Bleiben Eier und Geflügel attraktiv? Plus

Bislang galten Eier und Geflügel in Deutschland als Betriebszweige mit Potenzial, doch jetzt wirbelt die Coronakrise die Märkte durcheinander. Was kommt danach?

Die Betriebszweige Geflügel und Eier sind keine Selbstläufer, aber normalerweise erwirtschaften die Produzenten auskömmliche Betriebsergebnisse. Daran ändern auch die üblichen saisonalen Absatz- und Preisschwankungen nichts. Seit Ausbruch der Coronakrise stocken einige Vertriebswege jedoch. Das gilt besonders für den Außer-Haus-Verzehr in Kantinen, Restaurants usw., und der Export über Ländergrenzen hinweg läuft ebenfalls nicht immer reibungslos. Das verunsichert viele Geflügelhalter, dabei sind die Perspektiven zumindest auf den ersten Blick durchaus positiv.

Zugegeben: Im Jahr 2019 hat sich der Verzehr von Fleisch vorläufigen Statistiken zufolge in Deutschland erheblich verringert. Insgesamt kamen noch rund 59,5 kg je Bürger auf den Teller. Das waren rund 0,6 kg weniger als im Vorjahr. Zurückzuführen ist der Rückgang aber auf den geringeren Appetit auf Schweinefleisch. Geflügelfleisch lag dagegen unverändert bei 13,8 kg/Kopf, und Rindfleisch erzielte sogar ein marginales Plus um 100 g auf 10 kg. Damit setzte sich der Trend der Vorjahre fort, und 2020 werden ähnliche Entwicklungen erwartet: Geflügelfleisch ist stetig gefragt, bleibt also in puncto Absatz eine „sichere Bank“. Hähnchenfleisch führt dabei die Beliebtheitsskala an.

Inklusive der Althennen kommen Hähnchen (in der offiziellen Statistik unter der Bezeichnung „Masthühner“ zu finden) in Deutschland zwar auf einen Selbstversorgungsgrad (SVG) von fast 105% (s. Übersicht auf Seite 118). Geflügelfleisch liegt insgesamt aber nur bei rund 95%. Die Inlandsproduktion deckt also unseren Bedarf nicht. Überdies wird ein erheblicher Teil der bei uns gemästeten Tiere im EU-Ausland geschlachtet. Bei den hiesigen Verbrauchern weniger beliebte Teilstücke wie Flügel, Schenkel oder Füße werden überdies exportiert und Brustfleisch im Gegenzug importiert. Unterm Strich ist Deutschland also Importeur.

Bei einzelnen Geflügelarten ist unser Zufuhrbedarf prozentual noch ausgeprägter. Deutschlands SVG liegt bei Puten (in der Statistik unter Truthühner zu finden) knapp unter 80%, bei Enten beträgt er etwa 55% und bei Gänsen noch nicht einmal 16%. Von Angebotsüberschüssen kann also keine Rede sein. Bleibt das so?

Was kommt nach Corona?

Anfang 2020 hatte das amerikanische Agrarministerium (USDA) für das laufende Jahr noch einen kräftigen Anstieg der weltweiten Hühnerfleisch-Produktion um rund 4% auf fast 103 Mio. t vorhergesagt. Jetzt wirbeln die aktuellen Ereignisse, vor allem Corona, den internationalen Geflügelmarkt gehörig durch. Aus diesem Grund hat das USDA seine Vorhersage kürzlich nach unten korrigiert, und rechnet jetzt nur noch mit 100,5 Mio. t, also +1,4% gegenüber dem Vorjahr.

Auch nach Analysen der Rabobank werden die...


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