Von Witzke: EU vernachlässigt sträflich Produktivitätssteigerungen

Der Berliner Agrarökonom Prof. Harald von Witzke ist der Ansicht, dass Europa mit der Agrarreform und dem Greening das Produktivitätswachstum vernachlässigt. "Produktivitätssteigerung ist der Schlüssel zur Verringerung von Hunger, der Verlangsamung des Klimawandels sowie der Erhaltung natürlicher Lebensräume sei.

Der Berliner Agrarökonom Prof. Harald von Witzke ist der Ansicht, dass Europa mit der Agrarreform und dem Greening das Produktivitätswachstum vernachlässigt. "Produktivitätssteigerung ist der Schlüssel zur Verringerung von Hunger, der Verlangsamung des Klimawandels sowie der Erhaltung natürlicher Lebensräume sei. Stattdessen ist Europa weltgrößter Nettoimporteur von Agrarprodukten geworden, noch vor den USA und China", so von Witzke.

Seiner Meinung nach entsprechen die Nettoimporte einem Import von 35 Mio. ha virtuellen Ackerlands und damit der Fläche Deutschlands. Vor diesem Hintergrund bezeichnete von Witzke den Kommissionsvorschlag zum „Greening“ als anachronistisch.

Erneut ging der Agrarökonom auch auf seine These vom Ende der „landwirtschaftlichen Tretmühle“ ein; er prognostiziert für die kommenden zwei Jahrzehnte deutlich höhere Agrarpreise. Die landwirtschaftliche Tretmühle sei zwischen 1870 und 2000 wirksam gewesen. Dem starken Wachstum der globalen Nachfrage nach Nahrungsgütern habe in dieser Zeit ein noch stärkeres Wachstum des weltweiten Nahrungsmittelangebotes gegenübergestanden, weshalb der Preistrend nach unten gezeigt habe. Das habe sich geändert, so von Witzke.

Ein weiteres Bevölkerungswachstum, das in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts stärker ausfallen werde als in der bisherigen Geschichte der Menschheit, und zunehmende Pro-Kopf-Einkommen in Entwicklungsländern würden die Nachfrage stärker steigen lassen als das Angebot. Die Flächen seien gleichzeitig begrenzt, und das Produktionswachstum müsse vorrangig durch eine Steigerung der Flächenproduktivität erzielt werden.

Das Dilemma sei, dass diese Produktivitätsfortschritte rückläufig seien, erklärte der Berliner Agrarökonom. Steigende Agrarpreise bedeuteten auch höhere Futtermittelpreise und damit steigende Kosten für Tierhalter. Diese lasteten zunächst auf den Schultern der Schweine-, Milch- und Geflügelproduzenten, würden dann aber mit zeitlicher Verzögerung an die Konsumenten weitergegeben. (AgE/ad)

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