"Wir brauchen ganz andere Ställe!"

"In den heute üblichen Schweineställen kann man die Tiere kaum tierschutzgerecht halten. Wenn wir hier etwas ändern wollen, brauchen wir ganz andere Ställe!" Mit dieser provokanten Äußerung reizte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, gestern die rund 70 Vertreter der Fleischbranche bei der Veranstaltung des FIN-Q.NRW-Netzwerks an der Universität Bonn.

"In den heute üblichen Schweineställen kann man die Tiere kaum tierschutzgerecht halten. Wenn wir hier etwas ändern wollen, brauchen wir ganz andere Ställe!" Mit dieser provokanten Äußerung reizte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, gestern die rund 70 Vertreter der Fleischbranche bei der Veranstaltung des FIN-Q.NRW-Netzwerks an der Universität Bonn.
 
Die zukünftigen Haltungsbedingungen sind nur ein Teilprojekt von FIN-Q. Die vier Buchstaben stehen für Forschungsnetzwerk Innovation durch Qualitätskommunikation. Den Initiatoren der Universität Bonn ging es in dem von der EU und dem Land Nordrhein-Westfalen finanzierten Projekt vor allem darum, neue innovative Ansätze der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Fleischwirtschaft zu beschreiten und Ansätze für eine bessere Kommunikation zwischen Kunden und Lieferanten sowie zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu finden. "Anlass für das Projekt war das anstehende Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel und die Herausforderungen, die die Umstellung auf die Ebermast mit sich bringt", sagte Prof. Dr. Brigitte Petersen von der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn bei der Eröffnung der Tagung. Aber auch der angestrebte Verzicht auf das Schwänzekürzen und die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes stellten die Branche in Zukunft vor große Herausforderungen.

Netzwerke helfen, Probleme zu lösen

„Es ist uns gelungen, Schlachter, Tierhalter und Wissenschaftler zusammenzubinden und Handlungsanleitungen und Beratungskonzepte zu entwickeln, wie wir die anstehenden Fragen und Probleme lösen können“, ist die Wissenschaftlerin überzeugt. So haben die Bonner Forscher u.a. herausgefunden, dass der Skatol-Gehalt im Muskelfleisch wahrscheinlich einen wesentlichen stärkeren Einfluss auf den Ebergeruch hat als die Konzentration von Androstenon. Auf diesen Ergebnissen gelte es aufzubauen, z.B. die Schnelltests weiterzuentwickeln, hieß es.
 
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde allerdings auch deutlich, dass noch viele Fragen offen sind. „Die Verbraucher wollen gar nicht so genau wissen, wie die Tiere geschlachtet und verarbeitet werden“, ist sich Prof. Dr. Monika Hartmann von der Universität Bonn sicher. „Sie wollen aber das Gefühl haben, dass der Tierschutz dabei möglichst umfassend beachtet wird, dafür aber nicht mehr Geld bezahlen. Das ist ein wirtschaftliches Probleme für die Landwirte.“
 
Deshalb dürfe die Politik den Tierschutz nur mit vertretbaren Anpassungsfristen verschärfen, damit die Landwirte die Umstellung wirtschaftlich verkraften könnten, forderte top agrar-Chefredakteur Dr. Ludger Schulze Pals. Sonst wandere die Tierhaltung in andere Regionen der Welt ab, wo der Tierschutz nicht so wichtig sei. Einig war man sich auf dem Podium, dass zusätzliche Tierschutzleistungen gesondert honoriert werden müssen. „Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Handel arbeiten bei QS bereits an einem Konzept, wie diese definiert und vergütet werden können“, erläuterte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft, Dr. Heike Harstick.
 
Die Diskussion und das ganze Projekt hätten gezeigt, dass sich viele Probleme nur innerhalb von Netzwerken lösen ließen. Deshalb sei der Ansatz von FIN-Q grundsätzlich richtig und sollte weitergeführt werden, sagte Prof. Dr. Petersen zum Schluss. Erste Projekte seien dazu bereits auf den Weg gebracht.         
 


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