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Wehe, wenn das Gas fehlt

Wenn in den nächsten Monaten das Gas in Deutschland tatsächlich knapp werden sollte, wäre das auch für die Landwirtschaft fatal. Deshalb heißt es nun umso mehr: Zusammenhalten!

Obwohl wir noch in den Sommermonaten sind, zittert Deutschland vor einem Gaslieferstopp aus Russland. Denn die Lage ist ernst. Sollte die Gasversorgung aus Russland zum Erliegen kommen, würde die Wirtschaft Deutschlands zwar nicht direkt kollabieren. Aber mit Blick auf den Winter verdüstert sich das Bild. Viele Industriebetriebe haben in den vergangenen Jahren auf Gas umgestellt, um effizienter zu werden und Emissionen einzusparen. Das wird nun zum Problem.

Landwirtschaftliche Betriebe stehen, zumindest auf den ersten Blick, relativ gut da. Sie gehören zu den sogenannten „geschützten Kunden“ und sind damit weit oben auf der Liste derjenigen, die auch weiterhin versorgt werden sollen. Außerdem gehören Landwirte nicht zu den Gasgroßverbrauchern. Viele setzen zudem nicht auf Erdgas, sondern LPG-Flüssiggas. Letzteres ist ein Nebenprodukt aus der Erdölraffinerie und wäre daher bei einem Lieferstopp nicht betroffen.

Effekte auch auf den Höfen

Aber die scheinbare Sicherheit trügt. In den vor- und nachgelagerten Bereichen würde ein Gasmangel verheerende Folgen haben. Das wiederum träfe auch die landwirtschaftlichen Betriebe hart. Brütereien, Molkereien, Schlachthöfe, Futtermittelhersteller, und Düngemittelwerke: Sie alle benötigen Gas – viel Gas. Ohne Erdgas schlüpfen keine Küken, die Milch wird nicht pasteurisiert und Stickstoffdünger wird auch nicht produziert. Überall herrscht dabei das gleiche Problem: Eine schnelle Abkehr vom Erdgas ist nicht möglich. Und sollte der Fall eintreten, dass die Molkerei oder der Schlachthof wegen Gasengpässen keine Lieferungen mehr annimmt, würde es auch die Höfe ins Straucheln bringen.

Zusammenhalten

Einen genaueren Blick auf die Lage in den einzelnen Teilen der Agrarbranche haben wir in diesem Beitrag zu einer möglichen Gasknappheit geworfen. Es zeigt sich einmal mehr. Wir sitzen alle im selben Boot. Man kann über die Versäumnisse vergangener Politik schimpfen und hätte dabei nicht mal unrecht. Nur braucht es im Angesicht des brutalen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine mehr als Rechthaberei. Wir müssen an einem Strang ziehen, Energie sparen und dadurch Zeit gewinnen. Zeit, die Unternehmen und Politik brauchen, um die Gasversorgung zu diversifizieren oder auf alternative Energiequellen umzustellen. Dabei leisten auch Landwirte ihren Beitrag zu mehr Unabhängigkeit in der Energieversorgung. Sie haben schon früh in Erneuerbare investiert, und werden das auch weiter tun.


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