Artenvielfalt

von Lucke: „Der Bauernverband muss auf die Kritiker zugehen!“ Premium

Die etablierten Parteien sind immer weniger in der Lage, gesellschaftliche Stimmungen zu steuern, meint der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke. Das zeige das Ergebnis des bayerischen Volksbegehrens. Deshalb müsse der Bauernverband vorausschauend in den Dialog mit den Kritikern treten und so den Interessenausgleich suchen.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat in Bayern 1,75 Mio. Menschen mobilisiert. Das sind 18,4 % der Wahlberechtigten. Wird den etablierten Parteien das Heft des Handelns zunehmend aus der Hand genommen?

von Lucke: Vor allem die Volksparteien leiden schon seit längerem unter einem massiven Autoritätsverlust. Das ist der Boden für Protestparteien und Protestbewegungen. Der Zulauf der AfD, die PEGIDA-Bewegung oder auch die hohe Beteiligung am bayerischen Volksbegehren sind dafür markante Beispiele. Das ist auf der einen Seite eine gefährliche Tendenz für die parlamentarische Demokratie, kann auf der anderen Seite aber auch ein positives Korrektiv für die Parteien sein.

Welche Ursachen hat das?

von Lucke: Die Gesellschaft zerfällt immer stärker in Einzelinteressen. Es gelingt den großen Interessenverbänden und anderen etablierten gesellschaftlichen Kräften immer weniger, die Meinungsbildung im vorpolitischen Raum zu kanalisieren, in die Volksparteien zu transferieren und dort weiterzuentwickeln. Das gilt auch für den Bauernverband. Im Ergebnis kommen Einzelinteressen zum Durchbruch, die nicht auf parteipolitischen oder gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen basieren.

Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die demokratische Willensbildung in Deutschland?

von Lucke: Deutschland ist in den vergangenen 70 Jahren mit seiner Parteiendemokratie sehr erfolgreich gewesen. Wenn...

