Bleibt Getreide knapp und teuer? Premium

Knappe Vorräte und eine bescheidene Ernte. Das sind die Zutaten für stabile Getreidepreise. Und nicht nur Optimisten glauben, dass das auch so bleibt. Die Terminbörsen sind zurzeit extrem wetterwendisch. Schon ein paar Trockentage oder ein kleiner Schauer führen an Matif, CBoT und Co. zu erheblichen Kursausschlägen. Bis zum Sommer wird sich das auch nicht mehr ändern. Das macht die Vermarktung der neuen Ernte nicht leichter. Was nun, fragen sich im Moment viele Getreidebauern. Zu Recht. Der Markt ist unberechenbar.Ende letzten Jahres hat fast niemand damit gerechnet, dass die Erzeugerpreise wieder anziehen würden. Denkste: Brotweizen hat sich von Dezember 2011 bis heute (Stand Anfang Juni 2012) im Bundesmittel um rund 40 €/t verteuert. Das hohe Niveau von 2010/11 liegt zwar immer noch in weiter Ferne, aber im Gegensatz zu damals zeigt die Preiskurve jetzt keinen Knick (vgl. Übersicht 1 auf Seite 115). Selbst Partien mit Fallzahlen (Fz) unter 220 wurden von den Mühlen ohne Abzug akzeptiert. Mühlenfähiger Roggen war der Preiskönig des ablaufenden Wirtschaftsjahres. Seit Dezember 2011 sind die Erzeugerpreise zwar „nur“ um 35 €/t gestiegen. Aber dafür kostete Roggen schon direkt nach der Ernte 200 €/t. Deutlich mehr als im Vorjahr. Futterweizen hat in den vergangenen Monaten preislich so zugelegt wie Brotweizen. Während der gesamten Saison brauchte Futterweizen den Preisvergleich mit Mühlenware nicht zu fürchten. Im Gegenteil, meistens gab es für das gesamte Weizensortiment nur einen Kurs, und der wurde in vielen Gebieten vom Futterweizen markiert. Futtergerste hat zuletzt zwar etwas geschwächelt. Da der Markt weitgehend leergefegt ist, handelt es sich bei den jüngsten Notierungen aber eher um „Meinungspreise“. Diese liegen immer noch über denen des Vorjahres. In Veredlungshochburgen erzielt Gerste nach wie vor mindestens Weizenpreise. Rückwirkend gesehen hat sich die Einlagerung meistens nicht gelohnt. Unter Berücksichtigung der Kosten für Lagerung, Zinsen, Schwund usw. haben einlagernde Landwirte meistens draufgezahlt. Die spannende Frage lautet: Was bedeutet das für das kommende Getreidejahr? Indifferenter Markt.Die Antwort ist nicht ganz leicht. Die Marktsignale sind widersprüchlich. So haben sich die globalen Weizenvorräte in den letzten zwölf Monaten spürbar erholt. Handelsnahe Meinungsmacher nutzten das für Baisse-Prognosen. Diese haben sich aber nicht bestätigt. Im Gegenteil: Selbst jetzt, kurz vor der neuen Ernte, tendieren die Preise überwiegend stabil bis fest. Analysten machen dafür China und Indien verantwortlich, die ihre Getreidevorräte sukzessive aufstocken. Peking bunkert mittlerweile rund ein Viertel der globalen Weizenvorräte, und weitere 10 bis 11 % lagern in Indien. Der Großteil dieser Bestände ist aber gar nicht für den Weltmarkt vorgesehen. Das gilt besonders für die chinesischen. Unterm Strich ist das marktwirksame Sicherheitspolster also wohl erheblich dünner als es auf den ersten Blick erscheint. Spannend wird es deshalb, wenn wir keine gute Ernte einfahren, und die weltweite Versorgung nur durch den Rückgriff auf Lagerbestände gewährleistet ist. Die Hochrechnungen und Prognosen des Internationalen Getreiderates (IGC), des US-Agrarministeriums (USDA), der EU sowie anderer Stellen sehen im Moment nicht bei allen Getreidearten auskömmliche Erntemengen. Der IGC erwartet laut seiner jüngsten Prognose in der Saison 2012/13 eine weltweite Getreideproduktion von insgesamt 1,873 Mrd. t (ohne Reis). Das wären 32 Mio. t oder annähernd 2 % mehr als 2011/12. Den voraussichtlichen Verbrauch beziffern die Experten auf 1,871 Mrd. t. Die globalen Vorräte dürften sich demnach Mitte 2013 bei 373 Mio. t einpendeln, was nur ein ganz kleines Plus gegenüber Mitte 2012 wäre. Von einem Überangebot kann demnach wirklich keine Rede sein. Gegenüber ihren April-Zahlen haben die Londoner Beobachter die voraussichtlichen Endbestände zudem um 10 ...

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