschaftsbetriebe von Infektionen mit chronischem Botulismus betroffen sind. Untersuchungen der Tierärztlichen Hochschule Hannover erbrachten allerdings keine Hinweise auf Botulismuserreger oder andere Keime, weshalb die Theorie umstritten ist. Bis heute gibt es keine neuen Studien, die den Verdacht auf Botulismuserreger im Gärsubstart erhärten oder entschärfen.
 
Die WELT verweist in diesem Zusammenhang auf die DLG-Informationsschrift "Gärreste im Ackerbau effizient nutzen". Dieses Merkblatt richtet sich an Betreiber einer Biogasanlage und trägt alles Bekannte zusammen, wie die Anwendung von Gärresten im Ackerbau sicherer gelingen kann. Wissenschaftler und Experten der DLG mahnen darin zu mehr Sorgfalt bei den für die Sterilisierung des Gärguts nötigen Prozessen an. Sie gestehen aber auch ein, dass selbst dann ein Restrisiko bleibt. "Es kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass bei stark kontaminierten Einsatzstoffen wie Ausscheidungen erkrankter Tiere zwar eine deutliche Reduktion, nicht aber eine vollständige Elimination der Krankheitserreger erreicht wird", heißt es in der Broschüre.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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