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Artikel geschrieben von

Dr. Ludger Schulze Pals

Leitung Landwirtschaftsverlag Münster GmbH

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Kontrovers -

sind die Aussagen von Herrn von Lucke. Er spannt einen großen Bogen von einem Thema zum anderen und begibt sich damit auf eine gefährliche Gradwanderung. Die aber dabei fast zwangsläufig entsteht, denn zu Kontrovers sind die Themen. Genauso wie darüber die Meinungen sein werden. Wenn Herr von Lucke meint, daß der DBV auf die Kritiker zugehen sollte, dann gebe ich ihm nur zum Teil recht. Die Meinungen der Kritiker sind anzuhören, aber sich von ihnen vor sich hertreiben lassen bestimmt nicht. Hier gilt es dann schon eher zu handeln wie es Seneca der Jüngere in seinen Briefen an Lucilius schon mal so passend formulierte: "Mit Gelassenheit muß man die Vorwürfe Unkundiger hören." Stattdessen soll der DBV die Kritiker besser in die Pflicht nehmen und von ihnen konkrete Vorschläge und deren Verwirklichung fordern. Genauso aber auch auf deren Auswirkungen und somit unter Umständen unrealistische Vorstellungen hinweisen. Keine Aktio ohne Reaktio! Dieser Grundsatz ist nunmal Fakt und kann nicht ausgeblendet werden. Auch nicht für ideologische verblendete NGO's! Wenn schon diese dann ihre Klientel nicht auf die Reaktionen ihres Handelns hinweisen, dann sollte es dies zumindest der DBV tun und nicht wie ein verängstigter Schulbub vor den Straßenlümmeln einknicken. Dieses Verhältnis könnte man ja mittlerweile schon als Vergleich heranziehen, sieht man sich die Mitgliederzahlen, aber auch das Benehmen, der Kontrahenten an. Wobei hier ein Denkfehler von Herrn von Lucke zu Tage tritt. "Es gelingt den großen Interessenverbänden und anderen etablierten gesellschaftlichen Kräften immer weniger, die Meinungsbildung im vorpolitischen Raum zu kanalisieren ....", meint er. Vielleicht wird aber andersherum ein Schuh daraus. Denn mittlerweile sind die "großen Interessenverbände" nicht mehr auf Seiten der Landwirtschaft zu finden, sondern auf Seiten der Kritiker. Wieviele Mitglieder hat denn der DBV und wieviele der Tierschutzbund, NABU, BUND, etc.? Sieht man ja mittlerweile auch schon am Verhalten der Politik, siehe Volksbegehren. Hier zerreißt sich doch der gemeine Politiker vor lauter Aktionismus, um es den Herrschaften recht zu machen. Da ist der einfache Landwirt nur das Bauernopfer, der auf dem Altar der Ideologie geopfert wird. Wenngleich man es nüchtern betrachtet als Frechheit ansehen muß. 18,4 % Zustimmung zu diesem ist ein beachtlicher Erfolg, aber im Wesentlichen haben dennoch 4 von 5 nicht unterschrieben. Betrachtet man dann den Inhalt dieses Volksbegehren und wer diese unterschrieben hat, dann sieht man sehr deutlich wie verlogen und populistisch dies aufgezogen wurde und wer sich betrügen ließ und diesen Rattenfängern auf den Leim ging. Hier trifft der Satz des Mediziners Gerhard Uhlenbruck (1929): "Besserwisser entstehen in der Umgebung von Unwissenden oder durch das höfliche Schweigen der Wissenden" voll ins Schwarze. Markus Söder tat gut daran, gleich mal einen forschen Schritt auf dieses Volksbegehren zu tun. Damit nahm er den Schwung aus dieser Entwicklung, was sich mit der Zeit entwickelt wird man sehen. Wenn Herr Lucke nun aber meint, auch der DBV sollte auf die Kritiker zugehen, so liegt er meines Erachtens damit falsch. Wie schon oben geschrieben, sich die Kritik anhören ja, aber den Kritikern den kleinen Finger, oder gar die Hand reichen nein, denn diese sollen erst einmal unter Beweis stellen, daß sie es besser können.

von Matthias Zahn

Bauernverband braucht einen Sinneswandel im Umgang mit anderen Interessensvertretungen!

Das permenente festhalten am "Alleinvertretungsanspruch" des Bauernverbandes schadet ihm selbst und vor allem der ganzen Bauernschaft. Die Verbändelandschaft in und um die Landwirtschaft ist bunter geworden. Und viele Bauern fühlen sich vom Bauernverband nicht mehr vertreten. Es ist ein Grundrecht jedes Menschen in Deutschland seine Meinung frei zu äußern und bei Bedarf eine eigene Interessensvertretung dafür zu gründen. DAS ist ein normales Demokratisches verhalten. Kein Demokratisches Verhalten legt der Bauernverband an den Tag, in dem er regelmäßig Feindbilder aufbaut gegenüber Gruppierungen wie AbL, BDM und auch Naturschutzverbänden. Wie soll der Bauernverband nun Bündnisse mit eben diesen Gruppen eingehen, wenn er seinen Mitgliedern vorher immer erzählt hat, dass diese den Bauern nur schlechtes wollen. Es braucht ein umdenken hin zu einer offenen Umgangsweise mit allen beteiligten. Der Bauernverband sollte als Moderator und Bindeglied agieren, anstatt weiterhin zu spalten. Er läuft sonst Gefahr, viel an Bedeutung und Einfluss zu verlieren. Denn selbst Politik und Wirtschaft, haben inzwischen erkannt, dass der Bauernverband den Entwicklungen leider allzuoft nur hinterher rennt....

von Andreas Schäfer

das vollgrfressene deutsche Volk

muß erst wieder mal auf die Fresse fallen...

von Reinhold Klüh

Wollen unsere Kritiker uns Danke schön sagen ?

