EUROPA/Biodiversität/IPBES

Weckruf des Biodiversitätsrates sieht Landwirtschaft weltweit gefordert

Welche Rolle kann die Landwirtschaft spielen, die Biodiversität zu schützen, das Artensterben zu bremsen und nachhaltig Ressourcenschonung zu betreiben sowie die Welternährung zu leisten? Der Welt-Biodiversitätsbericht sieht die Nahrungsmittelproduktion basierend auf industrieller Landwirtschaft als Quelle anhaltenden Artensterbens.

Der in Paris zu Wochenbeginn veröffentlichte Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) macht die Landwirtschaft mitverantwortlich für das bedrohliche Artensterben rund um den Globus. Nach dreijähriger Arbeit von 150 Experten aus mehr als 50 Ländern haben die Forscher die wissenschaftlichen Studienergebnisse als "Zusammenfassung für Politiker" vorgelegt.

Der erste globale Bericht zum Zustand der Artenvielfalt warnt, dass von den geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit rund eine Million vom Aussterben bedroht ist. Das Ausmaß des Artensterbens sei in der Geschichte der Menschheit noch nie so groß wie heute.

Immer wieder verdeutlichen die Autoren, dass der Verlust an Biodiversität kein reines Umweltthema ist, sondern auch Entwicklung, Wirtschaft, politische Stabilität und soziale Fragen wie Entscheidungen zur Flucht beeinflusst. Die UN-Organisation forderte, auf allen lokalen bis globalen Ebenen sofort mit Gegenmaßnahmen zu beginnen. Hier sei vor allem die Landwirtschaft gefordert.

„Der unkontrollierte Raubbau von natürlichen Ressourcen wie die Abholzung der Wälder und die Überfischung der Meere, sowie die immer intensivere Landnutzung und Landwirtschaft, gerade auch in Europa, sind die Hauptursachen für den Verlust der Biodiversität“, erklärte der SPD-Umweltpolitiker im EU-Parlament, Jo Leinen. Der Kampf gegen das Artensterben müsse nach der Europawahl für die kommende EU-Kommission ein zentrales Anliegen sein. „Dafür braucht es eine Wende in der EU-Agrarpolitik, eine weitere Stärkung der Umwelt- und Artenschutzprogramme sowie eine globale Strategie mit unseren internationalen Partnern", forderte Jo Leinen.

Häusling: „Weltweiter Stopp von Glyphosat und Ende der Abholzung des Regenwaldes“

Auch der Koordinator für Agrarpolitik der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling, mahnt eine Kehrtwende in der EU-Agrarpolitik an:

„Klimaschutz ist Artenschutz. Die Bundesregierung darf es nicht bei warmen Worten für die Demonstranten der Fridays for Future-Bewegung belassen und muss den Schutz der Biodiversität zur Chefsache machen. Wir brauchen die Kehrtwende für mehr Klimaschutz und für eine nachhaltige Landwirtschaftspolitik.

Häusling forderte in einer Presseerklärung einen weltweiten Stopp von Glyphosat, die weltweite Verbannung von Plastik aus den Meeren und ein Ende der Abholzung des Regenwalds. Nur so könne das Artensterben und den Verlust der biologischen Vielfalt noch aufhalten werden. „Die Zeit zu handeln ist jetzt“, so Häusling.“

Höfken: „Aktion Grün für Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt in Anspruch nehmen“

Ebenso wertet die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken von den Grünen die IPBES-Befunde als Alarmruf. «Auch in Rheinland-Pfalz beobachten wir das Aussterben der sogenannten Allerweltsarten wie etwa vom Zitronenfalter oder dem Tagpfauenauge», sagte Höfken am Montag in Mainz mit Blick auf diese früher häufigen Schmetterlingsarten. Der in Paris vorgestellte Biodiversitätsbericht sei alarmierend und schockierend. „Er bestätigt unsere Sorgen, denn die Artenvielfalt ist weltweit bedroht.“

Höfken rief die Kommunen in Rheinland-Pfalz dazu auf, Fördermittel der «Aktion Grün» für Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt in Anspruch zu nehmen. Dafür habe das Land insgesamt neun Millionen Euro bereitgestellt.

Die rheinland-pfälzische CDU-Parteivorsitzende und Bundeslandwirtschaftsministerin Juli Klöckner teilt die Sorgen um den Verlust der Artenvielfalt: „Berichte über den Verlust von Tier- und Pflanzenarten nehme ich sehr ernst. Wir dürfen es nicht zulassen, dass mit der Artenvielfalt auch unsere Lebensgrundlage schwindet".

Klöckner: „Wir sind auf eine produktive Landwirtschaft angewiesen“

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft betrachte dabei auch, welche Rolle die Landwirtschaft dabei spiele. „Wir entwickeln unsere Politik so weiter, dass wir die Natur schützen, aber auch nachhaltig nutzen. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass wir auf eine produktive Landwirtschaft angewiesen sind“, sagte Klöckner.

Auf europäischer Ebene wies Bundesministerin Klöckner darauf hin, dass sie 2018 für ein Verbot der bienenschädlichen Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam gestimmt habe. Sie dürfen seit dem 19. Dezember 2018 EU-weit für die Anwendung im Freiland nicht mehr verkauft und angewendet werden.

