Wird unsere heutige Landwirtschaft noch akzeptiert?

"Es geht nicht mehr darum, ob wir etwas sachlich falsch oder richtig machen. Es geht darum, ob das, was wir tun, moralisch zu rechtfertigen ist oder nicht.“ Das sagte Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz am Donnerstag. Er fragt, was denn eine tiergerechte Haltung ist und liefert direkt die Antwort.

"Es geht nicht mehr darum, ob wir etwas sachlich falsch oder richtig machen. Es geht darum, ob das, was wir tun, moralisch zu rechtfertigen ist oder nicht.“ Das sagte Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz auf dem Bauerntag in Mustin (Kreis Herzogtum Lauenburg).

Auch wenn es sich für den Bürger seltsam anhört: Bauern sehen sich in besonderer Verantwortung gegenüber Tieren, Pflanzen, Wasser und Boden. Dies seien schließlich die Produktionsfaktoren, weshalb die Landwirte damit pfleglich umgehen.

„Unsere Tierhaltung ist heute ein öffentlicher Diskussionsgegenstand. Die Diskussion wird von Kampfbegriffen beherrscht - Massentierhaltung, Agrarfabriken, Tierquäler. Der Markt ist absolut preisorientiert, die Meinung mit hohem moralischem Ansprüchen gepflastert. Aber uns billigt man nicht mehr zu, diesen moralischen Anspruch zu erfüllen. Im Gegenteil: Effizienz, Wirtschaftlichkeit, Innovation, Technologie – alles was Indiz des modernen Menschen gilt, wird der Nutztierhaltung zur Last gelegt“, kritisierte Schwarz weiter.

Die Zuhörer fragte er zudem, was denn eine tiergerechte Haltung ist und lieferte direkt die Antwort: „Es sind die fünf Freiheiten: Freiheit von Hunger und Durst, Freiheit von Unbehagen, Freiheit von Schmerzen, die Freiheit zum Ausleben normaler Verhaltensweisen und die Freiheit von Angst und Leiden.“ Eine interessante Frage sei dabei für ihn, wo diese Freiheiten besser erfüllt würden, in der Natur oder im Stall?  Landwirte jedenfalls könnten diese Freiheiten sicherstellen. Schwarz begründete in seinem Vortrag dann ausführlich, was die Tierhalter dazu im Einzelnen unternähmen.

Im Gegensatz dazu ginge es den Wildtieren deutlich schlechter, angefangen beim Hunger bis hin zu den Krankheiten und der Gefahr durch natürliche Feinde.

„Da ist die Kraftanstrengung der Wirtschaft zur Initiative Tierwohl eine andere Ansage. Das System ist meinem Wissen nach weltweit einmalig und wird von allen Beteiligten als der große Wurf bezeichnet. Ich bin überglücklich, dass unsere Schweinehalter das System regelrecht überrannt haben. Es zeigt, dass wir uns nicht darauf festzulegen, die heutige Tierhaltung als das Nonplusultra zu verteidigen. Die Anlaufprobleme werden sich nach und nach auflösen“, so Schwarz.

Er kündigte an, dass sich die Tierhalter  weiter auf die Gesellschaft zubewegen - beispielsweise mit der Vereinbarung zum Verzicht auf das Schwänzekupieren, mit der Vereinbarung zu tragenden Schlachtkühen oder zur Enthornung von Kälbern. „Dies sind Angebote an den Bürger.“

Tierhaltung ist seiner Meinung nach in Deutschland möglich. „Wir sind konkurrenzfähig. Die Akzeptanz leidet nicht an der tatsächlichen Tierhaltung, denn die kennt kaum einer mehr. Bei alldem dürfen wir zwei Dinge nicht außer Acht lassen: Veränderung kostet Geld, Veränderung braucht Zeit. Verordne ich Veränderungen von oben herab, dann ernte ich einen massiven Strukturwandel. Unsere Tierhaltung ist also nicht nur effizient, sondern auch flächenschonend. Eine solche Tierhaltung aus dem Lande zu treiben ist verantwortungslos", erklärte der Bauernpräsident.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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