Müssen wir uns noch Kritik gefallen lassen, dafür das wir das Volk mit allerbesten Lebensmitteln zu besten Preisen versorgen ? Müssen wir Bauern (damit meine ich eigentlich alle) uns kritisieren lassen dafür, dass sich die Verkehrs-und Siedlungsfläche seit 1980 verdoppelt hat und auch die Waldfläche zu Lasten der Agrarflächen um 10 % wachsen konnte ? Zum Klimaschutz haben wir auch unseren Beitrag getan : Wir haben seit 1945 die Zahl der Rinder gesamtdeutsch halbiert. Wollen sich angesichts dieser Tatsachen, die jenigen die sich als "unsere Kritiker" bezeichnen, sich für ihr jahrzehntelanges ekelerregendes Mobbing entschuldigen ? oder wollen sie uns Bauern ein Danke Schön aussprechen ?

von Gregor Grosse-Kock

Der DBV

Sollte nicht nur Forderungen, stellen an die Vernunft, sondern den NGO' s Konkurrenz machen.!!! Spenden Konto einrichten und los geht's mit Blühstreifen, Gewässerschutz, lnsektenschutz, Studien alles sowie der Nabu. Ein Feindbild bezahlt nichts. Fachleute die wir sind könnten sogar Sinn und Unsinn dabei erläutern.

von Ottmar Ilchmann

Positive Entwicklung

Die Zeit geht über Verbände mit Alleinvertretungsanspruch hinweg, und das ist gut so!

von Wilhelm Grimm

Herr von Lucke bringt uns mit seinen intellektuellen Einlassungen nicht weiter.

Dazu hatte er sich an dieser Stelle bereits vor einigen Tagen sehr theoretisierend geäußert. Er kennt aber die Praxis im Umgang mit den Grünen und deren Mitstreitern, auch aus dem Bundesumweltamt, in keiner Weise. Da ist er noch grün hinter den Ohren. Deren Forderungen sind jedem bekannt, sowohl in der Tierhaltung wie auch im Acker -und Pflanzenbau. Da gibt es keinen Platz für faule Kompromisse oder wir verabschieden uns von den wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen unserer Landwirte. Am Ende des Interviews gibt Herr von Lucke die Antwort doch selbst , wenn er die massiven Interessenkonflikte anspricht. Dieser Weg führt in die Sackgasse.

von Christian Bothe

von Lucke

Das von Lucke vom "Volksbegehren der Bienenretter" den Bogen spannt und damit auf Gefahren der bürgerlichen Demokratie zu sprechen kommt, ist ja sehr interessant, trifft aber keinesfalls die Realität. Scheinbar stellt er hier die LW und ihre Verbände mal wieder an den Pranger. AfD und Pegida mit einem Volksbegehren in einen Topf zu werfen, ist sehr weit hergeholt,hat mit DBV und LW nichts zu tun. Für eine demokratische Gesellschaft sollte ein neues Parteienspektrum zu verkraften sein und die Grünen (deren Auffassungen und Meinungen ich nicht teile) bestätigen das. Von Lucke sollte als Politikjournalist analysieren,warum es diese Veränderung der Parteienlandschaft in den letzten Jahren gegeben hat und deren verursachenden Politik in Berlin...Man macht es sich zu einfach wenn man die LW und deren Entwicklung negativ medienwirksam für alles Ungemach (Klima,Feinstaub,CO2) verantwortlich macht und die Sachlichkeit und Kompetenz außen vor bleibt.

von Willy Toft

Der Landwirt hat in der Debatte nur eine(keine) Stimme!

Ideologen zu bekehren, frisst nur Zeit, wenn es schon zur Religion, bei den Kritikern geworden ist! Die Fachzeitschriften und auch die Politik schaffen es nicht, zumal einige politische Strömungen gerade die kritische Linie ganz naiv, teilw. ohne Detailwissen, mit forcieren!

von Wolfgang Reiner

Botschaft an die Gesellschaft

dann macht doch eueren Sch.... selber.

von Kirsten Wosnitza

Fachzeitschriften wie die top agrar

Haben hier Einfluss und Verantwortung ob dieser Prozess im Sinne einer guten Zukunft für die Bauern gelingen wird. Es bleibt also spannend.

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