Was kostet der Naturschutz? Premium

Macht der Naturschutz Bewirtschaftungsauflagen, büßen Landwirte nicht nur Einkommen ein – auch der Verkehrswert sinkt. Mit welchen Werten zu rechnen ist, hat Prof. Albrecht Mährlein von der Fachhochschule Kiel berechnet.

Verlangt der Naturschutz späte Schnittzeitpunkte, lässt sich das Futter für Kühe und Färsen oft nicht verwenden. (Bildquelle: Höner)

Macht der Naturschutz Bewirtschaftungsauflagen, büßen Landwirte nicht nur Einkommen ein – auch der Verkehrswert sinkt. Mit welchen Werten zu rechnen ist, hat Prof. Albrecht Mährlein von der Fachhochschule Kiel berechnet. Ein Bericht von Gesa Harms für die top agrar 4/2018: Mittlerweile ist unstrittig: Naturschutzauflagen auf bewirtschaf-teten Flächen vermindern nicht nur das laufende Einkommen, auch der Wert einer geschützten Fläche sinkt. Wer ermitteln möchte, was Naturschutz für Landwirte kostet, muss also beide Positionen betrachten. Laufende Einkommensverluste Diese entstehen z.B. durch:Auflagen, wie das Verbot von Pflegearbeiten, später erster Mähtermin, Einschränkung oder Verbot der Düngung. Oft reicht dadurch die Futterqualität für Milchkühe nicht mehr aus. fehlende Flächen im Nährstoffnachweis. Die überbetriebliche Gülleverwertung kann in viehintensiven Regionen 10 € je m3 und mehr kosten. Vernässung: Sie führt oft zu weniger Trittfestigkeit bei Beweidung, erschwerter Befahrbarkeit und verminderter Aufwuchs-Qualität. Je nach Betrieb verursachen gleiche Auflagen dabei unterschiedlich hohe Einkommensverluste. So verliert ein Mutterkuhhalter pro Hektar extensiviertem Grünland ca. 150 bis 250 €. Das decken eventuell verfügbare Förderbeträge oft noch ab. Verluste von bis zu 800 €/ha Ein intensiv geführter Milchviehbetrieb hat jedoch viel höhere Kosten. Denn der Aufwuchs aus spät gemähten Flächen ist weder für die Färsenaufzucht noch für die Milchviehhaltung verwertbar. Ersatzfutter zu beschaffen, kostet schnell 800 bis 900 €/ha. Noch teurer wird es, wenn Landwirte wegen fehlender Fläche z.B. Vieh abstocken oder Gülle überbetrieblich verwerten müssen. Dabei gilt: Je höher der Anteil der Naturschutz- an der Betriebsfläche ist, desto größer die Anpassungsprobleme und der wirtschaftliche Verlust. Verliert der Betrieb Futter- oder Gülleverwertungsflächen ohne Ersatzland oder ausreichend Geldausgleich zu erhalten, ist daher gerade bei Großschutzgebieten immer öfter die Existenz gefährdet. Sinkende Flächenwerte Naturschutzauflagen verringern aber auch den Wert einer Fläche, z.B. durch:Verkehrswertverluste: Mit Naturschutzauflagen ist eine Fläche weniger wert als ohne. Bei starker Einschränkung sinkt der Wert sogar bis auf das Niveau von Öd- oder Unland ab. Eingeschränkter Stallbau: Nur eine eigene Futtergrundlage von mehr als 50% erlaubt es, Ställe privilegiert zu bauen. Geringe Erträge auf Naturschutzflächen reduzieren diese und schränken daher die Aufstockung der Viehhaltung ein – besonders wenn Acker- in Extensivgrünland umzuwandeln ist. Sinkende Pachteinnahmen: Das ist besonders brisant, wenn die Alterssicherung an der Verpachtung hängt. Minderung des Beleihungswertes: Wenn Banken Naturschutzflächen als Sicherheit geringer bewerten, verteuern sich bestehende oder neue Kredite. Die Beleihungsgrenze ist eher erreicht. Verfügungseinschränkung: Naturschutzgebiete engen den Eigentümer bei der künftigen Nutzung ein. Sie blockieren z.B. künftige Bebauung mit erneuerbaren Energien. Genauso können auch Einschränkungen beim Betretungs- oder Jagdrecht zu wirtschaftlichen Verlusten führen. Auch Vermögensverluste fallen also je nach Betrieb und Naturschutzmaßnahme unterschiedlich hoch aus. Dass sie schwer in Zahlen zu fassen sind, liegt auch an fehlenden Vergleichspreisen: Um ...

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