EU-Agrarministerrat/Klimaschutz

Welche Rolle übernimmt Landwirtschaft beim Klimaschutz?

Landwirtschaft als Klimakiller oder Klimaretter? Die EU-Agrarminister diskutieren bei ihrem Treffen in Helsinki den Beitrag der Landwirte zur Erreichung der Pariser Klimaziele

Parallel zur UN Generalversammlung in New York mit dem Schwerpunkt Klimaschutz beraten die EU-Landwirtschaftsminister zu Wochenbeginn in Helsinki über die Neugestaltung der Rolle der Landwirtschaft zur Erfüllung der Pariser Klimaziele.

Im Mittelpunkt der zweitägigen Diskussion steht die Frage, durch welche konkreten Projekte zur Kohlenstoffbindung im Boden eine nachhaltige Landwirtschaft künftig gewährleistet werden kann.

An der informellen Agrarministertagung nimmt für Deutschland Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner teil.

Das festgelegte Ziel der EU lautet, bis zum Jahre 2030 mindestens 40 Prozent der Treibhausgase zu reduzieren gerechnet vom Basisjahr 1990. Bisher hat die EU 22 Prozent der Reduktionsziele erreicht

Um Klimaneutralität bis zur Jahrhundertmitte zu erreichen, fällt der Land- und Forstwirtschaft eine maßgebliche Rolle zu. Der Bindekraft von CO2 in den Agrarflächen und dem Forst Europas kommen dabei eine besondere Bedeutung zu.

Die europäische Landmasse wird fast zur Hälfte als Agrarflächen bewirtschaftet. Derzeit sind in der obersten Bodenschicht der landwirtschaftlich genutzten Flächen 51 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente gespeichert. Im Vergleich dazu betragen die jährlichen CO2-Emissionen der EU 4,4 Milliarden Tonnen.

In der obersten Bodenkrume steckt ein riesiges Potential Kohlenstoffsenke

Jegliche Veränderung von land- und forstwirtschaftlicher Nutzung und den damit einhergehenden Gewinnen oder Verlusten von CO2-Bindewirkung sind für die EU von entscheidender Bedeutung. Europas Landwirte spielen also eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz.

In der im Juli von der EU-Kommission veröffentlichten Mitteilung “Ein sauberer Planet für alle“ zur Klimaneutralität bis 2050 wird hervorgehoben, dass nur durch eine stabile CO2-Sequestration auch in landwirtschaftlichen Böden die Klimaziele erreicht werden können.

Die Brüsseler Behörde anerkennt ausdrücklich die Möglichkeiten der Ansammlung von Kohlenstoff in guter landwirtschaftlicher Praxis. Sie sollten in Zukunft stärker nutzbar gemacht werden, fordert die EU-Kommission.

Getreideanbauflächen stellen CO2-Problemzonen dar

Unter Vorsitz des finnischen Landwirtschaftsministers Jari Leppä wollen die Fachminister in Helsinki am Dienstag ihre best pratice-Beispiele in den EU-Staaten zur Sprache bringen und Strategien für die Zukunft erörtern.

Die Fähigkeit zur CO2-Absorption von landwirtschaftlichen Böden ist höchst unterschiedlich und variiert von 15 Gramm Kohlenstoff je Kilogramm Ackerkrume in den mediterranen EU-Ländern bis zu 50-80 Gramm/kg in Torfgebieten. Getreideanbauflächen und Umwidmung von Grasland können hingegen je nach Bewirtschaftungsintensität CO2-Problemfächen darstellen.

Ein weiter Schwerpunkt des zweitägigen Agrarministerrat-Treffens stellt am Montag die Bioökonomie dar. Der finnische EU-Ratspräsident Jari Leppä zeigt seinen Kollegen finnische Vorzeigeprojekte in diesem Zukunftsbereich für die europäische Landwirtschaft

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Dr. Willi Kremer-Schillings

Eigentlich ganz einfach...

Wenn der Ausstoß von CO2 kostet, muss es doch logischerweise für die Bindung von CO2 (Böden, Holz) etc. eine Gutschrift geben. Welche andere Berufsgruppe kann noch CO2 binden? Und jetzt kann man ein kluger Experte ausrechnen, was da so an die Landwirte gezahlt werden muss. Haben übrigens schon welche gemacht. Liegt so zwischen 35 und 70 € pro Hektar. Quelle habe ich gerade nicht parat.

von Heinrich Albo

Also wir haben

definitiv mit konventioneller Landwirtschaft und Viehaltung in den letzen 50 Jahren unsere Mutterbodenauflage von 15cm auf 30 cm erhöht. Das funktioniert nur auf Ackerland und nicht auf Grünland. Wenn wir nur noch unter Entzug düngen dürfen dann wird wieder mehr Co2 frei gesetzt.

von Gerd Uken

Was machen die anderen denn

Bleiben in Frankfurt jetzt Flugzeuge am Boden gerade heute Merkel nimmt Kramp Karrenbauer nicht mit im Bundeswehrflieger sondern sie reist hinterher im eigenen Flieger der BW nach VS. Scheinheiliger geht’s nicht?! Was ist mit den Formel 1 Rennen wer macht da denn was um Klimaneutral zu werden stellen die Alle auf E Antrieb um? Wir müssten doch zusätzlich Geld bekommen dafür das wir CO2 binden!! Aber nein lieber Haut man auf uns noch drauf

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Ideologie killt Ökolgie

Auf der einen Seite will man Humus aufbauen (Kohlenstoff binden) und auf der anderen Seite fordert man uns Landwirte auf, wieder mehr Bodenbearbeitung zu machen um Herbizide ("Pflanzengifte") einzusparen. Wenn wir auf dem eingeschlagenen Weg ohne Rücksicht auf Verluste weitergehen, werden wir eher wieder mehr CO² freisetzen.

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