Zahl der Wolfsrisse in Niedersachsen verdoppelt

2017 hat sich die Zahl der von Wölfen getöteten Nutztiere in Niedersachsen verdoppelt. Wie der NDR unter Berufung auf das Wolfsbüro meldet, wurden in diesem Jahr 355 Weidetiere gerissen. Im Jahr zuvor waren es 178. Bei insgesamt 232 Angriffen wurden vor allem Schafe getötet.

Wölfe (Bildquelle: Wald und Holz NRW)

2017 hat sich die Zahl der von Wölfen getöteten Nutztiere in Niedersachsen verdoppelt. Wie der NDR unter Berufung auf das Wolfsbüro meldet, wurden in diesem Jahr 355 Weidetiere gerissen. Im Jahr zuvor waren es 178. Bei insgesamt 232 Angriffen, von denen ein Großteil eindeutig Wölfen zugeordnet werden konnten, wurden vor allem Schafe getötet. Nur bei 33 Angriffen war der Wolf nicht der Verursacher, in anderen Fällen ist es unklar.
 
Parallel hat sich auch die Zahl der Wolfsrudel vergrößert: Gab es 2016 noch zehn Rudel in Niedersachsen, so waren es in diesem Jahr schon mindestens 14. Die Landesjägerschaft geht dabei von bis zu 150 Tieren aus.
 
Wegen dieser Entwicklung fordert Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) noch klarere Regeln im Umgang mit den Tieren und kündigt zudem an, den Schadenersatz für Weidetierhalter künftig schneller und effektiver zu gestalten. So könnte künftig die Rissbegutachtung als Standardverfahren etabliert werden und nur noch in Zweifelsfällen auf die DNA-Analyse zurückgegriffen werden, um herauszufinden, ob Wölfe für die Angriffe verantwortlich sind.
 
Die Förderung zur Anschaffung von Schutzzäunen wurde bereits auf ganz Niedersachsen ausgeweitet und soll künftig auch Hobby-Tierhaltern zur Verfügung stehen. Auch beim Umgang mit dem Wolf selbst fordert der Minister ein "konsequentes, aber rechtssicheres Handeln", berichtet der NDR.

So sei laut Lies beim Artenschutz für den Wolf eine Phase erreicht, bei der nicht das einzelne Tier oder Rudel entscheidend sei, sondern die Akzeptanz der Gesellschaft. "Meine Haltung ist klar: Die Sicherheit der Menschen hat oberste Priorität", sagt Lies. Wenn Wölfe die Scheu vor dem Menschen verlieren und dadurch zur Gefahr würden, müssten sie schnell "entnommen" werden. Das bedeute entweder, Tiere lebend zu fangen und sie in ein Gehege zu bringen oder auch die "letale Entnahme" - also der Abschuss.
 
Auch bei Wölfen, die wiederholt Herdenschutz-Maßnahmen überwinden, müsse man künftig reagieren, so der Minister: "Wenn es immer wieder an derselben Stelle trotz eines Zauns zu Wolfsrissen kommt, dann muss es auch möglich sein, die Tiere zu entnehmen."
 
Größere Hindernisse sieht Lies dagegen inzwischen für die von ihm ins Gespräch gebrachten wolfsfreien Zonen. Nicht nur, weil ein Wolf in einer Nacht gute 60 km zurücklegen kann. Auch rechtlich seien sie problematisch. Lies will in Brüssel nun Gespräche über entsprechende Möglichkeiten führen.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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