Versuche in Groß Lüsewitz und im Schaugarten Üplingen zerstört

Gentechnikgegner haben in den vergangenen Tagen mit bisher nicht gekannter Agressivität zugeschlagen und an zwei Standorten Felder zerstört. Zunächst hatten Unbekannte in der Nacht zum Samstag zwei Gentechnik-Versuchsfelder der Firma Biovativ bei Rostock zerstört.

Gentechnikgegner haben in den vergangenen Tagen mit bisher nicht gekannter Agressivität zugeschlagen und an zwei Standorten Felder zerstört. Zunächst hatten Unbekannte in der Nacht zum Samstag zwei Gentechnik-Versuchsfelder der Firma Biovativ bei Rostock zerstört. Die sechs Täter brachen in das 15 ha große Gelände des Agrobiotechnikum Groß Lüsewitz ein, setzen einen Wachmann fest, durchsuchten ihn und blendeten ihn durchgehend mit einer Taschenlampe. Dann zertrampelten sie eine Weizen- sowie eine Kartoffelfläche und rissen zahlreiche Pflanzen heraus.
 
Auf den Biovativ-Flächen sollten Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen getestet werden. Den Sachschaden schätzte die Geschäftsführerin Kerstin Schmidt laut Presseberichten auf 250 000 Euro. Hinweise auf mögliche Täter gibt es noch nicht.
 
Die jüngste Feldzerstörung gab es dann in der Nacht zum Montag im Schaugarten Üplingen. Zehn bis zwölf Personen seien in die Anlagen des Schaugartens eingedrungen und hätten Kartoffel-, Mais- und Getreide-Pflanzen der BioTechFarm GmbH niedergetreten, so die Polizei. Fünf Mann seien auch hier über den Wachmann hergefallen und hätten ihn mit Pfefferspray und Schlagstöcken bedroht. So sei er gezwungen worden, Handy und Taschenlampe herauszugeben. Das Telefon wurde zerstört, Wachbuch sowie Schlüssel wurden entwendet.
Eine andere Gruppe habe anschließend den zweiten Wachmann überfallen und auf einer 625 Quadratmeter großen Fläche GVO-Kartoffeln herausgerissen. Ebenso wurden sämtliche Parzellen eines Weizenversuchs zerstört. Ein Streifen mit Maispflanzen wurde ebenfalls niedergetreten, berichtet die Volksstimme aus Magdeburg.
 
Wie die Polizei mitteilte, sind die Vermummten "strategisch sehr gezielt und brutal vorgegangen". Die Staatsanwaltschaft ermittele jetzt wegen Landfriedensbruch und räuberischer Erpressung.
 
Kerstin Schmidt jedenfalls zweifelt nach den jüngsten Vorfällen an der Fortsetzung der Genforschung in Deutschland insgesamt. Sie will zwar die Versuche fortsetzen, erwartet aber von der Landesregierung einen klaren Standpunkt zur grünen Gentechnik.
 
 

Aeikens: „Gewalttätern fehlen die Argumente“

Für die Regierung meldete sich Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) zu Wort. Er verurteilte den Überfall scharf. Für die kriminelle Energie der Gentechnik-Gegner gebe es keine Rechtfertigung, sagte Aeikens am Montag in Magdeburg. "Wer Gewalt einsetzt, dem fehlen die Argumente." Der Rechtsstaat könne und werde diese Übergriffe nicht tolerieren. Der Minister verwies zudem darauf, dass die Kritik an der Gentechnik zu zahlreichen Änderungen gesetzlicher Regelungen geführt habe. In Deutschland gebe es bereits ein aufwendiges Genehmigungsverfahren für Freisetzungen.

Happach-Kasan: „Kriminell, sonst nichts!“

FDP-Agrarsprecherin Christel Happach-Kasan bezeichnete die Überfälle als kriminell und sonst nichts. „Wer strafbare Handlungen begeht, hat kein Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung. Protest ist legitim, die Rechte anderer zu verletzen ist es nicht“, sagte sie heute.
 
Sie rief zu einer offenen Diskussion über das wichtige Thema Grüne Gentechnik auf. Feldzerstörungen würden nicht dazu beitragen, offen über die Vorteile, aber auch über die Bedenken im Zusammenhang mit der Grünen Gentechnik zu sprechen. Sie vergifteten die Diskussionskultur. (ad)
 
 
 
 

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