Von inflationär steigenden Tierschutzforderungen überrollt

„Es muss uns gelingen, Stallanlagen, Fütterungssysteme und ganze Haltungsverfahren so weiter zu entwickeln, dass sie den Ansprüchen der Tiere entsprechen, die Akzeptanz der Gesellschaft erhalten und sich für den Landwirt auch ökonomisch rechnen.“ Diese Aussage traf DBV-Präsident Joachim Rukwied auf der Kreisverbandsversammlung in Vechta.

„Es muss uns gelingen, Stallanlagen, Fütterungssysteme und ganze Haltungsverfahren so weiter zu entwickeln, dass sie den Ansprüchen der Tiere entsprechen, die Akzeptanz der Gesellschaft erhalten und sich für den Landwirt auch ökonomisch rechnen.“ Diese Aussage traf DBV-Präsident Joachim Rukwied auf der Kreisverbandsversammlung in Vechta.

Gleichzeitig dürfe die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Veredlungswirtschaft nicht verloren gehen. „Wir sind in Europa die Nummer 1 bei der Milcherzeugung und der Schweinemast und die Nummer 2 in der Rindfleisch- und Geflügelfleischproduktion“, erklärte Rukwied auf der Bauernversammlung. Fast zwei Drittel der rund 5 Mio. Beschäftigten in der gesamten Lebensmittelwirtschaft in Deutschland erhielten ihr Einkommen letztlich durch die Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung. „Damit gehören wir zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen in Deutschland, von dem viele Mitbürger denken, es sei nur für seine Automobile und andere Industriegüter in der Welt bekannt.“



Ausruhen könne sich der Berufsstand auf den erbrachten Leistungen aber nicht. Die wirtschaftliche Situation sei für die Veredler seit Monaten angespannt, betonte Rukwied. Das gelte für die Geflügelhalter und die Schweinemäster ebenso wie für die Sauenhalter. Der rasante Anstieg der Futterkosten seit dem Sommer verschärfe die wirtschaftliche Lage zusätzlich. Neben den aktuellen Marktentwicklungen sind es die gesellschaftlichen Diskussionen und die Entwicklungen in der Politik, die die Bauern zunehmend verunsichern würden, sei es die Charta „Landwirtschaft und Verbraucher“ von Ministerin Aigner, der Tierschutzplan in Niedersachsen, die Novelle des Tierschutz- und des Arzneimittelgesetzes.

Wir nähern uns der Schmerzgrenze

Nach Rukwieds Einschätzung werden die Landwirte derzeit von inflationär steigenden Tierschutzforderungen geradezu überrollt. Daher verstehe er die Einschätzung vieler Bauern gut, die den hoch entwickelten Veredlungsstandort Deutschland in Gefahr sehen. „Wir nähern uns einer Schmerzgrenze, wenn wir weiterhin in diesem Maße mit ständig steigenden Forderungen und Attacken aus Politik und Gesellschaft konfrontiert werden.“



Rukwied stellte in Vechta heraus, dass die Landwirte in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit sondern auch den Tierschutz deutlich vorangebracht hätten. Jeder moderne Stallbau sei ein Beitrag zum Tierschutz. Auch beim Thema Ferkelkastration und Ebermast hätten sich die Bauernverbände frühzeitig der Diskussion gestellt und bereits 2008 die Düsseldorfer Erklärung und die Europäische Erklärung 2018 zur betäubungslosen Kastration vorangetrieben.

„Die Ebermast ist ein Ziel. Wenn wir dieses Ziel aber nicht in absehbarer Zeit erreichen oder am Markt durchsetzen können, müssen wir praktikable Alternativen bereithalten.“ Daher bezeichnete Rukwied den Einsatz von Schmerzmitteln bei der Kastration als vertretbaren Kompromiss. 


Der richtige Weg sei auch die Einrichtung der Datenbank für Antibiotika bei der QS gewesen. Diese seien für die Geflügelmast am 1. April 2012 und für die Schweinemast am 1. September 2012 gestartet. (ad)