Wer jetzt nicht hilft, lässt die Schäferei sterben

Das öffentliche Fachgespräch zum Thema Herdenschutz im Bundestag – wir berichteten – hat laut Linken-Agrarsprecherin Dr. Kirsten Tackmann drei wichtige Erkenntnisse gebracht: Präventiver Herdenschutz wird in Wolfsgebieten immer gebraucht, egal wie hoch die Wolfspopulation ist.

Kirsten Tackmann (Bildquelle: kirstentackmann.de)

Das öffentliche Fachgespräch zum Thema Herdenschutz im Bundestag – wir berichteten – hat laut Linken-Agrarsprecherin Dr. Kirsten Tackmann drei wichtige Erkenntnisse gebracht:

  1. Präventiver Herdenschutz wird in Wolfsgebieten immer gebraucht, egal wie hoch die Wolfspopulation ist.
  2. Präventiver Herdenschutz ist erfolgreich, wenn er deutlich besser finanziell und rechtlich abgesichert wird.
  3. Die Unterstützung muss schnell kommen, denn für viele Weidetierhaltungen, insbesondere bei Schäfereien, ist es kurz vor Zwölf – auch ohne Wolf. Und der dürrebedingte Futtermangel spitzt die Lage weiter zu.
Die Politikerin bedauert aber, dass es Union, FDP und AfD wider diesen Erkenntnissen bei dem Fachgespräch vor allem um den Abschuss von Wölfen gegangen sei. „Statt wirklich zu helfen wird der Wolf auf Kosten der existenzbedrohten Weidetierhaltungen instrumentalisiert. Aber nicht der Wolf macht der Schäferei den Garaus, sondern die prekäre wirtschaftliche Lage, die Folge einer verfehlten EU-Agrarpolitik und ihrer Umsetzung in Deutschland ist“, so Tackmann.
 
Finanzielle Rücklagen seien nicht verfügbar, da ihre gemeinwohlorientierte, essentiell wichtige Arbeit auf dem Grünland, in Naturschutzgebieten oder Deichen weder vom Markt noch von der öffentlichen Hand bezahlt wird. „Der Wolf ist nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, so die Politikerin.
 
Aber nur mit Geld allein geht es laut Tackmann auch nicht. Sie erinnert daran, dass die Hälfte der schafhaltenden Betriebe in zehn Jahren nicht mehr da sei, wenn sich die ökonomische Lage der Schäfereien nicht wesentlich verbessere und präventiver Herdenschutz nicht flächendeckend umgesetzt wird. Daher fordert ihre Partei ein Bundesprogramm Weidetierhaltung, dass die Weidetierhaltung in Deutschland unterstützt bis es eine gekoppelte Weidetierprämie innerhalb der Ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik gibt.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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von Erwin Schmidbauer

Wer anschafft

Wenn "Die Gesellschaft" nicht bereit ist, für die Weidetierhaltung einen angemessenen Preis zu bezahlen, dann scheint die Gesellschaft oder die Bevölkerung oder der Konsument, ungeachtet der Behauptungen verschiedener Akteure, nicht bereits zu sein, die Weidetierhaltung zu erhalten. Der Wolf mag wirklich das Fass zum überlaufen bringen, aber gerade deshalb wäre hier ein vollständiger finanzieller Ersatz der Kosten und Aufwände durch "Die Gesellschaft", die angeblich den Wolf haben möchte, dringend notwendig.

von Erwin Schmidbauer

Wer anschafft...

Wenn "Die Gesellschaft" nicht bereit ist, für die Weidetierhaltung einen angemessenen Preis zu bezahlen, dann scheint die Gesellschaft oder die Bevölkerung oder der Konsument, ungeachtet der Behauptungen verschiedener Akteure, nicht bereits zu sein, die Weidetierhaltung zu erhalten. Der Wolf mag wirklich das Fass zum überlaufen bringen, aber gerade deshalb wäre hier ein vollständiger finanzieller Ersatz der Kosten und Aufwände durch "Die Gesellschaft", die angeblich den Wolf haben möchte, dringend notwendig.

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