„Für mich ist klar, dass es keine Notfallzulassungen dieser Wirkstoffe bei den Saatgutbeizungen für Zuckerrüben mehr geben soll. Das gilt!“

Schulze: „Der wichtigste Hebel ist eine grundlegende Reform der EU-Agrarförderung“

Klöckners Kabinettskollegin in Berlin und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte in den ARD-Tagesthemen am Montagabend ein Umsteuern in der EU-Landwirtschaftspolitik. „Es besteht Einigkeit in der Bundesregierung, den Pestizideintrag in der Landwirtschaft in der EU deutlich zu reduzieren“.

Die Menschheit säge an dem Ast, auf dem sie sitze. Die Natur sei in einem immer schlechteren Zustand. Die Menschen seien dabei, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören. Die Herausforderungen beim Artensterben seien ähnlich groß wie beim Klimawandel.

„Darum hoffe ich, dass der Bericht eine vergleichbare politische Dynamik auslöst. Er zeigt aber auch Auswege aus der Krise: Der wichtigste Hebel hierfür ist für mich eine grundlegende Reform der Agrarpolitik, vor allem der EU-Agrarförderung. Daneben brauchen wir mehr und effektivere Schutzgebiete. Dem Insektensterben will ich mit einem „Aktionsprogramm Insektenschutz“ entgegentreten, das wir derzeit in der Bundesregierung abstimmen", so Schulze


Diskussionen zum Artikel

von Fritz Ritterbusch

Weckruf

Die Menschen lernen nichts dazu so lange es ihnen gut geht. Erst wenn es zu spät ist, merken sie, daß man viel zu lange populistischen propaganda Akteuren auf den Leim gegangen ist. Wo und wie so etwas enden kann, hat man doch im letzten Jahrhundert erleben dürfen.

von Adolf Bauer

Frau Schulze hat recht!

Die Menschheit sägt an dem Ast , auf dem sie sitzt. Aber : die Menschheit an sich wird es nicht sein. Es sind Leute wie die Bienenretterin, Schulze, Hofreiter und Söder, die sich auf Kosten der Landwirtschaft profilieren und ihr Geschäftsmodell durchdrücken wollen. Wenn diese ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Franz

das Projekt zeigt kleine Maßnahmen, die einen Sinn und ein Ziel haben, ohne den Landwirt zu enteignen. In den Urwäldern sieht das anders aus, da viele Arten nur auf wenigen ha vorkommen, dafür aber extrem viele Arten im Gesamten vorkommen. Es wäre sinnvoll die Regenwälder zu pachten ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

komisch was hat glyphosat mit artensterben zu tun?????

Dieses Herbizid wird doch Hauptsächlich eingesetzt wenn so gut wie nichts blüht. Außerdem ist dieses Mittel eins der Mittel die am unbedenklichsten ist.

von Bernhard ter Veen

Artensterben

findet komischer weise jedes jahr einmal statt. im Herbst ist das normal. und im darauffolgenden frühling erwacht alles wieder zu neuem leben. ...die müssen wohl alle nur im herbst und winter wach sein ....die schlafmützen von Wissenschaftlern und Politikern. also reibt euch den schlaf ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Die wahre Frage: Wieviel Mensch verträgt die Welt?

Welche Pharisäer haben wir doch mit dieser Bagage. Ausgerechnet die UN!!! Ausgerechnet eine Gruppe von der UN, von der UN, die ansonsten nicht Müde wird die Landwirtschaft aufzufordern sie solle produktiver werden, da über 700 Mio. Menschen am Verhungern sind. Diese UN sollte sich aber ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

„Artensterben“

Man sollte aufpassen,das nicht die Art als Bauer ausstirbt...Jetzt kann man die LW wieder verteufeln, obwohl in der Studie das nur eine Komponente ist.

von Gerhard Steffek

@Jörg Meyer

Gibt hierfür eine "Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten". Wie diese hier z.B. (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gef%C3%A4hrdeter_Nutztierrassen).

von Gerhard Steffek

@Jörg Meyer

Gibt hierfür eine "Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten". Wie diese hier z.B. (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gef%C3%A4hrdeter_Nutztierrassen).

von Klaus Fiederling

Stereotype Beurteilungsmuster

Wie muss unsere hochverehrte Bundesumweltministerin Schulze uns Bauern doch lieben, sind selbst in ihren Tagträumen augenscheinlich doch nur die konventionellen Bauern auf unserem Blauen Planeten existent, in der Thematik als alleinige Brunnenvergifter und Insektenvernichter ... mehr anzeigen

von Jörg Meyer

ist "Artensterben" öffwentlich bewiesen?

Wo gibt es die Tabelle aus der man entnehmen kann welche Arten am aussterben sind? Und welche unterschiedlichen stufen bzw Grade des "Aussterbens eine Art" gibt es in der öffentlichen Diskussion? Hat da jemand genauerer Infos ? Sehr geehrte Top agrar Redaktion könnt ihr die Studie und ... mehr anzeigen

von Jörg Meyer

ist "Artensterben" öffwentlich bewiesen?

Wo gibt es die Tabelle aus der man entnehmen kann welche Arten am aussterben sind? Und welche unterschiedlichen stufen bzw Grade des "Aussterbens eine Art" gibt es in der öffentlichen Diskussion? Hat da jemand genauerer Infos ? Sehr geehrte Top agrar Redaktion könnt ihr die Studie und ... mehr anzeigen

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