Wesjohann: „Das ist moderne Hexenverbrennung“

Die deutschen Geflügelhalter sehen sich in der Öffentlichkeit immer mehr Anfeindungen ausgesetzt. Nach kritischen TV-Berichten über die Haltung, nach Protesten zum Schlachthof Wietze und Blockaden neuer, genehmigter Mastställe sind zuletzt zwei Anlagen innerhalb von 10 Tagen in Brand geraten. Nun folgt der nächste mediale Schlag.

Die deutschen Geflügelhalter sehen sich in der Öffentlichkeit immer mehr Anfeindungen ausgesetzt. Nach kritischen TV-Berichten über die Haltung, nach Protesten zum Schlachthof Wietze und Blockaden neuer, genehmigter Mastställe sind zuletzt zwei Anlagen innerhalb von 10 Tagen in Brand geraten.

Nun folgt der nächste mediale Schlag. Das ARD-Fernsehmagazin "Report Mainz" hat für den 31. August einen Bericht über das „System Wiesenhof“ angekündigt: „Wie ein Geflügelkonzern Menschen, Tiere und Umwelt ausbeutet“.

Gegenüber dem Hamburger Abendblatt zeigte sich Wiesenhof-Chef Peter Wesjohann nicht nur erschüttert über diesen Titel, sondern auch über das Ausmaß der jüngsten Darstellungen. Er sprach von „moderner Hexenverbrennung“ und schloss das Kamerateam von Report Mainz von einer Pressekonferenz letzte Woche aus. "Tenor und Titel ihres Beitrages stehen doch sowieso schon fest, sie suchen ja nur noch nach Bausteinen", begründete der PHW-Vorsitzende den Ausschluss. Für Wesjohann geht es um "ideologischen Kampagnenjournalismus".
 
Mittlerweile soll auch der Verfassungsschutz auf die Aktionen gegen die Geflügelbranche aufmerksam geworden sein. Man beobachte zwar keine Tierschützer konkret, vermute aber, dass die linksextremistische autonome Szene mitmischt, erklärte Hans-Werner Wargel, Chef des Verfassungsschutzes in Niedersachsen. Ähnlich wie bei Castor-Transporten würden die Randalierer in dem zunehmenden Protest aus dem bürgerlichen Lager günstige Rahmenbedingungen für ihre Ziele erkennen. "Solchen Aktivisten geht es nicht nur um Tierschutz im eigentlichen Sinne, sondern darum, mit militanten, strafbaren Mitteln ihre Ideologie durchzusetzen und das politische System zu überwinden."


Eine dieser Gruppierungen ist nach Informationen des Abendblattes die Tierrechtsorganisation ALF Animal Liberation Front, die sich letztes Jahres zu einem Brandanschlag auf eine neue Hähnchenmastanlage in Sprötze bekannte. Zuletzt seien an diesem Wochenende rund 1000 Schweine in einer Mastanlage in Wolfsburg verendet. Die Polizei untersucht noch, ob es sich um Brandstiftung handelt.


Doch auch von Seiten der Politik bekommen die Geflügelhalter momentan Gegenwind. Bekanntlich plant Niedersachsen eine Verschärfung der Haltungsbedingungen, u.a. mit einem Verbot des Schnabelkürzens. Landwirtschaftsminister Gert Lindemann will außerdem die Expansion großgewerblicher Mastbetriebe einschränken. (ad)

vgl:
Geflügelhaltern reichts: Brandbrief an die Politik (21.7.2011)
Brandursache in Hähnchenstall schnell aufklären (20.7.2011)


 

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