Wiedervereinigung

Von der LPG zum eigenen Betrieb

Mit dem Saalower Kräuterschwein hat Andreas Vogel eine regionale Marke in Brandenburg entwickelt. Er setzt auf eine besondere Futtermischung sowie mehr Tierwohl und verdient damit 30 Ct/kg mehr.

Kurz vor der Wende haben wir in der DDR 1,75 Mark für den Liter Milch bekommen, einen Tag später waren es auf einmal nur 75 Pfennig“, erinnert sich Andreas Vogel. „Die Umstellung war vehement. Wie ein Schalter, der einfach umgelegt wurde.“

Vogel stieg wenige Monate vor der Wiedervereinigung nach seinem Landwirtschaftsstudium in Berlin als stellvertretender Vorsitzender in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) in Saalow, etwa 30 km südlich von Berlin, mit ein.

Nach der Wende gründeten die ehemaligen Mitglieder der LPG zunächst eine Genossenschaft. Sie wählten den damals erst 27jährigen Vogel zum Vorsitzenden. Sein vorrangiges Ziel war es, die Produktion zu sichern. So ackerten sie noch lange mit den alten Traktoren und Anbaugeräten, obwohl viele wertlos waren. „Wir hatten drei Schwarzwurzelvollernter, die in der LPG nie zum Einsatz kamen. Sie waren uns vom Staat zugeteilt worden, obwohl wir keine Schwarzwurzeln angebaut haben. Diese konnten wir nicht verkaufen“, blickt der Landwirt zurück.

Bank fror die Schulden ein

Zu der damaligen LPG gehörten 1500 ha Ackerbau, 200 Kühe und 150 Sauen, deren Ferkel verkauft wurden. Zudem hatte die Genossenschaft 20 Mio. Ostmark bzw. 6,9 Mio. D-Mark Altschulden. Mit der Bank handelte der Vorstand des neuen Betriebes eine Rangrücktrittsvereinbarung aus. Dadurch fror die Bank die alten Schulden der LPG ein, sodass der Vorstand diese nicht sofort zurückzahlen brauchte. Eine Bedingung war aber, dass die Genossenschaft das gesamte nicht notwendige Betriebsvermögen verkaufen musste. Der Erlös ging an die Bank. Das waren zum Beispiel drei Mitarbeiterhäuser. Erst 2003 hat die Bank den Geldbetrag der Altschulden bewertet und umgeschuldet.

Vor 1990 zählte die LPG 200 Mitglieder, davon 150 Angestellte. Nach dem Mauerfall blieben nur noch zehn Mitglieder übrig. Vielen war das finanzielle Risiko zu groß. „Sie wollten keine Verantwortung und Haftung für das Unternehmen übernehmen, sondern lieber jemanden haben, der sagt, wo es langgeht“, sagt Vogel. Daher wandelte der Vorstand die Genossenschaft 1996 in eine GmbH um.

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